W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Ich hoffe Sie im Besitz meines gestrigen Briefes und habe
heute Ihr Schreiben1 vom 14. ds. erhalten. Die Postverbindung ist
also noch immer eine ganz schauderhafte. Inzwischen ist ja laut
Ihrer telegrafischen Mitteilung2 der erste Betrag in Ihre Hände
gelangt und, wie ich Ihnen gestern schrieb, rechne ich bestimmt
darauf, Ihnen anfangs September wieder etwas Kassa senden zu können.
Nach Amsterdam3, München4 und an Frau Zehme5 schrieb ich sofort, da-
mit die Beträge für die Gurrelieder-Materiale so rasch als möglich
eingehen. Sollten diese Eingänge im Laufe des Monats September flüs-
sig werden, dann würden ja für Sie wieder Anteile erwachsen, so dass
hoffentlich im Oktober ebenfalls wieder ein Ueberschuss an Sie zur
Auszahlung gelangen kann.
Was nun die Idee, dass Sie über diese schwere Zeit nach Wien
kommen betrifft, so will ich den Versuch machen, einige für diese Sache
wichtige Personen wie: Wiener, Bopp, Guido Adler, zu interessieren.
Ich will auch den den Versuch machen, für Sie samt Frau und zwei Kindern6
eine unentgeltliche Wohnung für die Kriegszeit zu finden. Wenn das
gelingen würde, wären wir gleich einen grossen Schritt weiter.

Sobald ich irgend etwas Positives melden kann, erhalten Sie
sofort Nachricht. Sie können überzeugt sein, dass ich alles, was
in meiner, allerdings sehr bescheidenen Macht steht, tue, um Ihnen
zu helfen.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr Ihnen warm ergebener

W
Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Ich hoffe Sie im Besitz meines gestrigen Briefes und habe heute Ihr Schreiben1 vom 14. ds. erhalten. Die Postverbindung ist also noch immer eine ganz schauderhafte. Inzwischen ist ja laut Ihrer telegrafischen Mitteilung2 der erste Betrag in Ihre Hände gelangt und, wie ich Ihnen gestern schrieb, rechne ich bestimmt darauf, Ihnen anfangs September wieder etwas Kassa senden zu können.
Nach Amsterdam3, München4 und an Frau Zehme5 schrieb ich sofort, damit die Beträge für die Gurrelieder-Materiale so rasch als möglich eingehen. Sollten diese Eingänge im Laufe des Monats September flüssig werden, dann würden ja für Sie wieder Anteile erwachsen, so dass hoffentlich im Oktober ebenfalls wieder ein Ueberschuss an Sie zur Auszahlung gelangen kann.
Was nun die Idee, dass Sie über diese schwere Zeit nach Wien kommen betrifft, so will ich den Versuch machen, einige für diese Sache wichtige Personen wie: Wiener, Bopp, Guido Adler, zu interessieren. Ich will auch den den Versuch machen, für Sie samt Frau und zwei Kindern6 eine unentgeltliche Wohnung für die Kriegszeit zu finden. Wenn das gelingen würde, wären wir gleich einen grossen Schritt weiter.
Sobald ich irgend etwas Positives melden kann, erhalten Sie sofort Nachricht. Sie können überzeugt sein, dass ich alles, was in meiner, allerdings sehr bescheidenen Macht steht, tue, um Ihnen zu helfen.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr Ihnen warm ergebener
Emil Hertzka

26. August 1914


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 26. August 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17563.

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