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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Im Besitze Ihrer Karte1 vom 6. ds. habe ich Ihnen
zunächst eine à Conto-Zahlung von 150 Mark gestern telegrafisch
angewiesen und werde trachten, Ihnen im nächsten Monate wieder
einen Betrag zukommen zu lassen.
Der Irrtum der Buchhaltung lag keinesfalls darin, dass
Ihnen eine Ihnen gebührende Post nicht gutgebracht worden wäre,
sondern, dass die rückständige Verrechnung für die Harmonie-
Lehre
aus dem ersten Semester 1914 , die auf Ihrem Konto ordnungs-
gemäss verzeichnet ist und die endgiltige Liquidation dersel-
ben buchhalterisch erst zu erfolgen hättesollte, bis das Moratorium
beendet erscheint und nicht schon jetzt[.]. Nachdem aber die Zahlung dieses Betrages sowie
auch weiterer Vorschüsse tatsächlich erfolgt ist, so ändert ja die buchhal-
terische Auffassung an den Tatsachen nichts, dass die Zahlun-
gen an Sie, die sich zu Ihren Gunsten ergebenden Anteile, über-
steigen, abgesehen davon, dass noch ein Betrag von 350 Kronen
zu amortisieren ist, die wir auf das I. Semester 1915 vorgetra-
gen haben.
Dass sich also die Buchhaltung keineswegs zu Ihren
Ungunsten geirrt hat, so ist Ihre Annahme, dass der Herr der

die Abrechnungen macht, nicht ihr Freund wäre, eine irrige;
ich habe ihn aber trotzdem für Sie gewonnen und er wird trach-
ten, dass Sie auch nicht den Schein einer Berechtigung mehr
haben, Ihren Standpunkt aufrecht zu erhalten.
Einen Brief2 vom 1. Feber habe ich von Ihnen nicht
erhalten. Ich darf Sie wohl bitten, mir den Inhalt desselben
bekannt zu geben. Dagegen hoffe ich Sie im Besitze meines
Schreibens bezüglich des Buches von der „Heiligen Ente“. Ich
benötige dasselbe jetzt dringendst und ersuche um umgehende
Rücksendung oder Verständigung Zemlinsky’s, dass er mir das-
selbe retourniere.
Die Stagnation hier hält natürlich an und obwohl un-
sere Zuversicht für einen guten Ausgang eine vollständige ist,
machen sich die schweren Begleitumstände des Krieges immer mehr
fühlbar.
Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören, wie Ihre
Arbeit vorwärtsschreitet und verbleibe mit vielen herzlichen
Grüssen Ihr ganz ergebener

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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Im Besitze Ihrer Karte1 vom 6. ds. habe ich Ihnen zunächst eine à Conto-Zahlung von 150 Mark gestern telegrafisch angewiesen und werde trachten, Ihnen im nächsten Monate wieder einen Betrag zukommen zu lassen.
Der Irrtum der Buchhaltung lag keinesfalls darin, dass Ihnen eine Ihnen gebührende Post nicht gutgebracht worden wäre, sondern, dass die rückständige Verrechnung für die Harmonie-Lehre aus dem ersten Semester 1914 , die auf Ihrem Konto ordnungsgemäss verzeichnet ist und die endgiltige Liquidation derselben buchhalterisch erst erfolgen sollte, bis das Moratorium beendet erscheint und nicht schon jetzt. Nachdem aber die Zahlung dieses Betrages sowie auch weiterer Vorschüsse tatsächlich erfolgt ist, so ändert ja die buchhalterische Auffassung an den Tatsachen nichts, dass die Zahlungen an Sie, die sich zu Ihren Gunsten ergebenden Anteile, übersteigen, abgesehen davon, dass noch ein Betrag von 350 Kronen zu amortisieren ist, die wir auf das I. Semester 1915 vorgetragen haben.
Da sich also die Buchhaltung keineswegs zu Ihren Ungunsten geirrt hat, so ist Ihre Annahme, dass der Herr der die Abrechnungen macht, nicht ihr Freund wäre, eine irrige; ich habe ihn aber trotzdem „für Sie gewonnen“ und er wird trachten, dass Sie auch nicht den Schein einer Berechtigung mehr haben, Ihren Standpunkt aufrecht zu erhalten.
Einen Brief2 vom 1. Feber habe ich von Ihnen nicht erhalten. Ich darf Sie wohl bitten, mir den Inhalt desselben bekannt zu geben. Dagegen hoffe ich Sie im Besitze meines Schreibens bezüglich des Buches von der „Heiligen Ente“. Ich benötige dasselbe jetzt dringendst und ersuche um umgehende Rücksendung oder Verständigung Zemlinsky’s, dass er mir dasselbe retourniere.
Die Stagnation hier hält natürlich an und obwohl unsere Zuversicht für einen guten Ausgang eine vollständige ist, machen sich die schweren Begleitumstände des Krieges immer mehr fühlbar.
Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören, wie Ihre
Arbeit vorwärtsschreitet und verbleibe mit vielen herzlichen Grüssen Ihr ganz ergebener
Emil Hertzka

10. Februar 1915


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 10. Februar 1915, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17570.

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