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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Soeben erhalte ich Ihr Schreiben1 vom 20. ds. und
habe inzwischen bereits gestern 100 Mark telegrafisch ange-
wiesen und Ihnen auch gestern in dieser Angelegenheit geschrie-
ben
. Meine heutige Bitte geht nun dahin, dass Sie an den
Tonkünstler-Verein in Wien einige wenige Zeilen richten, in
welchen Sie, auf die Erwerbsschwierigkeit in der jetzigen Situ-
ation hinweisend, ein rückzahlbares Darlehen ansprechen. Ich
habe Ihnen hier schon mündlich auseinandergesetzt, dass mir
diese Art der Hilfe, die hier speziell für die bildenden Künst-
ler in einer ganz offiziellen, von der Regierung und vom Kaiser
subventionierten Darlehens-Kassa zum Ausdruck kommt, unter al-
len Umständen für einwandfrei und auch für den subtilsten Künst-
ler für annehmbar finde. – Es wird zwar von unserem Tonkünstler-
Verein
gar nicht verlangt, dass der betreffende Tonkünstler selbst
sich um ein derartiges Darlehen bewerbe, sondern es wurden schon
zahlreichen Komponisten von gutem Klang, deren prekäre Situation
uns bekannt war, derartige Darlehen ohne Bewerbung des betref-
fenden Tonkünstlers ausgezahlt. Wenn ich in diesem Falle Ihnen
den Vorschlag mache, dass Sie selbst mit einigen Zeilen Ihren

diesbezgl. Wunsch präzisieren, so geschieht dies ausschliess-
lich deswegen, weil ich als derzeitiger Vorstand des Tonkünst-
ler-Vereins
, auch zugleich Ihr Verleger bin, es mir daher nicht
angenehm ist, diese Frage wieder aufzuwerfen, nachdem sie schon
in zwei Fällen und zwar einmal auf Grund einer Bemerkung von
Frau Alma Mahler an Herrn Dr. Bittner, ein anderesmal durch die
vollkommen deplacierte Auffassung2 der Herren Berg und Webern,
von mir selbst zurückgezogen werden musste.
Dass die Agenden unserer Kriegsfürsorge eine durchwegs
vertrauliche Behandlung erfahren, habe ich Ihnen ja schon per-
sönlich versichert.
Ich sehe nunmehr Ihrer entsprechenden Rückäusserung
entgegen und verbleibe mit herzlichen Grüssen Ihr Ihnen stets aufrichtig ergebener

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Wohlgeboren
Lieber Herr Schönberg!
Soeben erhalte ich Ihr Schreiben1 vom 20. ds. und habe inzwischen bereits gestern 100 Mark telegrafisch angewiesen und Ihnen auch gestern in dieser Angelegenheit geschrieben. Meine heutige Bitte geht nun dahin, dass Sie an den Tonkünstler-Verein in Wien einige wenige Zeilen richten, in welchen Sie, auf die Erwerbsschwierigkeit in der jetzigen Situation hinweisend, ein rückzahlbares Darlehen ansprechen. Ich habe Ihnen hier schon mündlich auseinandergesetzt, dass mir diese Art der Hilfe, die hier speziell für die bildenden Künstler in einer ganz offiziellen, von der Regierung und vom Kaiser subventionierten Darlehens-Kassa zum Ausdruck kommt, unter allen Umständen für einwandfrei und auch für den subtilsten Künstler für annehmbar finde. – Es wird zwar von unserem Tonkünstler-Verein gar nicht verlangt, dass der betreffende Tonkünstler selbst sich um ein derartiges Darlehen bewerbe, sondern es wurden schon zahlreichen Komponisten von gutem Klang, deren prekäre Situation uns bekannt war, derartige Darlehen ohne Bewerbung des betreffenden Tonkünstlers ausgezahlt. Wenn ich in diesem Falle Ihnen den Vorschlag mache, dass Sie selbst mit einigen Zeilen Ihren diesbezgl. Wunsch präzisieren, so geschieht dies ausschliesslich deswegen, weil ich als derzeitiger Vorstand des Tonkünstler-Vereins, auch zugleich Ihr Verleger bin, es mir daher nicht angenehm ist, diese Frage wieder aufzuwerfen, nachdem sie schon in zwei Fällen und zwar einmal auf Grund einer Bemerkung von Frau Alma Mahler an Herrn Dr. Bittner, ein anderesmal durch die vollkommen deplacierte Auffassung2 der Herren Berg und Webern, von mir selbst zurückgezogen werden musste.
Dass die Agenden unserer Kriegsfürsorge eine durchwegs vertrauliche Behandlung erfahren, habe ich Ihnen ja schon persönlich versichert.
Ich sehe nunmehr Ihrer entsprechenden Rückäusserung entgegen und verbleibe mit herzlichen Grüssen Ihr Ihnen stets aufrichtig ergebener
Emil Hertzka

22. Mai 1915


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 22. Mai 1915, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17577.

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