S/Wi.
Wien, 7. Februar 1934.
Herrn
Pelham Hall
Brookline – Mass.
Lieber Herr Schönberg!
Die Bibliotheken1 gehen heute an Sie ab. Die Sendung hat sich
leider verzögert:
1.) weil ich die Vereinsbibliothek nicht finden konnte. Sie
war in einer Kiste verpackt und ich habe sie überall gesucht, vor
allem auf dem Boden am Kohlmarkt, der riesig gross ist und auf dem
eine Menge Kisten stehen, durch alten Hausrat verstellt. Die ganzen
Prospekte, Mitgliedskarten, Statuten, Mitteilungen etc. habe ich ge-
funden, aber die Noten nicht. Schliesslich fand ich die Kiste gut
verpacktversteckt auf unserem Boden in Pötzleinsdorf.
2.) Durch die Inventurarbeiten in der U. E. um Neujahr war
das Personal so beschäftigt, dass die Zusammenstellung und Expedition
nicht gleich vorgenommen werden konnte. Es waren eine Menge Formali-
täten beim hiesigen amerikanischen Konsulat zu erfüllen. Die Liste
der Werke wird jetzt noch für die Expedition benötigt; sie folgt in
den nächsten Tagen. In den Vereinsbibliotheken fehlen die Strauss-
Walzer
2. Ich glaube, Rufer hat sie einmal für Hamburg mit Ihrer Ein-
willigung ausgeborgt. Ich habe ihm geschrieben, dass er die betreffen-
den Noten direkt schicken soll.

Das „Es dur“ auf der Philharmonia-Ausgabe der Kammersinfonie ist
wirklich zu dumm. Im Innentitel ist es in allen Exemplaren überklebt
worden, auf dem Aussentitel aber nicht. Es wird aber jetzt in der gan-
zen Auflage geändert.
Kolisch hat hier gespielt und hatte riesigen Erfolg. Das Publi-
kum hat getobt und zwar nicht nur die Freunde. Sie spielen von Jahr
zu Jahr vollendeter.
Sehr schade ist es, dass Sie die Bostoner Konzerte3 nicht dirigie-
ren konnten. Wird es noch möglich sein, dass Sie essie in dieser Saison
nachholen?
Eben erhalte ich die Listen mit der Konsulatsfaktura. Die Faktura
enthält die Bestätigung, dass die Noten zollfrei sind. Sie müssen sie
dort Ihrem Spediteur übergeben. Auf den Listen enthalten die ersten zwei
Seiten die Kurs-Bibliothek, die nächsten fünf die Vereinsbibliothek; die
restlichen Seiten größtenteils die neuen U. E. Werke, zum Teil auch Vereinsnoten.
Die U. E. schreibt Ihnen noch separat.
Viele herzlichste Grüße Ihnen, Ihrer lieben
Frau und Nuria
Ihr

Erwin Stein

S/Wi.
Wien, 7. Februar 1934.
Herrn
Pelham Hall
Brookline – Mass.
Lieber Herr Schönberg!
Die Bibliotheken1 gehen heute an Sie ab. Die Sendung hat sich leider verzögert:
1.) weil ich die Vereinsbibliothek nicht finden konnte. Sie war in einer Kiste verpackt und ich habe sie überall gesucht, vor allem auf dem Boden am Kohlmarkt, der riesig gross ist und auf dem eine Menge Kisten stehen, durch alten Hausrat verstellt. Die ganzen Prospekte, Mitgliedskarten, Statuten, Mitteilungen etc. habe ich gefunden, aber die Noten nicht. Schliesslich fand ich die Kiste gut versteckt auf unserem Boden in Pötzleinsdorf.
2.) Durch die Inventurarbeiten in der U. E. um Neujahr war das Personal so beschäftigt, dass die Zusammenstellung und Expedition nicht gleich vorgenommen werden konnte. Es waren eine Menge Formalitäten beim hiesigen amerikanischen Konsulat zu erfüllen. Die Liste der Werke wird jetzt noch für die Expedition benötigt; sie folgt in den nächsten Tagen. In den Vereinsbibliotheken fehlen die Strauss-Walzer2. Ich glaube, Rufer hat sie einmal für Hamburg mit Ihrer Einwilligung ausgeborgt. Ich habe ihm geschrieben, dass er die betreffenden Noten direkt schicken soll.
Das „Es dur“ auf der Philharmonia-Ausgabe der Kammersinfonie ist wirklich zu dumm. Im Innentitel ist es in allen Exemplaren überklebt worden, auf dem Aussentitel aber nicht. Es wird aber jetzt in der ganzen Auflage geändert.
Kolisch hat hier gespielt und hatte riesigen Erfolg. Das Publikum hat getobt und zwar nicht nur die Freunde. Sie spielen von Jahr zu Jahr vollendeter.
Sehr schade ist es, dass Sie die Bostoner Konzerte3 nicht dirigieren konnten. Wird es noch möglich sein, dass Sie sie in dieser Saison nachholen?
Eben erhalte ich die Listen mit der Konsulatsfaktura. Die Faktura enthält die Bestätigung, dass die Noten zollfrei sind. Sie müssen sie dort Ihrem Spediteur übergeben. Auf den Listen enthalten die ersten zwei Seiten die Kurs-Bibliothek, die nächsten fünf die Vereinsbibliothek; die restlichen Seiten größtenteils die neuen U. E. Werke, zum Teil auch Vereinsnoten. Die U. E. schreibt Ihnen noch separat.
Viele herzlichste Grüße Ihnen, Ihrer lieben Frau und Nuria Ihr
Erwin Stein

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 7. Februar 1934, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17612.

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