D/Ei
Herrn
Mödling bei Wien
Verehrter Meister Schönberg!
Besten Dank für Ihr liebes Schreiben vom 26. ds. M.
Ihre Meisterschaft auf der Schreibmaschine erregt allgemein
grösste Bewunderung. Die Antwort an Tischer habe ich zur
Kenntnis genommen und weiter befördert. Ich hoffe, dass Ti-
scher
sich Ihren Wünschen fügen wird und dass diese Sache
dann endlich in Ordnung kommt. Ich berichte Ihnen darüber, so-
bald die Sache perfekt ist.
1. Von Herrn Walter Seligmann, der schon eine Auf-
führung der „Gurrelieder“ in Berlin plante, erhalte ich mit-
folgendes Schreiben. Ich bitte Sie um freundliche Nachricht,
ob Sie Herrn Seligmann die Aufführung der Gurrelieder in
Köln oder Hamburg anvertrauen würden. Ich kenne seine Diri-
gentenqualitäten gar nicht und bin grundsätzlich dagegen,
dass Anfänger sofort mit Monumental-Werken beginnen. Diese
Art, die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf sich ziehen zu
wollen, erscheint mir unkünstlerisch. Die „Gurrelieder“ sollen
kein Versuchskaninchen für ehrgeizige Jünglinge1 sein, auch
wenn sie noch so begabt sind.
2. Haben Sie aus Frankfurt schon etwas wegen der
Erwartung gehört? – Anlässlich eines vor mehreren Wochen

gehabten Gespräches erwähnten Sie mir flüchtig von Ihren
3 Bach-Instrumentationen2. Sie sprachen davon, dass Sie zwar an
eine eigene Vervielfältigung denken, dass Sie aber mit uns
darüber irgend eine Kombination treffen wollen. Ich möchte
diese Angelegenheit doch in Erinnerung bringen und dabei die
Meinung äussern, dass die Partitur als solche doch immerhin
Ihre Komposition ist und dass kein Grund vorhanden ist, dieses
Werk aus unserem Vertrag auszuscheiden. Meiner Ansicht nach,
gehört dieses Werk absolut in den Rahmen unseres Vertrages
und ich würde mich freuen, wenn Sie diese Ansicht teilen
könnten.
Indem ich Ihre freundlichen Neujahrswünsche
auf das herzlichste erwidere, verbleibe ich in der angenehmen
Erwartung, Sie recht bald wieder zu sehen, mit besten Grüssen Ihr in warmer Verehrung ergebener

D/Ei
Herrn
Mödling bei Wien
Verehrter Meister Schönberg!
Besten Dank für Ihr liebes Schreiben vom 26. ds. M. Ihre Meisterschaft auf der Schreibmaschine erregt allgemein grösste Bewunderung. Die Antwort an Tischer habe ich zur Kenntnis genommen und weiter befördert. Ich hoffe, dass Tischer sich Ihren Wünschen fügen wird und dass diese Sache dann endlich in Ordnung kommt. Ich berichte Ihnen darüber, sobald die Sache perfekt ist.
Von Herrn Walter Seligmann, der schon eine Aufführung der „Gurrelieder“ in Berlin plante, erhalte ich mitfolgendes Schreiben. Ich bitte Sie um freundliche Nachricht, ob Sie Herrn Seligmann die Aufführung der Gurrelieder in Köln oder Hamburg anvertrauen würden. Ich kenne seine Dirigentenqualitäten gar nicht und bin grundsätzlich dagegen, dass Anfänger sofort mit Monumental-Werken beginnen. Diese Art, die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf sich ziehen zu wollen, erscheint mir unkünstlerisch. Die „Gurrelieder“ sollen kein Versuchskaninchen für ehrgeizige Jünglinge1 sein, auch wenn sie noch so begabt sind.
Haben Sie aus Frankfurt schon etwas wegen der Erwartung gehört? – Anlässlich eines vor mehreren Wochen gehabten Gespräches erwähnten Sie mir flüchtig von Ihren Bach-Instrumentationen2. Sie sprachen davon, dass Sie zwar an eine eigene Vervielfältigung denken, dass Sie aber mit uns darüber irgend eine Kombination treffen wollen. Ich möchte diese Angelegenheit doch in Erinnerung bringen und dabei die Meinung äussern, dass die Partitur als solche doch immerhin Ihre Komposition ist und dass kein Grund vorhanden ist, dieses Werk aus unserem Vertrag auszuscheiden. Meiner Ansicht nach, gehört dieses Werk absolut in den Rahmen unseres Vertrages und ich würde mich freuen, wenn Sie diese Ansicht teilen könnten.
Indem ich Ihre freundlichen Neujahrswünsche auf das herzlichste erwidere, verbleibe ich in der angenehmen Erwartung, Sie recht bald wieder zu sehen, mit besten Grüssen Ihr in warmer Verehrung ergebener Emil Hertzka

28. Dezember 1922


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 28. Dezember 1922, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17625.

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