R/M.
Wien, 3. Jänner 1927.
Herrn
BERLIN-CHARLOTTENBURG, 2
Steinpl. 2, Pension Bavaria.
Sehr geehrter Herr Professor!
Wir erhielten Ihre Zuschrift vom 27. v. M. und liessen
Ihnen wunschgemäss sofort nach Erhalt je 3 Klavierauszüge „Erwar-
tung
“ und „Glückliche Hand“ zugehen. Wir würden uns sehr freuen,
wenn es zu einer Aufführung der beiden Werke in Berlin kommen könn-
te, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass wir gerade einen Tag bevor Ihr Brief einlangte Herrn Intendanten
Bekker für das Staatstheater in Wiesbaden das reichsdeutsche Erstaufführungsrecht
der „ERWARTUNG“ bis 31. Jänner 1928 grundsätzlich zugesichert haben. Vor dieser
Wiesbadener Aufführung1 könnte also eine Aufführung in Berlin von
der „Erwartung“ nicht stattfinden, falls die Abmachung mit Wiesbaden zustande
kommt, was wohl in den nächsten Tagen der Fall sein wird.
Wir haben zur Kenntnis genommen, dass Sie noch nicht dazu
gelangt sind, sich mit unserem Vorschlage, der auf die Vertrags-
änderung Bezug hat, zu beschäftigen und dass Sie diese Angelegen-
heit in dieser Form nicht für abschlussreif erachten. Wir werden
gern Ihrem Wunsche entsprechen und versuchen, Ihnen einen, wie Sie
schreiben, „gerechteren Vorschlag“ zu machen und bitten sie, zu-
nächst unseren Vorschlag als nicht geschehen zu betrachten. Viel-
leicht finden Sie, sobald Ihre Wohnungsangelegenheit hoffentlich
befriedigend gelöst sein wird, doch Zeit, uns vielleicht selbst
einen positiven Vorschlag zu machen, zu dem wir uns dann sehr
rasch äussern würden.

Wir freuen uns, dass man in der Oper in Berlin noch immer an
die szenische „Gurrelieder“-Aufführung2 denkt. Wiewohl wir uns dessen
bewusst sind, dass es sich hier um ein Experiment handelt, stehen wir
auf den Standpunkt, dass die Vorteile, die im Falle eines Gelingens des
Experimentes allen Beteiligten erwachsen, die eventuellen Nachteile,
(falls das Experiment misslingen sollte,) so sehr überwiegen, dass wir
umso eher dafür wären, dass der Plan der Staatsoper nicht verhindert
würde, als ja die gesamte Verantwortung lediglich von den Leitern die-
ser Bühne getragen wird. Es ist ausgeschlossen, dass es für die „Gurre-
lieder
“ oder für den Namen ihres Schöpfers schädlich sein könnte, wenn
es sich herausstellen sollte, dass die Idee der Staatsoper, das Werk
szenisch aufzuführen, nicht restlos erfüllt wurde.
Das Befinden unseres Direktors Hertzka hat sich in den letzten
Wochen zwar gebessert, es kommen aber doch noch immer Rückschläge vor,
sodass er noch immer nicht vollkommen arbeitsfähig ist. Er beauftragt
uns, Ihnen und Ihrer lieben Frau seine herzlichsten Wünsche und Grüsse
zu übermitteln, denen auch wir die unseren anschliessen.
In vorzüglicher Hochschätzung
P.S. Den gewünschten Betrag von
500 Mark haben wir laut der seiner-
zeit getroffenen Vereinbarung an Sie
rechtzeitig abgesandt. Der am 1. Februar
fällige Betrag wird ebenfalls pünktlich
folgen. Per März u. April wären sodann
keine Zahlungen zu leisten u. diese Mo-
natsraten zur Tilgung der Mehrzahlungen
aus dem Jahre 1926 zu verwenden.

R/M.
Wien, 3. Jänner 1927.
Herrn
BERLIN-CHARLOTTENBURG, 2
Steinpl. 2, Pension Bavaria.
Sehr geehrter Herr Professor!
Wir erhielten Ihre Zuschrift vom 27. v. M. und liessen Ihnen wunschgemäss sofort nach Erhalt je 3 Klavierauszüge „Erwartung“ und „Glückliche Hand“ zugehen. Wir würden uns sehr freuen, wenn es zu einer Aufführung der beiden Werke in Berlin kommen könnte, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass wir gerade einen Tag bevor Ihr Brief einlangte Herrn Intendanten Bekker für das Staatstheater in Wiesbaden das reichsdeutsche Erstaufführungsrecht der „ERWARTUNG“ bis 31. Jänner 1928 grundsätzlich zugesichert haben. Vor dieser Wiesbadener Aufführung1 könnte also eine Aufführung in Berlin von der „Erwartung“ nicht stattfinden, falls die Abmachung mit Wiesbaden zustande kommt, was wohl in den nächsten Tagen der Fall sein wird.
Wir haben zur Kenntnis genommen, dass Sie noch nicht dazu gelangt sind, sich mit unserem Vorschlage, der auf die Vertragsänderung Bezug hat, zu beschäftigen und dass Sie diese Angelegenheit in dieser Form nicht für abschlussreif erachten. Wir werden gern Ihrem Wunsche entsprechen und versuchen, Ihnen einen, wie Sie schreiben, „gerechteren Vorschlag“ zu machen und bitten sie, zunächst unseren Vorschlag als nicht geschehen zu betrachten. Vielleicht finden Sie, sobald Ihre Wohnungsangelegenheit hoffentlich befriedigend gelöst sein wird, doch Zeit, uns vielleicht selbst einen positiven Vorschlag zu machen, zu dem wir uns dann sehr rasch äussern würden.
Wir freuen uns, dass man in der Oper in Berlin noch immer an die szenische „Gurrelieder“-Aufführung2 denkt. Wiewohl wir uns dessen bewusst sind, dass es sich hier um ein Experiment handelt, stehen wir auf den Standpunkt, dass die Vorteile, die im Falle eines Gelingens des Experimentes allen Beteiligten erwachsen, die eventuellen Nachteile, (falls das Experiment misslingen sollte,) so sehr überwiegen, dass wir umso eher dafür wären, dass der Plan der Staatsoper nicht verhindert würde, als ja die gesamte Verantwortung lediglich von den Leitern dieser Bühne getragen wird. Es ist ausgeschlossen, dass es für die „Gurrelieder“ oder für den Namen ihres Schöpfers schädlich sein könnte, wenn es sich herausstellen sollte, dass die Idee der Staatsoper, das Werk szenisch aufzuführen, nicht restlos erfüllt wurde.
Das Befinden unseres Direktors Hertzka hat sich in den letzten Wochen zwar gebessert, es kommen aber doch noch immer Rückschläge vor, sodass er noch immer nicht vollkommen arbeitsfähig ist. Er beauftragt uns, Ihnen und Ihrer lieben Frau seine herzlichsten Wünsche und Grüsse zu übermitteln, denen auch wir die unseren anschliessen.
In vorzüglicher Hochschätzung

pp Rothe pp Winter
P.S. Den gewünschten Betrag von 500 Mark haben wir laut der seinerzeit getroffenen Vereinbarung an Sie rechtzeitig abgesandt. Der am 1. Februar fällige Betrag wird ebenfalls pünktlich folgen. Per März u. April wären sodann keine Zahlungen zu leisten u. diese Monatsraten zur Tilgung der Mehrzahlungen aus dem Jahre 1926 zu verwenden.

3. Jänner 1927


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 3. Jänner 1927, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17681.

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