Universal-Edition an Arnold Schönberg
3. Jänner 1927
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
209 West 57th Street
New York
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
209 West 57th Street
New York
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
R/M.
Wien, 3.
Jänner 1927.
Herrn
Professor Arnold Schönberg,
BERLIN-CHARLOTTENBURG, 2
Steinpl. 2, Pension
Bavaria.
Sehr geehrter Herr Professor!
Wir erhielten Ihre Zuschrift vom 27. v. M. und liessen
Ihnen wunschgemäss sofort nach Erhalt je 3 Klavierauszüge „Erwar-
tung“ und „Glückliche Hand“ zugehen. Wir würden uns sehr freuen,
wenn es zu einer Aufführung der beiden Werke in Berlin kommen könn-
te, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass wir gerade einen Tag bevor Ihr Brief einlangte Herrn Intendanten
Bekker für das Staatstheater in Wiesbaden das reichsdeutsche Erstaufführungsrecht
der „ERWARTUNG“ bis 31. Jänner 1928 grundsätzlich zugesichert haben. Vor dieser
Wiesbadener Aufführung1 könnte also eine Aufführung in Berlin von
der „Erwartung“ nicht stattfinden, falls die Abmachung mit Wiesbaden zustande
kommt, was wohl in den nächsten Tagen der Fall sein wird.
Ihnen wunschgemäss sofort nach Erhalt je 3 Klavierauszüge „Erwar-
tung“ und „Glückliche Hand“ zugehen. Wir würden uns sehr freuen,
wenn es zu einer Aufführung der beiden Werke in Berlin kommen könn-
te, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass wir gerade einen Tag bevor Ihr Brief einlangte Herrn Intendanten
Bekker für das Staatstheater in Wiesbaden das reichsdeutsche Erstaufführungsrecht
der „ERWARTUNG“ bis 31. Jänner 1928 grundsätzlich zugesichert haben. Vor dieser
Wiesbadener Aufführung1 könnte also eine Aufführung in Berlin von
der „Erwartung“ nicht stattfinden, falls die Abmachung mit Wiesbaden zustande
kommt, was wohl in den nächsten Tagen der Fall sein wird.
Wir haben zur Kenntnis genommen, dass Sie noch nicht dazu
gelangt sind, sich mit unserem Vorschlage, der auf die Vertrags-
änderung Bezug hat, zu beschäftigen und dass Sie diese Angelegen-
heit in dieser Form nicht für abschlussreif erachten. Wir werden
gern Ihrem Wunsche entsprechen und versuchen, Ihnen einen, wie Sie
schreiben, „gerechteren Vorschlag“ zu machen und bitten sie, zu-
nächst unseren Vorschlag als nicht geschehen zu betrachten. Viel-
leicht finden Sie, sobald Ihre Wohnungsangelegenheit hoffentlich
befriedigend gelöst sein wird, doch Zeit, uns vielleicht selbst
einen positiven Vorschlag zu machen, zu dem wir uns dann sehr
rasch äussern würden.
gelangt sind, sich mit unserem Vorschlage, der auf die Vertrags-
änderung Bezug hat, zu beschäftigen und dass Sie diese Angelegen-
heit in dieser Form nicht für abschlussreif erachten. Wir werden
gern Ihrem Wunsche entsprechen und versuchen, Ihnen einen, wie Sie
schreiben, „gerechteren Vorschlag“ zu machen und bitten sie, zu-
nächst unseren Vorschlag als nicht geschehen zu betrachten. Viel-
leicht finden Sie, sobald Ihre Wohnungsangelegenheit hoffentlich
befriedigend gelöst sein wird, doch Zeit, uns vielleicht selbst
einen positiven Vorschlag zu machen, zu dem wir uns dann sehr
rasch äussern würden.
Wir freuen uns, dass man in der Oper in
Berlin noch immer an
die szenische „Gurrelieder“-Aufführung2 denkt. Wiewohl wir uns dessen
bewusst sind, dass es sich hier um ein Experiment handelt, stehen wir
auf den Standpunkt, dass die Vorteile, die im Falle eines Gelingens des
Experimentes allen Beteiligten erwachsen, die eventuellen Nachteile,
(falls das Experiment misslingen sollte,) so sehr überwiegen, dass wir
umso eher dafür wären, dass der Plan der Staatsoper nicht verhindert
würde, als ja die gesamte Verantwortung lediglich von den Leitern die-
ser Bühne getragen wird. Es ist ausgeschlossen, dass es für die „Gurre-
lieder“ oder für den Namen ihres Schöpfers schädlich sein könnte, wenn
es sich herausstellen sollte, dass die Idee der Staatsoper, das Werk
szenisch aufzuführen, nicht restlos erfüllt wurde.
die szenische „Gurrelieder“-Aufführung2 denkt. Wiewohl wir uns dessen
bewusst sind, dass es sich hier um ein Experiment handelt, stehen wir
auf den Standpunkt, dass die Vorteile, die im Falle eines Gelingens des
Experimentes allen Beteiligten erwachsen, die eventuellen Nachteile,
(falls das Experiment misslingen sollte,) so sehr überwiegen, dass wir
umso eher dafür wären, dass der Plan der Staatsoper nicht verhindert
würde, als ja die gesamte Verantwortung lediglich von den Leitern die-
ser Bühne getragen wird. Es ist ausgeschlossen, dass es für die „Gurre-
lieder“ oder für den Namen ihres Schöpfers schädlich sein könnte, wenn
es sich herausstellen sollte, dass die Idee der Staatsoper, das Werk
szenisch aufzuführen, nicht restlos erfüllt wurde.
Das Befinden unseres Direktors Hertzka hat sich
in den letzten
Wochen zwar gebessert, es kommen aber doch noch immer Rückschläge vor,
sodass er noch immer nicht vollkommen arbeitsfähig ist. Er beauftragt
uns, Ihnen und Ihrer lieben Frau seine herzlichsten Wünsche und Grüsse
zu übermitteln, denen auch wir die unseren anschliessen.
Wochen zwar gebessert, es kommen aber doch noch immer Rückschläge vor,
sodass er noch immer nicht vollkommen arbeitsfähig ist. Er beauftragt
uns, Ihnen und Ihrer lieben Frau seine herzlichsten Wünsche und Grüsse
zu übermitteln, denen auch wir die unseren anschliessen.
P.S. Den gewünschten Betrag von
500 Mark haben wir laut der seiner-
zeit getroffenen Vereinbarung an Sie
rechtzeitig abgesandt. Der am 1. Februar
fällige Betrag wird ebenfalls pünktlich
folgen. Per März u. April wären sodann
keine Zahlungen zu leisten u. diese Mo-
natsraten zur Tilgung der Mehrzahlungen
aus dem Jahre 1926 zu verwenden.
500 Mark haben wir laut der seiner-
zeit getroffenen Vereinbarung an Sie
rechtzeitig abgesandt. Der am 1. Februar
fällige Betrag wird ebenfalls pünktlich
folgen. Per März u. April wären sodann
keine Zahlungen zu leisten u. diese Mo-
natsraten zur Tilgung der Mehrzahlungen
aus dem Jahre 1926 zu verwenden.
Aufführung
22. Jänner 1928, Wiesbaden, Staatstheater
Wiesbaden
; Kalendereintrag, 22. Jänner 1928 (ASCI DC12680).
Aufführung
Plan einer szenischen Aufführung der Gurre-Lieder durch Franz Ludwig
Hörth, der ab Herbst 1926 die
Intendanz der Staatsoper Unter den
Linden
Berlin innehatte, und den
Ausstatter Emil Pirchan. In der
Regie von Hörth, der Ausstattung
von Pirchan und der musikalischen
Leitung von Erich Kleiber wurde im
Frühjahr 1925 in Berlin
Franz Schreker, Der ferne Klang realisiert. Am 14. Dezember
1925 folgte die Uraufführung von Alban Berg, Wozzeck unter der Leitung von Kleiber und der Regie von Hörth, die Schönberg unmittelbar nach seiner Ankunft in Berlin im Jänner
1926 besuchte. Die Planung sah vor, die Gurre-Lieder mit der einaktigen Ballettoper
Royal Palace von Kurt Weill zu kombinieren (Westermeyer 1925, Chop 1925, Chantavoine
1926).
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
209 West 57th Street
New York
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
209 West 57th Street
New York
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
R/M.
Wien, 3.
Jänner 1927.
Sehr geehrter Herr Professor!
Wir erhielten Ihre Zuschrift vom 27. v. M. und liessen Ihnen wunschgemäss
sofort nach Erhalt je 3 Klavierauszüge „Erwartung“ und „Glückliche
Hand“ zugehen. Wir würden uns sehr freuen, wenn es zu einer
Aufführung der beiden Werke in Berlin
kommen könnte, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass wir gerade einen Tag bevor Ihr Brief einlangte Herrn
Intendanten
Bekker für das Staatstheater in Wiesbaden das reichsdeutsche
Erstaufführungsrecht der „ERWARTUNG“ bis
31. Jänner 1928
grundsätzlich zugesichert haben. Vor dieser
Wiesbadener
Aufführung1 könnte also eine Aufführung in Berlin von der „Erwartung“
nicht stattfinden,
falls die Abmachung mit Wiesbaden zustande kommt, was wohl in den nächsten Tagen
der Fall sein wird.
Wir haben zur Kenntnis genommen, dass Sie noch nicht dazu gelangt sind, sich
mit unserem Vorschlage, der auf die Vertragsänderung Bezug hat, zu beschäftigen und
dass Sie diese Angelegenheit in dieser
Form nicht für abschlussreif erachten. Wir werden gern Ihrem Wunsche
entsprechen und versuchen, Ihnen einen, wie Sie schreiben,
„gerechteren Vorschlag“ zu machen und bitten sie, zunächst unseren Vorschlag als nicht
geschehen zu betrachten. Vielleicht finden
Sie, sobald Ihre Wohnungsangelegenheit hoffentlich befriedigend gelöst sein
wird, doch Zeit, uns vielleicht selbst einen positiven Vorschlag zu machen,
zu dem wir uns dann sehr rasch äussern würden.
Wir freuen uns, dass man in der Oper in
Berlin noch immer an die
szenische „Gurrelieder“-Aufführung2
denkt. Wiewohl wir uns dessen bewusst sind, dass es sich hier um ein
Experiment handelt, stehen wir auf den Standpunkt, dass die Vorteile, die
im Falle eines Gelingens des Experimentes allen Beteiligten erwachsen, die
eventuellen Nachteile, (falls das Experiment misslingen sollte,) so sehr
überwiegen, dass wir umso eher dafür wären, dass der Plan der Staatsoper
nicht verhindert würde, als ja die gesamte Verantwortung lediglich von den
Leitern dieser Bühne getragen wird. Es ist ausgeschlossen, dass es für die
„Gurrelieder“ oder für den Namen ihres Schöpfers schädlich
sein könnte, wenn es sich herausstellen sollte, dass die Idee der
Staatsoper, das Werk szenisch aufzuführen, nicht restlos erfüllt wurde.
Das Befinden unseres Direktors Hertzka hat sich
in den letzten Wochen zwar gebessert, es kommen aber doch noch immer
Rückschläge vor, sodass er noch immer nicht vollkommen arbeitsfähig ist. Er
beauftragt uns, Ihnen und Ihrer lieben Frau seine herzlichsten Wünsche und Grüsse zu übermitteln, denen
auch wir die unseren anschliessen.
P.S. Den gewünschten Betrag von 500 Mark haben wir laut der seinerzeit getroffenen Vereinbarung an Sie
rechtzeitig abgesandt. Der am 1. Februar
fällige Betrag wird ebenfalls pünktlich folgen. Per März u. April wären
sodann keine Zahlungen zu leisten u. diese Monatsraten zur Tilgung der Mehrzahlungen aus dem Jahre
1926 zu verwenden.
Aufführung
22. Jänner 1928, Wiesbaden, Staatstheater
Wiesbaden
; Kalendereintrag, 22. Jänner 1928 (ASCI DC12680).
Aufführung
Plan einer szenischen Aufführung der Gurre-Lieder durch Franz Ludwig
Hörth, der ab Herbst 1926 die
Intendanz der Staatsoper Unter den
Linden
Berlin innehatte, und den
Ausstatter Emil Pirchan. In der
Regie von Hörth, der Ausstattung
von Pirchan und der musikalischen
Leitung von Erich Kleiber wurde im
Frühjahr 1925 in Berlin
Franz Schreker, Der ferne Klang realisiert. Am 14. Dezember
1925 folgte die Uraufführung von Alban Berg, Wozzeck unter der Leitung von Kleiber und der Regie von Hörth, die Schönberg unmittelbar nach seiner Ankunft in Berlin im Jänner
1926 besuchte. Die Planung sah vor, die Gurre-Lieder mit der einaktigen Ballettoper
Royal Palace von Kurt Weill zu kombinieren (Westermeyer 1925, Chop 1925, Chantavoine
1926).
3. Jänner 1927
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 3. Jänner 1927, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17681.