Universal-Edition an Arnold Schönberg
22. November 1946
Sehr verehrter Meister!
Ich möchte Ihnen heute über zwei Aufführungen1 des Pierrot
lunaire berichten, die wir kürzlich in Wien gehabt haben.
Die Aufführungen waren sehr gut vorbereitet, Apostel hat
mit dem Ensemble, das aus Peter Solymos (Klavier), Peter
Szervansky (Geige), Friedrich Wildgans (Klarinette),
Ludwig Pfersmann (Flöte), Eva Czako (Cello) bestand, 30
Proben gemacht, Annemarie Hegner, die im übrigen meine
Frau ist, hat das Werk seit einem 3/4 Jahr studiert, so
dass sie es bei der Aufführung auswendig sprechen konnte.
lunaire berichten, die wir kürzlich in Wien gehabt haben.
Die Aufführungen waren sehr gut vorbereitet, Apostel hat
mit dem Ensemble, das aus Peter Solymos (Klavier), Peter
Szervansky (Geige), Friedrich Wildgans (Klarinette),
Ludwig Pfersmann (Flöte), Eva Czako (Cello) bestand, 30
Proben gemacht, Annemarie Hegner, die im übrigen meine
Frau ist, hat das Werk seit einem 3/4 Jahr studiert, so
dass sie es bei der Aufführung auswendig sprechen konnte.
Bei den beiden Aufführungen ergaben sich zwei Beobachtungen,
zu denen ich gerne Ihren Rat hätte. Bei der ersten Auffüh-
rung ordnete sich die Rezitation ganz in die Musik ein, so
dass sie wie eine von sechs musikalischen Stimmen wirkte.
zu denen ich gerne Ihren Rat hätte. Bei der ersten Auffüh-
rung ordnete sich die Rezitation ganz in die Musik ein, so
dass sie wie eine von sechs musikalischen Stimmen wirkte.
Bei der zweiten Aufführung trat die Rezitation mehr in den
Vordergrund und konzentrierte die Aufmerksamkeit auf sich.
Bei der ersten Aufführung war durch die Unterordnung das
Wort nicht so deutlich verständlich, wie bei der zweiten.
Die Wirkung auf das Publikum bei der zweiten Aufführung war
ungleich unmittelbarer und stärker, obwohl auch die erste
Aufführung einen sehr starken Erfolg gehabt hat.
Vordergrund und konzentrierte die Aufmerksamkeit auf sich.
Bei der ersten Aufführung war durch die Unterordnung das
Wort nicht so deutlich verständlich, wie bei der zweiten.
Die Wirkung auf das Publikum bei der zweiten Aufführung war
ungleich unmittelbarer und stärker, obwohl auch die erste
Aufführung einen sehr starken Erfolg gehabt hat.
Es handelt sich nun um die grundsätzliche Frage: soll bei
der Wiedergabe die Deutlichkeit und Plastik im Vordergrund
stehen? Durch eine solche Wiedergabe wird der musikalische
Eindruck hinter dem durch das Wort vermittelten treten. Mir
hatte an sich die erste Darstellung besser gefallen, weil
bei dieser der gesamt-musikalische Eindruck stärker war.
der Wiedergabe die Deutlichkeit und Plastik im Vordergrund
stehen? Durch eine solche Wiedergabe wird der musikalische
Eindruck hinter dem durch das Wort vermittelten treten. Mir
hatte an sich die erste Darstellung besser gefallen, weil
bei dieser der gesamt-musikalische Eindruck stärker war.
Polnauer und Ratz, deren Urteil mir am massgebendsten ist,
haben trotzdem die zweite Aufführung vorgezogen. Sie sagen
übrigens, dass bei keiner der bisherigen Wiedergaben die
Rezitation so genau der Partitur entsprochen hatte, wie
bei den beiden jetzigen Aufführungen.
haben trotzdem die zweite Aufführung vorgezogen. Sie sagen
übrigens, dass bei keiner der bisherigen Wiedergaben die
Rezitation so genau der Partitur entsprochen hatte, wie
bei den beiden jetzigen Aufführungen.
Für uns alle war es beglückend, wieder einen engen Kontakt
mit diesem Werk zu bekommen, insbesondere für meine Frau,
deren herzlichster Wunsch es wäre, dass Sie diese Aufführung
hören und letzte Korrekturen an der Wiedergabe vornehmen
könnten. Sie hat in einem Interview, das wir leider nicht
mitschicken können, geäussert, dass sie von ihrer Arbeit
erst endgültig befriedigt wäre, wenn sie Gelegenheit hätte,
das Werk in Ihrer Gegenwart aufzuführen. Uebrigens wurde sie
sofort nach den Aufführungen nach Paris, in die Schweiz und
zu einer ziemlich umfangreichen Tournee nach Italien einge-
laden, zu der zum Teil auch das Ensemble mitfahren soll.
mit diesem Werk zu bekommen, insbesondere für meine Frau,
deren herzlichster Wunsch es wäre, dass Sie diese Aufführung
hören und letzte Korrekturen an der Wiedergabe vornehmen
könnten. Sie hat in einem Interview, das wir leider nicht
mitschicken können, geäussert, dass sie von ihrer Arbeit
erst endgültig befriedigt wäre, wenn sie Gelegenheit hätte,
das Werk in Ihrer Gegenwart aufzuführen. Uebrigens wurde sie
sofort nach den Aufführungen nach Paris, in die Schweiz und
zu einer ziemlich umfangreichen Tournee nach Italien einge-
laden, zu der zum Teil auch das Ensemble mitfahren soll.
In Lugano
wird der Dirigent des dortigen
Radio, Othmar
Nussio
die Aufführung mit seinem Ensemble veranstalten. Vielleicht
wird es möglich sein, dass Sie die dortige Aufführung, die
durch Radio übertragen wird, hören können. Sie soll am 18.
Februar stattfinden.
die Aufführung mit seinem Ensemble veranstalten. Vielleicht
wird es möglich sein, dass Sie die dortige Aufführung, die
durch Radio übertragen wird, hören können. Sie soll am 18.
Februar stattfinden.
Vor dem Pierrot wurde die „Verklärte Nacht“ durch das Vegh-
Quartett gespielt, in einer Aufführung, die einfach voll-
endet war. Sie hätten damit gewiss eine ganz grosse Freude
gehabt.
Quartett gespielt, in einer Aufführung, die einfach voll-
endet war. Sie hätten damit gewiss eine ganz grosse Freude
gehabt.
Aufführungen
26. Oktober 1946, Wien, Konzerthaus, Mozart-Saal, Internationale Gesellschaft für Neue Musik
Zweite Aufführung nicht nachweisbar.
Sehr verehrter Meister!
Ich möchte Ihnen heute über zwei Aufführungen1 des Pierrot lunaire berichten,
die wir kürzlich in Wien gehabt haben.
Die Aufführungen waren sehr gut vorbereitet, Apostel hat mit dem Ensemble, das aus Peter Solymos (Klavier), Peter Szervansky (Geige), Friedrich Wildgans (Klarinette),
Ludwig Pfersmann (Flöte), Eva Czako (Cello) bestand, 30 Proben gemacht,
Annemarie Hegner, die im übrigen meine
Frau ist, hat das Werk seit einem 3/4 Jahr studiert, so dass sie es
bei der Aufführung auswendig sprechen konnte.
Bei den beiden Aufführungen ergaben sich zwei Beobachtungen, zu denen ich
gerne Ihren Rat hätte. Bei der ersten Aufführung ordnete sich die Rezitation ganz in die Musik ein, so dass sie wie
eine von sechs musikalischen Stimmen wirkte.
Bei der zweiten Aufführung trat die Rezitation mehr in den Vordergrund und
konzentrierte die Aufmerksamkeit auf sich. Bei der ersten Aufführung war
durch die Unterordnung das Wort nicht so deutlich verständlich, wie bei
der zweiten. Die Wirkung auf das Publikum bei der zweiten Aufführung war
ungleich unmittelbarer und stärker, obwohl auch die erste Aufführung
einen sehr starken Erfolg gehabt hat.
Es handelt sich nun um die grundsätzliche Frage: soll bei der Wiedergabe
die Deutlichkeit und Plastik im Vordergrund stehen? Durch eine solche
Wiedergabe wird der musikalische Eindruck hinter dem durch das Wort
vermittelten treten. Mir hatte an sich die erste Darstellung besser
gefallen, weil bei dieser der gesamt-musikalische Eindruck stärker
war.
Polnauer und Ratz, deren Urteil mir am massgebendsten ist, haben
trotzdem die zweite Aufführung vorgezogen. Sie sagen übrigens, dass bei
keiner der bisherigen Wiedergaben die Rezitation so genau der Partitur
entsprochen hatte, wie bei den beiden jetzigen Aufführungen.
Für uns alle war es beglückend, wieder einen engen Kontakt mit diesem Werk
zu bekommen, insbesondere für meine Frau, deren herzlichster Wunsch es
wäre, dass Sie diese Aufführung hören und letzte Korrekturen an der
Wiedergabe vornehmen könnten. Sie hat in einem Interview, das wir leider
nicht mitschicken können, geäussert, dass sie von ihrer Arbeit erst
endgültig befriedigt wäre, wenn sie Gelegenheit hätte, das Werk in Ihrer
Gegenwart aufzuführen. Uebrigens wurde sie sofort nach den Aufführungen
nach Paris, in die Schweiz und zu einer ziemlich umfangreichen
Tournee nach Italien eingeladen, zu der zum Teil auch das Ensemble
mitfahren soll.
In Lugano
wird der Dirigent des dortigen
Radio, Othmar
Nussio
die Aufführung mit seinem Ensemble
veranstalten. Vielleicht wird es möglich sein, dass Sie die dortige
Aufführung, die durch Radio übertragen wird, hören können. Sie soll am
18. Februar stattfinden.
Vor dem Pierrot wurde die „Verklärte Nacht“ durch das Vegh-Quartett gespielt, in einer
Aufführung, die einfach vollendet war. Sie
hätten damit gewiss eine ganz grosse Freude gehabt.
Aufführungen
26. Oktober 1946, Wien, Konzerthaus, Mozart-Saal, Internationale Gesellschaft für Neue Musik
Zweite Aufführung nicht nachweisbar.
22. November 1946
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 22. November 1946, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17732.