Wien, 13. Juli 1946.
Schl/Be
Mr.
Los Angeles, 24,
California.
Sehr verehrter Meister!
Schade. ich hätte mich unendlich gefreut, wenn in unserer neuen Zeit-
schrift „Musica universalis“, die als Quellenzeitschrift gedacht ist
und hoffentlich entsprechendes Gewicht bekommt, ein Originalaufsatz
von Ihnen erschienen wäre. Vielleicht ist es etwas später möglich.
Der Umfang spielt dabei übrigens keine Rolle, da die Zeitschrift nicht
so aktuell gebunden sein soll und zunächst in unregelmässigen Zeitab-
schnitten fast mehr in kleiner Buchform erscheint.
Schon lange bemühe ich mich darum, Rufer nach Wien zurückzubekommen.
Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass er eine grössere Familie hat,
die unter den augenblicklichen Verhältnissen hier schwer unterzubringen
ist. Ich wäre natürlich sehr glücklich, wenn er bei uns wäre, da er uns
auf allen Gebieten sehr viel helfen könnte.
Auf der Liste Ihrer Werke sind „Erwartung“, „Die glückliche Hand“, „von
Heute auf Morgen
“ und das I., II., und III. Streichquartett leider ver-
gessen worden, selbstverständlich ist das Material auch da.
Da wir mit der AMP einen Vertrag haben und zur Zeit noch keinerlei Han-
delsverbindungen zwischen Oesterreich und den USA direkt bestehen, ist
ein Kauf von Noten nur so möglich, dass Sie die Noten von der AMP be-
ziehen. Die AMP hat die Vertretung der U.E. für Amerika. Ich bin sehr
erschrocken über Ihre Meinung über Herrn Winter, den ich besonders hoch
schätze und der, so weit wir dies beurteilen können, auch während seiner
Tätigkeit bei der AMP immer die Interessen der UE, an der er mit seinem
Herzen hängt, aufs Beste gewahrt hat. Zur Zeit besteht noch nicht die
Möglichkeit, Verträge zwischen Firmen in O[e]sterreich und Amerika abzu-
schliessen, wir hoffen, dass dies in kurzer Zeit der Fall sein wird.
Dann werden wir auch alle Fragen die Sie betreffen, mit der AMP erör-
tern. Ich glaube aber doch, dass Herr Winter sich bemüht hat, in dieser
wirklich schwierigen Zeit sowohl Ihre als unsere Interessen zu wahren
und immer den Weg zu finden, der unter den gegebenen Verhältnissen, die
ja nicht übersehen werden dürfen, der richtige ist.
Die Proben zum Pierrot lunaire1 gehen sehr schön vorwärts. Apostel diri-
giert, Polnauer beteiligt sich auch an der Einstudierung. Eben kommt
aus Brüssel die Nachricht von Collaer, dass er im nächsten Jahr Ihre
sämtlichen Klavierwerke und die „Erwartung“ aufführen wird.
In tiefster Verehrung und mit ergebensten Grüssen

Schlee
Wien, 13. Juli 1946.
Schl/Be
Mr.
Los Angeles, 24,
California.
Sehr verehrter Meister!
Schade. ich hätte mich unendlich gefreut, wenn in unserer neuen Zeitschrift „Musica universalis“, die als Quellenzeitschrift gedacht ist und hoffentlich entsprechendes Gewicht bekommt, ein Originalaufsatz von Ihnen erschienen wäre. Vielleicht ist es etwas später möglich. Der Umfang spielt dabei übrigens keine Rolle, da die Zeitschrift nicht so aktuell gebunden sein soll und zunächst in unregelmässigen Zeitabschnitten fast mehr in kleiner Buchform erscheint.
Schon lange bemühe ich mich darum, Rufer nach Wien zurückzubekommen. Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass er eine grössere Familie hat, die unter den augenblicklichen Verhältnissen hier schwer unterzubringen ist. Ich wäre natürlich sehr glücklich, wenn er bei uns wäre, da er uns auf allen Gebieten sehr viel helfen könnte.
Auf der Liste Ihrer Werke sind „Erwartung“, „Die glückliche Hand“, „von Heute auf Morgen“ und das I., II., und III. Streichquartett leider vergessen worden, selbstverständlich ist das Material auch da.
Da wir mit der AMP einen Vertrag haben und zur Zeit noch keinerlei Handelsverbindungen zwischen Oesterreich und den USA direkt bestehen, ist ein Kauf von Noten nur so möglich, dass Sie die Noten von der AMP beziehen. Die AMP hat die Vertretung der U.E. für Amerika. Ich bin sehr erschrocken über Ihre Meinung über Herrn Winter, den ich besonders hoch schätze und der, so weit wir dies beurteilen können, auch während seiner Tätigkeit bei der AMP immer die Interessen der UE, an der er mit seinem Herzen hängt, aufs Beste gewahrt hat. Zur Zeit besteht noch nicht die Möglichkeit, Verträge zwischen Firmen in Oesterreich und Amerika abzuschliessen, wir hoffen, dass dies in kurzer Zeit der Fall sein wird. Dann werden wir auch alle Fragen die Sie betreffen, mit der AMP erörtern. Ich glaube aber doch, dass Herr Winter sich bemüht hat, in dieser wirklich schwierigen Zeit sowohl Ihre als unsere Interessen zu wahren und immer den Weg zu finden, der unter den gegebenen Verhältnissen, die ja nicht übersehen werden dürfen, der richtige ist.
Die Proben zum Pierrot lunaire1 gehen sehr schön vorwärts. Apostel dirigiert, Polnauer beteiligt sich auch an der Einstudierung. Eben kommt aus Brüssel die Nachricht von Collaer, dass er im nächsten Jahr Ihre sämtlichen Klavierwerke und die „Erwartung“ aufführen wird.
In tiefster Verehrung und mit ergebensten Grüssen

Schlee

13. Juli 1946


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 13. Juli 1946, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17747.

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