Wien I, Karlsplatz 6
schl/Wi.
Wien, 21. Dezember 1946.
LOS ANGELES 24, California
Sehr verehrter Meister!
Vielen Dank für Ihren lieben Brief vom 2. d. M. Die Nachricht
von Ihrer Erkrankung1 hat uns alle sehr bestürzt, doch darf
ich Ihrem Brief wohl entnehmen, dass Sie sich bereits erholt
haben.
Selbstverständlich ist die Herausgabe eines Bandes Dichtungen,
Texte, Aphorismen und Sprüche
für die Universal-Edition
von allergrösstem Interesse. Ich glaube auch, dass ein sol-
cher Band technisch nicht allzu viele Schwierigkeiten machen
würde und anständig herausgebracht werden könnte. Ich bitte
Sie also jedenfalls, uns das Manuskript sehr bald zukommen
zu lassen. Wir müssen immerhin mit einer Herstellungszeit
von ca. 1/2 Jahr rechnen, wobei bei dem heutigen Stand
unserer technischen Möglichkeiten ev. sogar mit einer
längeren Verzögerung gerechnet werden muss. Leider ist es
heute so, dass man nie mit Bestimmtheit bestimmten Zeitpunk-
ten rechnen kann. Deshalb sage ich Ihnen jetzt einen Termin
der nach dem augenblicklichen Stand wahrscheinlich eingehal-
ten werden kann. Selbstverständlich werden wir uns aber alle
Mühe geben, Sie womöglich mit einer kürzeren Frist zu über-
raschen.
Da heute Reisen von einem Land in das andere noch unglaub-
lich kompliziert sind, wird die Tournee2 mit „Pierrot“ durch
Italien wahrscheinlich auf den Herbst verschoben werden.
Auch die Pariser Aufführung3 wird wahrscheinlich erst im
Oktober im Rahmen einer grossen Oesterreichischen Woche
stattfinden. Inzwischen wurde eine Aufführung4 mit dem
Ensemble anlässlich der nächstjährigen Salzburger Festspiele
fixiert. Wir sind glücklich, dass man sich dort endlich
entschlossen hat, auch dem zeitgenössischen Schaffen einen
Platz einzuräumen.
Es ist sehr lustig, dass Ihre Frau Gemahlin sich an meine
Frau aus der Zeit der Akademie erinnert. Damals dürfte al-
lerdings meine Frau noch nicht geahnt haben, dass sie ein-
mal die Interpretin des „Pierrot“ werden würde.
Ihre Grüsse werden von allen auf das herzlichste erwidert.
Ich hoffe, bald von Ihnen gute Nachricht, insbesondere
über Ihre gesundheitliche Besserung, zu erhalten und wünsche
mir, dass wir uns im kommenden Jahr irgendwo begegnen werden.
Ergebenst
Schlee
Die herzlichsten Wünsche
für das kommende Jahr.
Ergebenste Grüße

B. Rothe
schl/Wi.
Wien, 21. Dezember 1946.
LOS ANGELES 24, California
Sehr verehrter Meister!
Vielen Dank für Ihren lieben Brief vom 2. d. M. Die Nachricht von Ihrer Erkrankung1 hat uns alle sehr bestürzt, doch darf ich Ihrem Brief wohl entnehmen, dass Sie sich bereits erholt haben.
Selbstverständlich ist die Herausgabe eines Bandes Dichtungen, Texte, Aphorismen und Sprüche für die Universal-Edition von allergrösstem Interesse. Ich glaube auch, dass ein solcher Band technisch nicht allzu viele Schwierigkeiten machen würde und anständig herausgebracht werden könnte. Ich bitte Sie also jedenfalls, uns das Manuskript sehr bald zukommen zu lassen. Wir müssen immerhin mit einer Herstellungszeit von ca. 1/2 Jahr rechnen, wobei bei dem heutigen Stand unserer technischen Möglichkeiten ev. sogar mit einer längeren Verzögerung gerechnet werden muss. Leider ist es heute so, dass man nie mit bestimmten Zeitpunkten rechnen kann. Deshalb sage ich Ihnen jetzt einen Termin der nach dem augenblicklichen Stand wahrscheinlich eingehalten werden kann. Selbstverständlich werden wir uns aber alle Mühe geben, Sie womöglich mit einer kürzeren Frist zu überraschen.
Da heute Reisen von einem Land in das andere noch unglaublich kompliziert sind, wird die Tournee2 mit „Pierrot“ durch Italien wahrscheinlich auf den Herbst verschoben werden. Auch die Pariser Aufführung3 wird wahrscheinlich erst im Oktober im Rahmen einer grossen Oesterreichischen Woche stattfinden. Inzwischen wurde eine Aufführung4 mit dem Ensemble anlässlich der nächstjährigen Salzburger Festspiele fixiert. Wir sind glücklich, dass man sich dort endlich entschlossen hat, auch dem zeitgenössischen Schaffen einen Platz einzuräumen.
Es ist sehr lustig, dass Ihre Frau Gemahlin sich an meine Frau aus der Zeit der Akademie erinnert. Damals dürfte allerdings meine Frau noch nicht geahnt haben, dass sie einmal die Interpretin des „Pierrot“ werden würde.
Ihre Grüsse werden von allen auf das herzlichste erwidert. Ich hoffe, bald von Ihnen gute Nachricht, insbesondere über Ihre gesundheitliche Besserung, zu erhalten und wünsche mir, dass wir uns im kommenden Jahr irgendwo begegnen werden.
Ergebenst
Schlee
Die herzlichsten Wünsche für das kommende Jahr. Ergebenste Grüße
B. Rothe

21. Dezember 1946


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 21. Dezember 1946, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17733.

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