Dr. H./Wi.
Wien, 17. August 1927.
Herrn
Pörtschach am See,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Wir erhalten heute von dem ersten Regisseur des Stadt-
theaters
in Breslau ein Schreiben, in welchem es heißt:
„Sehr verehrter Herr Direktor! Bei den soeben
stattfindenden Besprechungen über das diesjährige
Programm habe ich Herrn Prof. Turnau die Aufführung
von Schönberg’sDie glückliche Hand“ als reichs-
deutsche
Uraufführung1 vorgeschlagen, nachdem ich
vor einigen Tagen in Wien aus persönlichem Interes-
se für das Werk diesbezüglich mit Ihren Herren Dr.
Kalmus und Heinsheimer private Rücksprache genom-
men hatte. Prof. Turnau war mit meinem Vorschlage
einverstanden, jedoch knüpfte er daran die Bedingung,
daß Sie uns das Werk zu einem minimalen Preise über-
lassen müßten, damit durch das bei dem argen Konser-
vativismus des Breslauer Publikums zu erwartende De-
fizit das Theater, das finanziell schwer zu kämpfen
hat, nicht unmäßig belastet würde.
Dies betonte mir Prof. Turnau – gezwungener-
maßen – als Grundbedingung, andererseits aber würde
er mir als Regisseur im Falle Ihres Entgegenkommens
künstlerisch und reklamemäßig alle Möglichkeiten ge-
ben, um die Aufführung für das ganze Reich interes-
sant zu machen und damit dem wertvollen Werke
Schönbergs weitere Verbreitung in[d] Deutschland zu ver-
schaffen.
Nun bitte ich Sie, sehr verehrter Herr Direk-
tor, herzlichst, die materiellen Bedingungen in An-
betracht der zu erwartenden finanziellen Unergiebig-
keit und der schwierigen Lage unserer Bühne auf das
Geringste zu beschränken, um meinem Vorschlag der
Breslauer Aufführung Verwirklichung zu verschaffen.“
Wir bitten Sie ergebenst, uns Ihre Stellungnahme zu
dieser Angelegenheit bekanntzugeben. Unsere Ansicht ist, daß

es auf der einen Seite ja gewiß sehr begrüßenswert erscheint,
wenn „Die glückliche Hand“ jetzt endlich auch in Deutsch-
land
aufgeführt wird und wir haben auch künstlerisch ein
gewißes Vertrauen zu der Breslauer Oper. Andererseits be-
tont ja der Regisseur selbst den argen Konservativismus
des Breslauer Publikums und verspricht sich offenbar von
dem Werk in Breslau selbst keine große Auswirkung. Wir
fragen uns auch, ob es nicht zweckmäßiger wäre, in einem
Augenblick, wo die „Erwartung“ an zwei großen Bühnen auf-
geführt
2 wird, das Ergebnis dieser Aufführungen abzuwarten,
da die Wahrscheinlichkeit, daß durch diese Aufführungen
das Interesse an Ihren Bühnenwerken endlich belebt wird,
ja gegeben ist und wir es für sehr möglich halten, daß auf
Grund der Aufführungen der „Erwartung“ dann vielleicht eine
andere Bühne, bei der die Verhältnisse vielleicht günstiger
liegen, sich für die „Glückliche Hand“ interessiert. Wir
möchten jedenfalls bei der Vergebung dieser reichsdeutschen
Uraufführung in keiner Weise ohne Ihre persönliche Zustim-
mung Entscheidungen treffen und wären Ihnen dankbar, wenn
Sie uns dieselben recht bald übermitteln würden, da die
Breslauer Oper ihre Novitätendispositionen treffen muß.
Mit vorzüglicher Hochachtung
DK [...]
Dr. H./Wi.
Wien, 17. August 1927.
Herrn
Pörtschach am See,
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Wir erhalten heute von dem ersten Regisseur des Stadttheaters in Breslau ein Schreiben, in welchem es heißt:
„Sehr verehrter Herr Direktor! Bei den soeben stattfindenden Besprechungen über das diesjährige Programm habe ich Herrn Prof. Turnau die Aufführung von Schönberg’sDie glückliche Hand“ als reichsdeutsche Uraufführung1 vorgeschlagen, nachdem ich vor einigen Tagen in Wien aus persönlichem Interesse für das Werk diesbezüglich mit Ihren Herren Dr. Kalmus und Heinsheimer private Rücksprache genommen hatte. Prof. Turnau war mit meinem Vorschlage einverstanden, jedoch knüpfte er daran die Bedingung, daß Sie uns das Werk zu einem minimalen Preise überlassen müßten, damit durch das bei dem argen Konservativismus des Breslauer Publikums zu erwartende Defizit das Theater, das finanziell schwer zu kämpfen hat, nicht unmäßig belastet würde.
Dies betonte mir Prof. Turnau – gezwungenermaßen – als Grundbedingung, andererseits aber würde er mir als Regisseur im Falle Ihres Entgegenkommens künstlerisch und reklamemäßig alle Möglichkeiten geben, um die Aufführung für das ganze Reich interessant zu machen und damit dem wertvollen Werke Schönbergs weitere Verbreitung in Deutschland zu ver schaffen.
Nun bitte ich Sie, sehr verehrter Herr Direktor, herzlichst, die materiellen Bedingungen in Anbetracht der zu erwartenden finanziellen Unergiebigkeit und der schwierigen Lage unserer Bühne auf das Geringste zu beschränken, um meinem Vorschlag der Breslauer Aufführung Verwirklichung zu verschaffen.“
Wir bitten Sie ergebenst, uns Ihre Stellungnahme zu dieser Angelegenheit bekanntzugeben. Unsere Ansicht ist, daß es auf der einen Seite ja gewiß sehr begrüßenswert erscheint, wenn „Die glückliche Hand“ jetzt endlich auch in Deutschland aufgeführt wird und wir haben auch künstlerisch ein gewißes Vertrauen zu der Breslauer Oper. Andererseits betont ja der Regisseur selbst den argen Konservativismus des Breslauer Publikums und verspricht sich offenbar von dem Werk in Breslau selbst keine große Auswirkung. Wir fragen uns auch, ob es nicht zweckmäßiger wäre, in einem Augenblick, wo die „Erwartung“ an zwei großen Bühnen aufgeführt2 wird, das Ergebnis dieser Aufführungen abzuwarten, da die Wahrscheinlichkeit, daß durch diese Aufführungen das Interesse an Ihren Bühnenwerken endlich belebt wird, ja gegeben ist und wir es für sehr möglich halten, daß auf Grund der Aufführungen der „Erwartung“ dann vielleicht eine andere Bühne, bei der die Verhältnisse vielleicht günstiger liegen, sich für die „Glückliche Hand“ interessiert. Wir möchten jedenfalls bei der Vergebung dieser reichsdeutschen Uraufführung in keiner Weise ohne Ihre persönliche Zustimmung Entscheidungen treffen und wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns dieselben recht bald übermitteln würden, da die Breslauer Oper ihre Novitätendispositionen treffen muß.
Mit vorzüglicher Hochachtung
DK [...]

17. August 1927


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 17. August 1927, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.19959.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen