D/Ma/Bo.
, am 7. März 1928.
Herrn
Berlin-Charlottenburg 9.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich habe mich herzlich gefreut nach langer,
langer Zeit wieder einmal einen Brief von Ihnen zu erhalten
und möchte nur erwähnen, dass ich gestern nach mehr als
5 wöchentlicher nur durch eine ganz kurze Pause unterbro-
chenen Abwesenheit wieder nach Wien zurückgekehrt bin.
Zufolge Ihrer Empfehlung nehme ich die Lie-
der
des Herrn Hoerée zum Verlag1 an und gebe Herrn Hoerée
hievon gleichzeitig Kenntnis. Durch diese positive Wirkung
Ihrer Empfehlung wird es glaube ich ganz überflüssig, Ihre
Kombination zu widerlegen. Ich möchte nur noch bemerken,
dass ich Herrn Zillig in Berlin genau die Gründe mitgeteilt
habe, die mich damals veranlasst haben, sein Quartett nicht
sogleich zu drucken, dass ich ihm versichert habe, seinem
Schaffen das grösste Interesse entgegenzubringen, ihn ge-
beten hatte, mir von seinem nächsten Werke Kenntnis zu
geben und ihm auch erklärt habe, dass ich sobald ich wie-
der in Berlin bin und auch nur eine Stunde Zeit finde, mich
mit ihm in Verbindung setzen werde um über die Frage der
verlagsmässigen Forderung mit ihm zu sprechen.
Ich habe das alles getan, weil Sie mir Herrn Zilllig empfoh-
len haben. Wäre dies nicht der Fall gewesen und Herr Tillig

hätte keine Empfehlung oder eine Empfehlung von irgend
jemand andern auf der Welt beigebracht, dann hätte er
eine ebenso höfliche als klare Ablehnung erfahren, eben-
so wie dies bei Herrn Hoerée der Fall gewesen wäre. Wie
unrichtig Ihre Kombinationen sind, möge Ihnen beweisen,
dass Herr Steuermann für mich derzeit die Klavierwerke2
von Brahms herausgibt, obwohl mir von verschiedenen Sei-
ten Bedenken über diese Wahl des Herausgebers geäussert
wurden. Auf Ihre einfache Empfehlung hin wurde Herr
Steuermann mit dieser Arbeit betraut. Ich bin also in
der angenehmen Lage, Ihren Vermutungen und Kombinationen
Tatsachen gegenüberzustellen und würde mich herzlich
freuen, wenn Sie sich von denselben überzeugen liessen.
Im übrigen hoffe ich in nicht so ferner
Zeit in Berlin zu sein und freue mich, Sie dann wieder
sehen zu dürfen. Ihre neue Adresse ist hier samt Tele-
fonnummer vorgemerkt und ich werde von der letzteren
bevor ich komme, Gebrauch machen.
Inzwischen verbleibe ich mit vielen herz-
lichen Grüssen auch an Ihre verehrte Frau
Ihr stets in warmer Verehrung
ergebener
D/Ma/Bo.
, am 7. März 1928.
Herrn
Berlin-Charlottenburg 9.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich habe mich herzlich gefreut nach langer, langer Zeit wieder einmal einen Brief von Ihnen zu erhalten und möchte nur erwähnen, dass ich gestern nach mehr als 5 wöchentlicher nur durch eine ganz kurze Pause unterbrochenen Abwesenheit wieder nach Wien zurückgekehrt bin.
Zufolge Ihrer Empfehlung nehme ich die Lieder des Herrn Hoerée zum Verlag1 an und gebe Herrn Hoerée hievon gleichzeitig Kenntnis. Durch diese positive Wirkung Ihrer Empfehlung wird es glaube ich ganz überflüssig, Ihre Kombination zu widerlegen. Ich möchte nur noch bemerken, dass ich Herrn Zillig in Berlin genau die Gründe mitgeteilt habe, die mich damals veranlasst haben, sein Quartett nicht sogleich zu drucken, dass ich ihm versichert habe, seinem Schaffen das grösste Interesse entgegenzubringen, ihn gebeten hatte, mir von seinem nächsten Werke Kenntnis zu geben und ihm auch erklärt habe, dass ich sobald ich wieder in Berlin bin und auch nur eine Stunde Zeit finde, mich mit ihm in Verbindung setzen werde um über die Frage der verlagsmässigen Forderung mit ihm zu sprechen.
Ich habe das alles getan, weil Sie mir Herrn Zilllig empfohlen haben. Wäre dies nicht der Fall gewesen und Herr Tillig hätte keine Empfehlung oder eine Empfehlung von irgendjemand andern auf der Welt beigebracht, dann hätte er eine ebenso höfliche als klare Ablehnung erfahren, ebenso wie dies bei Herrn Hoerée der Fall gewesen wäre. Wie unrichtig Ihre Kombinationen sind, möge Ihnen beweisen, dass Herr Steuermann für mich derzeit die Klavierwerke2 von Brahms herausgibt, obwohl mir von verschiedenen Seiten Bedenken über diese Wahl des Herausgebers geäussert wurden. Auf Ihre einfache Empfehlung hin wurde Herr Steuermann mit dieser Arbeit betraut. Ich bin also in der angenehmen Lage, Ihren Vermutungen und Kombinationen Tatsachen gegenüberzustellen und würde mich herzlich freuen, wenn Sie sich von denselben überzeugen liessen.
Im übrigen hoffe ich in nicht so ferner Zeit in Berlin zu sein und freue mich, Sie dann wieder sehen zu dürfen. Ihre neue Adresse ist hier samt Telefonnummer vorgemerkt und ich werde von der letzteren bevor ich komme, Gebrauch machen.
Inzwischen verbleibe ich mit vielen herzlichen Grüssen auch an Ihre verehrte Frau
Ihr stets in warmer Verehrung ergebener
W DK

7. März 1928


Ort erschlossen

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 7. März 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.20054.

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