Arnold Schönberg an Universal-Edition
2. März 1928
ARNOLD SCHÖNBERG
PROFESSOR AN DER AKADEMIE DER KÜNSTE ZU BERLIN
PROFESSOR AN DER AKADEMIE DER KÜNSTE ZU BERLIN
Ich sende Ihnen eine französische Besprechung1 von Arthur
Hoerée und eine sehr interessante englische2 (Chesterian) v. D. E Pike
(einem mir gänzlich unbekannten Autor), welchletztere wohl den
Nachdruck in einer der U.E.-Zeitschriften verdiente, obwohl sie sich
ja nicht für die neue Musik, sondern nur für die meinige einsetzt.
Hoerée und eine sehr interessante englische2 (Chesterian) v. D. E Pike
(einem mir gänzlich unbekannten Autor), welchletztere wohl den
Nachdruck in einer der U.E.-Zeitschriften verdiente, obwohl sie sich
ja nicht für die neue Musik, sondern nur für die meinige einsetzt.
Zum Aufsatz von Hoerée jedoch, eines jungen und
sehr
begabten Komponisten, den ich in Paris kennen gelernt habe, möchte
ich noch folgendes bemerken:
begabten Komponisten, den ich in Paris kennen gelernt habe, möchte
ich noch folgendes bemerken:
Herr Hoërée teilt mir mit, dass er Ihnen
Kompositionen
geschickt hat; Lieder, welche ich in Paris, gelegentlich eines
mir zu Ehren gegebenen Festivals französischer Komponisten, gehört habe.
Er ersucht mich, Ihnen diese Stücke, die mir sehr gefallen
haben zum Verlag zu empfehlen. Aber ich weiß nicht, ob ich
dem sehr begabten jungen Menschen durch meine Empfehlung
schaden soll; ob es nicht klüger von mir ist, meine Meinung
für mich zu behalten (denn meine Empfehlung für Webern und Berg war
so vergebens, wie die für Zillig, der sich aber jetzt auch eine bessere wird
verschaffen können und Ihnen noch viel Geld einbringen wird: und Ehre!)
Also, was soll ich tun: soll ich Ihnen empfehlen, Hoeree zu drucken3,
oder soll ich es unterlassen?
geschickt hat; Lieder, welche ich in Paris, gelegentlich eines
mir zu Ehren gegebenen Festivals französischer Komponisten, gehört habe.
Er ersucht mich, Ihnen diese Stücke, die mir sehr gefallen
haben zum Verlag zu empfehlen. Aber ich weiß nicht, ob ich
dem sehr begabten jungen Menschen durch meine Empfehlung
schaden soll; ob es nicht klüger von mir ist, meine Meinung
für mich zu behalten (denn meine Empfehlung für Webern und Berg war
so vergebens, wie die für Zillig, der sich aber jetzt auch eine bessere wird
verschaffen können und Ihnen noch viel Geld einbringen wird: und Ehre!)
Also, was soll ich tun: soll ich Ihnen empfehlen, Hoeree zu drucken3,
oder soll ich es unterlassen?
Bitte halten Sie das nicht für einen Witz: ich weiß wirklich
nicht, wie ich es mir erklären soll, dass Sie auf irgendeines
nicht, wie ich es mir erklären soll, dass Sie auf irgendeines
andern Menschen
Empfehlung hier viele wenig begabte Komponisten
angenommen haben; die wenigen begabten aber, die ich Ihnen
empfohlen habe, haben Sie, solange ich allein sie empfahl, abge-
lehnt. Was soll ich also – im Ernst – tun? Jeder Mensch
der mich kennen lernt, meint, weiß Gott, was ich für eine
große Kanone bei der Universal Edition bin, und dass
ich nur mit dem kleinen Finger zu reden brauche, wo
andere vergebens mit der ganzen Hand reden. Und man
ist glücklich mich kennen zu lernen und hält sich für
gemacht, wenn ich freundlich und anerkennend bin –
und einstweilen bin ich bei der Univ. Ed. das letzte Rad
am Wagen, oder, um ein besseres Bild zu gebrauchen, welches
die Geringfügigkeit meines [...] Einflusses besser darstellt: das
die einzige anbruchfeste Stelle am letzten Rad des Wagens dieser
Zeit und ihrer Kunst.
angenommen haben; die wenigen begabten aber, die ich Ihnen
empfohlen habe, haben Sie, solange ich allein sie empfahl, abge-
lehnt. Was soll ich also – im Ernst – tun? Jeder Mensch
der mich kennen lernt, meint, weiß Gott, was ich für eine
große Kanone bei der Universal Edition bin, und dass
ich nur mit dem kleinen Finger zu reden brauche, wo
andere vergebens mit der ganzen Hand reden. Und man
ist glücklich mich kennen zu lernen und hält sich für
gemacht, wenn ich freundlich und anerkennend bin –
und einstweilen bin ich bei der Univ. Ed. das letzte Rad
am Wagen, oder, um ein besseres Bild zu gebrauchen, welches
die Geringfügigkeit meines [...] Einflusses besser darstellt: das
die einzige anbruchfeste Stelle am letzten Rad des Wagens dieser
Zeit und ihrer Kunst.
Also bitte: lassen Sie die Stücke von Hoërée doch
Herrn
Stein beurteilen, er wird Sie gewiss so objektiv bedienen,
wie im Falle Zillig, den ich – ich wage es trotzdem – für
ein wirkliches Talent halte.
Stein beurteilen, er wird Sie gewiss so objektiv bedienen,
wie im Falle Zillig, den ich – ich wage es trotzdem – für
ein wirkliches Talent halte.
Nichtsdestoweniger, wäre es mir eine Freude, wen[n]
Sie
Hoeree drucken würden: trotz meiner Empfehlung.
Hoeree drucken würden: trotz meiner Empfehlung.
Herzl. Grüße Ihr
Arnold Schönberg
Trotz der nicht sehr freundlichen Kritiken4 scheint die
„Erwartung“ ja ein Erfolg gewesen zu sein. Denn sonst wären
die Herrn nicht so „respektvoll“, – dass sie von der Aufnahme schreiben,
sie sei ruhig gewesen, ist natürlich ein absichtliches Verkennen des
Umstandes, dass man nach einem solchen Stoff nicht so drauf los
applaudieren kann!!
„Erwartung“ ja ein Erfolg gewesen zu sein. Denn sonst wären
die Herrn nicht so „respektvoll“, – dass sie von der Aufnahme schreiben,
sie sei ruhig gewesen, ist natürlich ein absichtliches Verkennen des
Umstandes, dass man nach einem solchen Stoff nicht so drauf los
applaudieren kann!!
Besprechung
Hoerée 1928 (Exemplar aus dem Schönberg-Nachlass; P8).
englische
drucken
Die Universal-Edition publizierte 1929
Arthur Hoerèe, 6 Gedichte (UE 9754)
(Buchon 2015, Bd.
5, S. 317).
Kritiken
22. Jänner 1928, Wiesbaden, Staatstheater
Wiesbaden
Weitere Aufführungen: 22., 24.,
31. Jänner 1928, 17. Februar 1928
Anzahl und Titel unbekannt; Rezensionen aus dem Schönberg-Nachlass:
Redlich, Februar 1928; Rheinische Musik- und Theater-Zeitung, 4. Februar 1928;
Rezensionen: Neue
Mannheimer Zeitung 1928; Schwäbischer Merkur 1928; Iserlohner
Kreisanzeiger 1928; Stuttgarter Neues Tagblatt
1928.
ARNOLD SCHÖNBERG
PROFESSOR AN DER AKADEMIE DER KÜNSTE ZU BERLIN
PROFESSOR AN DER AKADEMIE DER KÜNSTE ZU BERLIN
Ich sende Ihnen eine französische Besprechung1 von Arthur Hoerée und eine sehr
interessante englische2 (Chesterian) v. D. E Pike
(einem mir gänzlich unbekannten Autor), welchletztere wohl den
Nachdruck in einer der U.E.-Zeitschriften
verdiente, obwohl sie sich ja nicht für die neue Musik, sondern nur für die
meinige einsetzt.
Zum Aufsatz von Hoerée jedoch, eines jungen und
sehr begabten Komponisten, den ich in Paris kennen gelernt habe, möchte ich noch folgendes
bemerken:
Herr Hoërée teilt mir mit, dass er Ihnen
Kompositionen geschickt hat; Lieder, welche
ich in Paris, gelegentlich eines mir
zu Ehren gegebenen Festivals französischer Komponisten, gehört habe. Er
ersucht mich, Ihnen diese Stücke, die mir sehr gefallen
haben zum Verlag zu empfehlen. Aber ich weiß nicht, ob ich
dem sehr begabten jungen Menschen durch meine Empfehlung schaden soll;
ob es nicht klüger von mir ist, meine Meinung für mich zu behalten (denn
meine Empfehlung für Webern
und
Berg war so vergebens, wie die für Zillig, der sich aber jetzt auch eine bessere wird
verschaffen können und Ihnen noch viel Geld einbringen wird: und Ehre!)
Also, was soll ich tun: soll ich Ihnen empfehlen, Hoeree zu drucken3, oder soll ich es unterlassen?
Bitte halten Sie das nicht für einen Witz: ich weiß wirklich nicht, wie ich es
mir erklären soll, dass Sie auf irgendeines andern Menschen
Empfehlung hier viele wenig begabte Komponisten angenommen haben; die wenigen
begabten aber, die ich Ihnen empfohlen habe, haben Sie, solange ich allein sie
empfahl, abgelehnt. Was soll ich also –
im Ernst – tun? Jeder Mensch der mich kennen lernt, meint, weiß Gott, was
ich für eine große Kanone bei der Universal
Edition bin, und dass ich nur mit dem kleinen Finger zu reden
brauche, wo andere vergebens mit der ganzen Hand reden. Und man ist
glücklich mich kennen zu lernen und hält sich für gemacht, wenn ich freundlich
und anerkennend bin – und einstweilen bin ich bei der Univ. Ed. das letzte Rad am Wagen, oder, um ein besseres Bild zu
gebrauchen, welches die Geringfügigkeit meines Einflusses besser
darstellt:
die einzige anbruchfeste Stelle am letzten Rad
des Wagens dieser Zeit und ihrer Kunst.
Also bitte: lassen Sie die Stücke von Hoërée doch
Herrn
Stein beurteilen, er wird Sie gewiss so
objektiv bedienen, wie im Falle Zillig, den
ich – ich wage es trotzdem – für ein wirkliches Talent halte.
Nichtsdestoweniger, wäre es mir eine Freude, wenn
Sie
Hoeree drucken würden: trotz meiner
Empfehlung.
Herzl. Grüße Ihr
Arnold Schönberg
Trotz der nicht sehr freundlichen Kritiken4 scheint die „Erwartung“ ja
ein Erfolg gewesen zu sein. Denn sonst wären die Herrn nicht so
„respektvoll“, – dass sie von der Aufnahme schreiben, sie sei ruhig gewesen, ist natürlich ein
absichtliches Verkennen des Umstandes, dass man nach einem solchen
Stoff nicht so drauf los applaudieren kann!!
Besprechung
Hoerée 1928 (Exemplar aus dem Schönberg-Nachlass; P8).
englische
drucken
Die Universal-Edition publizierte 1929
Arthur Hoerèe, 6 Gedichte (UE 9754)
(Buchon 2015, Bd.
5, S. 317).
Kritiken
22. Jänner 1928, Wiesbaden, Staatstheater
Wiesbaden
Weitere Aufführungen: 22., 24.,
31. Jänner 1928, 17. Februar 1928
Anzahl und Titel unbekannt; Rezensionen aus dem Schönberg-Nachlass:
Redlich, Februar 1928; Rheinische Musik- und Theater-Zeitung, 4. Februar 1928;
Rezensionen: Neue
Mannheimer Zeitung 1928; Schwäbischer Merkur 1928; Iserlohner
Kreisanzeiger 1928; Stuttgarter Neues Tagblatt
1928.
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 2. März 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.7210.