Dr. K/P.
Wien, 18. Dezember 1934.
Herrn
Professor Arnold Schönberg,
Hollywood, California
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Besten Dank für Ihren Brief vom 28. November, den wir
vor drei Tagen bekommen haben. Mit ungewöhnlicher Schnelligkeit
ist auch das Paket mit den Anzügen eingetroffen, die wir wunschge-
mäss an Frau Greissle, bezw. Frau Seligmann weiter expediert haben.
Bei dem grossen Anzug waren zwei Hosen dabei, was wohl in Ordnung
ist. Die Manipulationsgebühr hat nur S 1.15 ausgemacht, so dass wir
so gut wie keine Spesen gehabt haben und den Betrag von Dollar 5.–
den Sie eingeschickt haben, für Rechnung Ihres Sohnes Georg, der
mittlerweile in Wien eingetroffen ist, verwenden. Wir haben ihm
vorläufig das Nötigste für den Unterhalt und zwar S 150.– gegeben
und nehmen an, dass Sie damit einverstanden sein werden, wenn wir
ihm, solange er von Ihnen keine Geldsendung erhält, noch das Aller-
nötigste auf Ihre Rechnung vorschiessen werden, wobei wir den Betrag
von Dollar 50.– während eines Monates keinesfalls überschreiten wür-
den. (das war jener Betrag, den Sie nach Ihrer letzten Angabe monat-
lich zur Verfügung gestellt haben). Wir versuchen auch für ihn,
soweit es heute möglich ist, etwas Arbeit zu beschaffen, so dass er
auch etwas verdienen kann, damit die Summe, die wir ihm geben, nach
Möglichkeit noch geringer sein wird. Sollten Sie wider Erwarten mit

diesem Vorgange nicht einverstanden sein, bitten wir nach Erhalt
dieses Briefes um ein Telegramm mit dem einzigen Wort „unterlasset“,
worauf wir natürlich weitere Zahlungen unterlassen würden.
Einstweilen bemühen wir uns auch im Einvernehmen mit Ihren
Freunden, die Voraussetzungen für die Fahrt nach Möglichkeit zu be-
schleunigen. Wir wissen noch nicht, ob es notwendig sein wird, dass er
Oesterreichischer Staatsbürger wird, jedenfalls soll aber alles ge-
schehen, damit er so rasch als es nur geht und als Sie die Möglichkeit
haben, ihm den Aufenthalt in New York zu ermöglichen, reisefertig wird.
Jedenfalls werden wir sie laufend informieren.
Auf das Journal sind wir schon sehr gespannt und erwarten das
baldige Eintreffen. Bleiben Sie noch längere Zeit in Hollywood oder
beabsichtigen Sie wieder nach New York zu gehen?
Wir hoffen, dass Sie unseren Brief bezüglich der A. K. M.
und der Neuausgaben mittlerweile bekommen haben und erwarten Ihre
weiteren diesbezüglichen Nachrichten.
Wunschgemäss senden wir Ihnen gleichzeitig die verlangten
Werke. Von Friede auf Erden müssten wir allerdings ein Exemplar be-
sorgen, da es nicht unser Verlag ist.
Mit vielen herzlichen Wünschen für ein recht erfolgreiches
1935 verbleiben wir
mit besten Empfehlungen
ergebenst

Dr. K/P.
Wien, 18. Dezember 1934.
Herrn
Professor Arnold Schönberg,
Hollywood, California
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Besten Dank für Ihren Brief vom 28. November, den wir vor drei Tagen bekommen haben. Mit ungewöhnlicher Schnelligkeit ist auch das Paket mit den Anzügen eingetroffen, die wir wunschgemäss an Frau Greissle, bezw. Frau Seligmann weiter expediert haben. Bei dem grossen Anzug waren zwei Hosen dabei, was wohl in Ordnung ist. Die Manipulationsgebühr hat nur S 1.15 ausgemacht, so dass wir so gut wie keine Spesen gehabt haben und den Betrag von Dollar 5.– den Sie eingeschickt haben, für Rechnung Ihres Sohnes Georg, der mittlerweile in Wien eingetroffen ist, verwenden. Wir haben ihm vorläufig das Nötigste für den Unterhalt und zwar S 150.– gegeben und nehmen an, dass Sie damit einverstanden sein werden, wenn wir ihm, solange er von Ihnen keine Geldsendung erhält, noch das Allernötigste auf Ihre Rechnung vorschiessen werden, wobei wir den Betrag von Dollar 50.– während eines Monates keinesfalls überschreiten würden. (das war jener Betrag, den Sie nach Ihrer letzten Angabe monatlich zur Verfügung gestellt haben). Wir versuchen auch für ihn, soweit es heute möglich ist, etwas Arbeit zu beschaffen, so dass er auch etwas verdienen kann, damit die Summe, die wir ihm geben, nach Möglichkeit noch geringer sein wird. Sollten Sie wider Erwarten mit diesem Vorgange nicht einverstanden sein, bitten wir nach Erhalt dieses Briefes um ein Telegramm mit dem einzigen Wort „unterlasset“, worauf wir natürlich weitere Zahlungen unterlassen würden.
Einstweilen bemühen wir uns auch im Einvernehmen mit Ihren Freunden, die Voraussetzungen für die Fahrt nach Möglichkeit zu beschleunigen. Wir wissen noch nicht, ob es notwendig sein wird, dass er Oesterreichischer Staatsbürger wird, jedenfalls soll aber alles geschehen, damit er so rasch als es nur geht und als Sie die Möglichkeit haben, ihm den Aufenthalt in New York zu ermöglichen, reisefertig wird. Jedenfalls werden wir sie laufend informieren.
Auf das Journal sind wir schon sehr gespannt und erwarten das baldige Eintreffen. Bleiben Sie noch längere Zeit in Hollywood oder beabsichtigen Sie wieder nach New York zu gehen?
Wir hoffen, dass Sie unseren Brief bezüglich der A. K. M. und der Neuausgaben mittlerweile bekommen haben und erwarten Ihre weiteren diesbezüglichen Nachrichten.
Wunschgemäss senden wir Ihnen gleichzeitig die verlangten Werke. Von Friede auf Erden müssten wir allerdings ein Exemplar besorgen, da es nicht unser Verlag ist.
Mit vielen herzlichen Wünschen für ein recht erfolgreiches
1935 verbleiben wir mit besten Empfehlungen ergebenst
B. Rothe Dr Kalmus Winter

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 18. Dezember 1934, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.20241.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen