16/12.1911
Lieber Herr Direktor Herzka, heute erhielt ich die gebundenen Exemplare der Harmonie-
lehre
. Die sehen wirklich sehr gut aus. Also endlich auch das. – Haben Sie schon die
fünf Exemplare für die ich Briefe1 beilegte, abgeschickt? Wenn nicht, so bitte: schleu-
nigst. Das ist mir sehr wichtig.
Breitkopf und Härtel (ich wusste nicht, dass das Ihr hiesiger Vertreter ist) scheinen über
meine Harmonielehre verschiedenartige Auskünfte zu geben. Denn die erste Antwort, die
ich Ihnen letzthin mitteilte, hatwurde tatsächlich gegeben. Das ist kein Missverständnis!!
Außerdem aber war Webern vor cirka 4 Tagen ganz zufällig in diesem Geschäft um
[a]ndere Noten zu kaufen. Er sah dort mein Buch liegen und fragte, ob schon viel
davon verkauft worden ist, worauf man ihm sagte: Nein, noch kein einziges Exemplar!
Das stimmt also wieder nicht mit der Behauptung, dass sie „selbst ja schon vor ca
einer Woche mehrere Exemplare ausgeliefert haben.“!!!
Bei dieser Gelegenheit: Kann ich ein Frei-Exemplar Ihres Ex[c]elsior-
Albums
2 haben?
Nun etwas anderes: Webern möchte um etwas Geld zu verdienen,
Klavierauszüge von meinen Werken für Sie machen. Ich halte solche Klavier-
auszüge für die Verbreitung meiner Werke für außerordentlich wichtig. Nicht
nur fürs große Publikum. Auch für die anderen Dilletanten, nämlich für
die Dirigenten. Die können ja wirklich ein Werk kaum anders kennen
lernen als durch Klavier-Auszüge!! Deshalb wären solche Auszüge von
Pelleas, der Kammersinfonie, dem Quartett eine sehr dringende Sache.
Beim 2ten Quartett aber ist, wie ich Ihnen schon schrieb (Sie haben
darauf gar nicht geantwortet!!!!) ein zweihändiger Auszug3 der
beiden letzten Sätze unbedingt nötig, weil die Sänger, die
das Werk lernen sollen, doch eine Klavierbegleitung zum stu-
dieren brauchen. Dabei ist das keine sehr große Angelegenheit.
Ich schätze, dass es sich um höchstens 16 Platten handelt. Möchten Sie

das nicht machen lassen?
Und ebenso dringend erscheint mir ein 4-händiger Auszug4 von
Pelleas“. Sie lassen doch auch sonst von Orchesterwerken 4-händige
Auszüge erscheinen! Und ich bin sicher, dass der viel gekauft werden
würde. (Wie gesagt, vor Allem von Dirigenten, aber auch von anderen
Dilletanten!) Webern wäre sehr froh, wenn Sie ihm den Auf-
trag geben wollten. Er braucht zum Arbeiten ja wenigstens 3–4
Monate. Wenn Sie den Auszug also für die nächste Saison haben
wollten, müssten Sie ihm ja jetzt schon den Auftrag geben. Außer-
[d]em müssen Sie ja den Auszug (wenn Sie etwas Wichtigeres zu
tun haben sollten; beispielsweise meine andern ungedruckten
Werke herauszugeben!!) nicht sofort zum Druck geben. Aber
bestellen und nach der Fertigstellung von Weberns Arbeit das Honorar
hergeben, das könnten Sie ja jetzt schon tun! Webern wird ge-
wiss nicht teurer sein, als andre. Im Gegenteil, eher billiger.
Aber ich meine wenn Sie ihm 3 Mark für die Seite geben wollten,
wäre das bei einem Auszug, der das schwierigste für den Bearbeiter ist,
das es bis jetzt giebt, nicht viel! Vielleicht entschließen Sie sich
dazu. Es wäre mir sehr lieb und ich glaube es wäre auch gut
für den Vertrieb meiner Sachen!!
Nun bitte: sind Kritiken5 über meinen Chor erschienen?
Dass Rosé mein Quartett am 12. nicht gespielt hat, wissen Sie
wohl schon. Er spielt es erst am 5. März. Es soll ein Missverständnis
vorliegen.
Das zwingt mich, da ich hier früher eine Aufführung haben muss,
einen Lieder-Abend selbst zu veranstalten. Ich will den ohne Beihilfe
einer Konzert-Agentur machen, weil das billiger kommen dürfte und
weil ich auch gerne zeigen möchte, dass ein Konzert von mir hier schon
ganz gut möglich ist. Ich will selbst einen gewissen Betrag ris-

kieren, kann aber nicht die ganzen Kosten wagen (cirka 400 Mark). Die
Zusage der Frau Winternitz habe ich schon. Da in diesem Konzert6 größtenteils Werke
aufgeführt werden, die Ihnen gehören, so könnten Sie wohl leicht einen
Garantiebetrag beisteuern. Ich hoffe bestimmt (nach Umfragen bei
Bekannten) da ich gar keine Freikarten ausgeben will, dass ich ohne
diesen Beitrag auskommen werde. Ich traue mich aber doch nicht
das ganze Risiko zu übernehmen, da ich nicht in der Lage bin,
eine solche Summe aufs Spiel zu setzen. Ich bitte Sie daher
um Ihre Zusage (für eventuell) 150 Mark. Ich gehe auch
den Dreililien Verlag darum an (von dem kommen nicht soviele
Werke zur Aufführung).
Bitte um schleunigste Antwort, denn ich möchte das
Konzert für spätesten Mitte Jänner (Als Sonntag Mittags
-Matinee, was billiger kommt) ansetzen.
Ich hoffe bestimmt Ihre Zusage zu erhalten.
Nun für heute genug.
Viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg
Sie haben noch einige wichtige Fragen meines letzten
Briefes nicht beantwortet!!!
16/12.1911
Lieber Herr Direktor Herzka, heute erhielt ich die gebundenen Exemplare der Harmonielehre. Die sehen wirklich sehr gut aus. Also endlich auch das. – Haben Sie schon die fünf Exemplare für die ich Briefe1 beilegte, abgeschickt? Wenn nicht, so bitte: schleunigst. Das ist mir sehr wichtig.
Breitkopf und Härtel (ich wusste nicht, dass das Ihr hiesiger Vertreter ist) scheinen über meine Harmonielehre verschiedenartige Auskünfte zu geben. Denn die erste Antwort, die ich Ihnen letzthin mitteilte, wurde tatsächlich gegeben. Das ist kein Missverständnis!! Außerdem aber war Webern vor cirka 4 Tagen ganz zufällig in diesem Geschäft um andere Noten zu kaufen. Er sah dort mein Buch liegen und fragte, ob schon viel davon verkauft worden ist, worauf man ihm sagte: Nein, noch kein einziges Exemplar! Das stimmt also wieder nicht mit der Behauptung, dass sie „selbst ja schon vor ca einer Woche mehrere Exemplare ausgeliefert haben.“!!!
Bei dieser Gelegenheit: Kann ich ein Frei-Exemplar Ihres Excelsior- Albums2 haben?
Nun etwas anderes: Webern möchte um etwas Geld zu verdienen, Klavierauszüge von meinen Werken für Sie machen. Ich halte solche Klavierauszüge für die Verbreitung meiner Werke für außerordentlich wichtig. Nicht nur fürs große Publikum. Auch für die anderen Dilletanten, nämlich für die Dirigenten. Die können ja wirklich ein Werk kaum anders kennen lernen als durch Klavier-Auszüge!! Deshalb wären solche Auszüge von Pelleas, der Kammersinfonie, dem Quartett eine sehr dringende Sache. Beim 2ten Quartett aber ist, wie ich Ihnen schon schrieb (Sie haben darauf gar nicht geantwortet!!!!) ein zweihändiger Auszug3 der beiden letzten Sätze unbedingt nötig, weil die Sänger, die das Werk lernen sollen, doch eine Klavierbegleitung zum studieren brauchen. Dabei ist das keine sehr große Angelegenheit. Ich schätze, dass es sich um höchstens 16 Platten handelt. Möchten Sie das nicht machen lassen?
Und ebenso dringend erscheint mir ein 4-händiger Auszug4 von „Pelleas“. Sie lassen doch auch sonst von Orchesterwerken 4-händige Auszüge erscheinen! Und ich bin sicher, dass der viel gekauft werden würde. (Wie gesagt, vor Allem von Dirigenten, aber auch von anderen Dilletanten!) Webern wäre sehr froh, wenn Sie ihm den Auftrag geben wollten. Er braucht zum Arbeiten ja wenigstens 3–4 Monate. Wenn Sie den Auszug also für die nächste Saison haben wollten, müssten Sie ihm ja jetzt schon den Auftrag geben. Außer dem müssen Sie ja den Auszug (wenn Sie Wichtigeres zu tun haben sollten; beispielsweise meine andern ungedruckten Werke herauszugeben!!) nicht sofort zum Druck geben. Aber bestellen und nach der Fertigstellung von Weberns Arbeit das Honorar hergeben, das könnten Sie ja jetzt schon tun! Webern wird gewiss nicht teurer sein, als andre. Im Gegenteil, eher billiger. Aber ich meine wenn Sie ihm 3 Mark für die Seite geben wollten, wäre das bei einem Auszug, der das schwierigste für den Bearbeiter ist, das es bis jetzt giebt, nicht viel! Vielleicht entschließen Sie sich dazu. Es wäre mir sehr lieb und ich glaube es wäre auch gut für den Vertrieb meiner Sachen!!
Nun bitte: sind Kritiken5 über meinen Chor erschienen?
Dass Rosé mein Quartett am 12. nicht gespielt hat, wissen Sie wohl schon. Er spielt es erst am 5. März. Es soll ein Missverständnis vorliegen.
Das zwingt mich, da ich hier früher eine Aufführung haben muss, einen Lieder-Abend selbst zu veranstalten. Ich will den ohne Beihilfe einer Konzert-Agentur machen, weil das billiger kommen dürfte und weil ich auch gerne zeigen möchte, dass ein Konzert von mir hier schon ganz gut möglich ist. Ich will selbst einen gewissen Betrag ris kieren, kann aber nicht die ganzen Kosten wagen (cirka 400 Mark). Die Zusage der Frau Winternitz habe ich schon. Da in diesem Konzert6 größtenteils Werke aufgeführt werden, die Ihnen gehören, so könnten Sie wohl leicht einen Garantiebetrag beisteuern. Ich hoffe bestimmt (nach Umfragen bei Bekannten) da ich gar keine Freikarten ausgeben will, dass ich ohne diesen Beitrag auskommen werde. Ich traue mich aber doch nicht das ganze Risiko zu übernehmen, da ich nicht in der Lage bin, eine solche Summe aufs Spiel zu setzen. Ich bitte Sie daher um Ihre Zusage (für eventuell) 150 Mark. Ich gehe auch den Dreililien Verlag darum an (von dem kommen nicht soviele Werke zur Aufführung).
Bitte um schleunigste Antwort, denn ich möchte das Konzert für spätesten Mitte Jänner (Als Sonntag Mittags -Matinee, was billiger kommt) ansetzen.
Ich hoffe bestimmt Ihre Zusage zu erhalten.
Nun für heute genug.
Viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg
Sie haben noch einige wichtige Fragen meines letzten Briefes nicht beantwortet!!!

16. Dezember 1911


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 16. Dezember 1911, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.225.

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