Universal-Edition an Arnold Schönberg
16. März 1936
Universal-Edition·A. G.
WIEN·I·KARLSPLATZ 6
Musikvereinsgebäude / Tel. U 47-5-85
LEIPZIG·KARLSTRASSE 10
TELEGRAMM-ADRESSE: MUSIKEDITION WIEN POSTSPARKASSEN-KONTO WIEN 57557
WIEN·I·KARLSPLATZ 6
Musikvereinsgebäude / Tel. U 47-5-85
LEIPZIG·KARLSTRASSE 10
TELEGRAMM-ADRESSE: MUSIKEDITION WIEN POSTSPARKASSEN-KONTO WIEN 57557
Dr. K./Wi.
Wien, 16.
März 1936.
Herrn Arnold Schönberg,
Sehr verehrter, lieber Herr Schönberg!
Wir haben uns sehr gefreut, nach langer Zeit wieder
mit Ihren Zeilen vom 2. März eine persönliche Nachricht von Ihnen
zu empfangen. Es hat uns sehr leid getan, aus diesem Schreiben und
schon früher aus einem Telegramm1 zu ersehen, dass das Vorlagemate-
rial noch nicht in Ihren Händen ist, denn wir haben dasselbe von
New York per Luftpost an Sie weiterleiten lassen uns sind sicher,
dass Sie es wenige Tage nach Ihrer telegraphischen Urgenz erhalten
haben. Wir haben hier mit der grössten Beschleunigung die Photographien
der Partitur und des Particells anfertigen lassen, sodass auf unserer
Seite keine Zeit verloren gegangen ist.
mit Ihren Zeilen vom 2. März eine persönliche Nachricht von Ihnen
zu empfangen. Es hat uns sehr leid getan, aus diesem Schreiben und
schon früher aus einem Telegramm1 zu ersehen, dass das Vorlagemate-
rial noch nicht in Ihren Händen ist, denn wir haben dasselbe von
New York per Luftpost an Sie weiterleiten lassen uns sind sicher,
dass Sie es wenige Tage nach Ihrer telegraphischen Urgenz erhalten
haben. Wir haben hier mit der grössten Beschleunigung die Photographien
der Partitur und des Particells anfertigen lassen, sodass auf unserer
Seite keine Zeit verloren gegangen ist.
Dass die Arbeit eine so grosse ist und Sie dadurch
so viel Zeit verwenden werden müssen, bedauern wir ausserordentlich,
und wir werden daher den von Ihnen vorgeschlagenen Vorgang, dass Sie
die Instrumentation in das Particell eintragen und Ihr Sohn dann
die Partitur hier unter Kontrolle von Stein und Webern fertigschreibt,
durchführen. Was Sie über die Art der Arbeit schreiben, dass Sie
nicht etwa Berg’s Orchesterstil imitieren, sondern so verfahren, wie
Sie es bei der nachträglichen Instrumentierung der „Gurrelieder“ ge-
tan haben, nehmen wir selbstverständlich zur Kenntnis, da die Art
der Ausführung selbstverständlich von Ihnen als oberste Instanz in
dieser Sache bestimmt werden muss, wenn Sie die Instrumentation voll-
enden.
so viel Zeit verwenden werden müssen, bedauern wir ausserordentlich,
und wir werden daher den von Ihnen vorgeschlagenen Vorgang, dass Sie
die Instrumentation in das Particell eintragen und Ihr Sohn dann
die Partitur hier unter Kontrolle von Stein und Webern fertigschreibt,
durchführen. Was Sie über die Art der Arbeit schreiben, dass Sie
nicht etwa Berg’s Orchesterstil imitieren, sondern so verfahren, wie
Sie es bei der nachträglichen Instrumentierung der „Gurrelieder“ ge-
tan haben, nehmen wir selbstverständlich zur Kenntnis, da die Art
der Ausführung selbstverständlich von Ihnen als oberste Instanz in
dieser Sache bestimmt werden muss, wenn Sie die Instrumentation voll-
enden.
Was die Zahlungen für Ihren Sohn anbelangt, so haben
wir
in der Zwischenzeit Ihr Telegramm erhalten und
50 $ für März a conto
Ihres Guthabens ausbezahlt, weitere 50 $ werden am 1. April bezahlt wer-
den. Sie können natürlich unserem Vertreter in New York jeweils Geld
einzahlen, nur müssten wir, wenn telegraphische Spesen vermieden werden
sollen, brieflich über eine Auszahlung an Ihren Sohn so rechtzeitig
verständigt werden, dass wir ihm das Geld zeitgerecht übermitteln können.
Solange über ein Guthaben für Tantiemenabrechnungen, die an Sie gehen
sollen, hier vorhanden ist, besteht für die Auszahlung keine Schwierig-
keit, wenn ein solches Guthaben aber nicht vorhanden ist, dann müsste
von Ihnen jeweils Geld bei unserer New Yorker Vertretung so rechtzeitig
erlegt oder avisiert werden, dass wir hier termingerecht Ihrem Sohne
das Geld überweisen.
Ihres Guthabens ausbezahlt, weitere 50 $ werden am 1. April bezahlt wer-
den. Sie können natürlich unserem Vertreter in New York jeweils Geld
einzahlen, nur müssten wir, wenn telegraphische Spesen vermieden werden
sollen, brieflich über eine Auszahlung an Ihren Sohn so rechtzeitig
verständigt werden, dass wir ihm das Geld zeitgerecht übermitteln können.
Solange über ein Guthaben für Tantiemenabrechnungen, die an Sie gehen
sollen, hier vorhanden ist, besteht für die Auszahlung keine Schwierig-
keit, wenn ein solches Guthaben aber nicht vorhanden ist, dann müsste
von Ihnen jeweils Geld bei unserer New Yorker Vertretung so rechtzeitig
erlegt oder avisiert werden, dass wir hier termingerecht Ihrem Sohne
das Geld überweisen.
Wir hoffen also, dass die Arbeit an der Partitur in der von Ihnen
geschilderten Weise zeitgerecht vorwärts gehen kann und freuen uns im
Interesse aller Beteiligten, dass das unvollendete Werk Alban Berg’s
durch Ihr freundliches Entgegenkommen Ihnen anvertraut werden konnte.
geschilderten Weise zeitgerecht vorwärts gehen kann und freuen uns im
Interesse aller Beteiligten, dass das unvollendete Werk Alban Berg’s
durch Ihr freundliches Entgegenkommen Ihnen anvertraut werden konnte.
Sie schreiben gar nichts darüber, wie es Ihnen persönlich geht
und wie sich Ihre normale Arbeit gestaltet. Es würde uns natürlich sehr
interessieren, auch darüber einmal etwas Authentisches zu erfahren, denn
dadurch, dass Sie schon so lange weg sind und der schöne Flecken Erde,
in welchem Sie sich aufhalten, gerade diametral auf der anderen Hälfte
der Weltkugel liegt, können wir uns von Ihrem täglichen Leben so gar
kein Bild machen und Sie wissen, dass dies viele Ihrer Freunde interes-
sieren würde.
und wie sich Ihre normale Arbeit gestaltet. Es würde uns natürlich sehr
interessieren, auch darüber einmal etwas Authentisches zu erfahren, denn
dadurch, dass Sie schon so lange weg sind und der schöne Flecken Erde,
in welchem Sie sich aufhalten, gerade diametral auf der anderen Hälfte
der Weltkugel liegt, können wir uns von Ihrem täglichen Leben so gar
kein Bild machen und Sie wissen, dass dies viele Ihrer Freunde interes-
sieren würde.
Mit besten Empfehlungen auch an Ihre verehrte Frau Gemahlin von
uns allen Ihr sehr ergebener
uns allen Ihr sehr ergebener
Dr
Kalmus
P. S. Eben trifft Ihr Telegramm ein, dass
Sie die Instrumentation des letzten Teiles
„Lulu“ nicht durchführen können, worüber wir,
wie Sie sich denken können, sehr erschrocken sind. Wir haben aus Ihrem
Telegramm auch ersehen, dass Sie uns gleich die ganzen fotografischen
Kopien zurückgeschickt haben, sodass Ihr Entschluss, die Arbeit nicht vor-
zunehmen, ein definitiver ist. Wir erwarten also den von Ihnen in dieser
Sache avisierten Brief und müssen inzwischen hier die erforderlichen
Massnahmen treffen.
Sie die Instrumentation des letzten Teiles
„Lulu“ nicht durchführen können, worüber wir,
wie Sie sich denken können, sehr erschrocken sind. Wir haben aus Ihrem
Telegramm auch ersehen, dass Sie uns gleich die ganzen fotografischen
Kopien zurückgeschickt haben, sodass Ihr Entschluss, die Arbeit nicht vor-
zunehmen, ein definitiver ist. Wir erwarten also den von Ihnen in dieser
Sache avisierten Brief und müssen inzwischen hier die erforderlichen
Massnahmen treffen.
Telegramm
Universal-Edition·A. G.
WIEN·I·KARLSPLATZ 6
Musikvereinsgebäude / Tel. U 47-5-85
LEIPZIG·KARLSTRASSE 10
TELEGRAMM-ADRESSE: MUSIKEDITION WIEN POSTSPARKASSEN-KONTO WIEN 57557
WIEN·I·KARLSPLATZ 6
Musikvereinsgebäude / Tel. U 47-5-85
LEIPZIG·KARLSTRASSE 10
TELEGRAMM-ADRESSE: MUSIKEDITION WIEN POSTSPARKASSEN-KONTO WIEN 57557
Dr. K./Wi.
Wien, 16.
März 1936.
Herrn Arnold Schönberg,
Sehr verehrter, lieber Herr Schönberg!
Wir haben uns sehr gefreut, nach langer Zeit wieder mit Ihren Zeilen vom 2. März
eine persönliche Nachricht von Ihnen zu empfangen. Es hat uns sehr leid
getan, aus diesem Schreiben und schon früher aus einem Telegramm1 zu ersehen, dass
das Vorlagematerial noch nicht in Ihren Händen ist, denn wir haben dasselbe von
New York per Luftpost an Sie
weiterleiten lassen uns sind sicher, dass Sie es wenige Tage nach Ihrer
telegraphischen Urgenz erhalten haben. Wir haben hier mit der grössten
Beschleunigung die Photographien der Partitur und des Particells anfertigen
lassen, sodass auf unserer Seite keine Zeit verloren gegangen ist.
Dass die Arbeit eine so grosse ist und Sie dadurch so viel Zeit verwenden
werden müssen, bedauern wir ausserordentlich, und wir werden daher den von
Ihnen vorgeschlagenen Vorgang, dass Sie die Instrumentation in das
Particell eintragen und Ihr Sohn dann
die Partitur hier unter Kontrolle von Stein und Webern
fertigschreibt, durchführen. Was Sie über die Art der Arbeit schreiben,
dass Sie nicht etwa Berg’s
Orchesterstil imitieren, sondern so verfahren, wie Sie es bei der
nachträglichen Instrumentierung der „Gurrelieder“ getan
haben, nehmen wir selbstverständlich zur Kenntnis, da die Art der
Ausführung selbstverständlich von Ihnen als oberste Instanz in dieser Sache
bestimmt werden muss, wenn Sie die Instrumentation vollenden.
Was die Zahlungen für Ihren Sohn anbelangt, so haben wir
in der Zwischenzeit Ihr Telegramm erhalten und
50 $ für März a conto Ihres Guthabens
ausbezahlt, weitere 50 $ werden am 1. April
bezahlt werden. Sie können natürlich
unserem Vertreter in New York jeweils Geld einzahlen, nur
müssten wir, wenn telegraphische Spesen vermieden werden sollen, brieflich
über eine Auszahlung an Ihren Sohn so rechtzeitig verständigt werden, dass
wir ihm das Geld zeitgerecht übermitteln können. Solange ein Guthaben für Tantiemenabrechnungen, die an Sie
gehen sollen, hier vorhanden ist, besteht für die Auszahlung keine
Schwierigkeit, wenn ein solches
Guthaben aber nicht vorhanden ist, dann müsste von Ihnen jeweils Geld bei
unserer New Yorker Vertretung so
rechtzeitig erlegt oder avisiert werden, dass wir hier termingerecht Ihrem
Sohne das Geld überweisen.
Wir hoffen also, dass die Arbeit an der Partitur in der von Ihnen
geschilderten Weise zeitgerecht vorwärts gehen kann und freuen uns im
Interesse aller Beteiligten, dass das unvollendete Werk Alban Berg’s
durch Ihr freundliches Entgegenkommen Ihnen anvertraut werden konnte.
Sie schreiben gar nichts darüber, wie es Ihnen persönlich geht und wie sich
Ihre normale Arbeit gestaltet. Es würde uns natürlich sehr interessieren,
auch darüber einmal etwas Authentisches zu erfahren, denn dadurch, dass Sie
schon so lange weg sind und der schöne Flecken Erde, in welchem Sie sich
aufhalten, gerade diametral auf der anderen Hälfte der Weltkugel liegt,
können wir uns von Ihrem täglichen Leben so gar kein Bild machen und Sie
wissen, dass dies viele Ihrer Freunde interessieren würde.
Mit besten Empfehlungen auch an Ihre verehrte Frau Gemahlin von uns allen
Ihr sehr ergebener
Dr Kalmus
Dr Kalmus
P. S. Eben trifft Ihr Telegramm ein, dass
Sie die Instrumentation des letzten Teiles „Lulu“ nicht durchführen können, worüber
wir, wie Sie sich denken können, sehr erschrocken sind. Wir haben aus
Ihrem Telegramm auch ersehen, dass Sie uns gleich die ganzen
fotografischen Kopien zurückgeschickt haben, sodass Ihr Entschluss, die
Arbeit nicht vorzunehmen, ein
definitiver ist. Wir erwarten also den von Ihnen in dieser Sache
avisierten Brief und müssen inzwischen hier die erforderlichen
Massnahmen treffen.
Telegramm
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16. März 1936, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.23622.