Dr. K./Wi.
Wien, 16. März 1936.
Sehr verehrter, lieber Herr Schönberg!
Wir haben uns sehr gefreut, nach langer Zeit wieder
mit Ihren Zeilen vom 2. März eine persönliche Nachricht von Ihnen
zu empfangen. Es hat uns sehr leid getan, aus diesem Schreiben und
schon früher aus einem Telegramm1 zu ersehen, dass das Vorlagemate-
rial noch nicht in Ihren Händen ist, denn wir haben dasselbe von
New York per Luftpost an Sie weiterleiten lassen uns sind sicher,
dass Sie es wenige Tage nach Ihrer telegraphischen Urgenz erhalten
haben. Wir haben hier mit der grössten Beschleunigung die Photographien
der Partitur und des Particells anfertigen lassen, sodass auf unserer
Seite keine Zeit verloren gegangen ist.
Dass die Arbeit eine so grosse ist und Sie dadurch
so viel Zeit verwenden werden müssen, bedauern wir ausserordentlich,
und wir werden daher den von Ihnen vorgeschlagenen Vorgang, dass Sie
die Instrumentation in das Particell eintragen und Ihr Sohn dann
die Partitur hier unter Kontrolle von Stein und Webern fertigschreibt,
durchführen. Was Sie über die Art der Arbeit schreiben, dass Sie
nicht etwa Berg’s Orchesterstil imitieren, sondern so verfahren, wie
Sie es bei der nachträglichen Instrumentierung der „Gurrelieder“ ge-
tan haben, nehmen wir selbstverständlich zur Kenntnis, da die Art
der Ausführung selbstverständlich von Ihnen als oberste Instanz in
dieser Sache bestimmt werden muss, wenn Sie die Instrumentation voll-
enden.
Was die Zahlungen für Ihren Sohn anbelangt, so haben

wir in der Zwischenzeit Ihr Telegramm erhalten und 50 $ für März a conto
Ihres Guthabens ausbezahlt, weitere 50 $ werden am 1. April bezahlt wer-
den. Sie können natürlich unserem Vertreter in New York jeweils Geld
einzahlen, nur müssten wir, wenn telegraphische Spesen vermieden werden
sollen, brieflich über eine Auszahlung an Ihren Sohn so rechtzeitig
verständigt werden, dass wir ihm das Geld zeitgerecht übermitteln können.
Solange über ein Guthaben für Tantiemenabrechnungen, die an Sie gehen
sollen, hier vorhanden ist, besteht für die Auszahlung keine Schwierig-
keit, wenn ein solches Guthaben aber nicht vorhanden ist, dann müsste
von Ihnen jeweils Geld bei unserer New Yorker Vertretung so rechtzeitig
erlegt oder avisiert werden, dass wir hier termingerecht Ihrem Sohne
das Geld überweisen.
Wir hoffen also, dass die Arbeit an der Partitur in der von Ihnen
geschilderten Weise zeitgerecht vorwärts gehen kann und freuen uns im
Interesse aller Beteiligten, dass das unvollendete Werk Alban Berg’s
durch Ihr freundliches Entgegenkommen Ihnen anvertraut werden konnte.
Sie schreiben gar nichts darüber, wie es Ihnen persönlich geht
und wie sich Ihre normale Arbeit gestaltet. Es würde uns natürlich sehr
interessieren, auch darüber einmal etwas Authentisches zu erfahren, denn
dadurch, dass Sie schon so lange weg sind und der schöne Flecken Erde,
in welchem Sie sich aufhalten, gerade diametral auf der anderen Hälfte
der Weltkugel liegt, können wir uns von Ihrem täglichen Leben so gar
kein Bild machen und Sie wissen, dass dies viele Ihrer Freunde interes-
sieren würde.
Mit besten Empfehlungen auch an Ihre verehrte Frau Gemahlin von
uns allen Ihr sehr ergebener

P. S. Eben trifft Ihr Telegramm ein, dass
Sie die Instrumentation des letzten Teiles
Lulu“ nicht durchführen können, worüber wir,
wie Sie sich denken können, sehr erschrocken sind. Wir haben aus Ihrem
Telegramm auch ersehen, dass Sie uns gleich die ganzen fotografischen
Kopien zurückgeschickt haben, sodass Ihr Entschluss, die Arbeit nicht vor-
zunehmen, ein definitiver ist. Wir erwarten also den von Ihnen in dieser
Sache avisierten Brief und müssen inzwischen hier die erforderlichen
Massnahmen treffen.

Dr. K./Wi.
Wien, 16. März 1936.
Sehr verehrter, lieber Herr Schönberg!
Wir haben uns sehr gefreut, nach langer Zeit wieder mit Ihren Zeilen vom 2. März eine persönliche Nachricht von Ihnen zu empfangen. Es hat uns sehr leid getan, aus diesem Schreiben und schon früher aus einem Telegramm1 zu ersehen, dass das Vorlagematerial noch nicht in Ihren Händen ist, denn wir haben dasselbe von New York per Luftpost an Sie weiterleiten lassen uns sind sicher, dass Sie es wenige Tage nach Ihrer telegraphischen Urgenz erhalten haben. Wir haben hier mit der grössten Beschleunigung die Photographien der Partitur und des Particells anfertigen lassen, sodass auf unserer Seite keine Zeit verloren gegangen ist.
Dass die Arbeit eine so grosse ist und Sie dadurch so viel Zeit verwenden werden müssen, bedauern wir ausserordentlich, und wir werden daher den von Ihnen vorgeschlagenen Vorgang, dass Sie die Instrumentation in das Particell eintragen und Ihr Sohn dann die Partitur hier unter Kontrolle von Stein und Webern fertigschreibt, durchführen. Was Sie über die Art der Arbeit schreiben, dass Sie nicht etwa Berg’s Orchesterstil imitieren, sondern so verfahren, wie Sie es bei der nachträglichen Instrumentierung der „Gurrelieder“ getan haben, nehmen wir selbstverständlich zur Kenntnis, da die Art der Ausführung selbstverständlich von Ihnen als oberste Instanz in dieser Sache bestimmt werden muss, wenn Sie die Instrumentation vollenden.
Was die Zahlungen für Ihren Sohn anbelangt, so haben wir in der Zwischenzeit Ihr Telegramm erhalten und 50 $ für März a conto Ihres Guthabens ausbezahlt, weitere 50 $ werden am 1. April bezahlt werden. Sie können natürlich unserem Vertreter in New York jeweils Geld einzahlen, nur müssten wir, wenn telegraphische Spesen vermieden werden sollen, brieflich über eine Auszahlung an Ihren Sohn so rechtzeitig verständigt werden, dass wir ihm das Geld zeitgerecht übermitteln können. Solange ein Guthaben für Tantiemenabrechnungen, die an Sie gehen sollen, hier vorhanden ist, besteht für die Auszahlung keine Schwierigkeit, wenn ein solches Guthaben aber nicht vorhanden ist, dann müsste von Ihnen jeweils Geld bei unserer New Yorker Vertretung so rechtzeitig erlegt oder avisiert werden, dass wir hier termingerecht Ihrem Sohne das Geld überweisen.
Wir hoffen also, dass die Arbeit an der Partitur in der von Ihnen geschilderten Weise zeitgerecht vorwärts gehen kann und freuen uns im Interesse aller Beteiligten, dass das unvollendete Werk Alban Berg’s durch Ihr freundliches Entgegenkommen Ihnen anvertraut werden konnte.
Sie schreiben gar nichts darüber, wie es Ihnen persönlich geht und wie sich Ihre normale Arbeit gestaltet. Es würde uns natürlich sehr interessieren, auch darüber einmal etwas Authentisches zu erfahren, denn dadurch, dass Sie schon so lange weg sind und der schöne Flecken Erde, in welchem Sie sich aufhalten, gerade diametral auf der anderen Hälfte der Weltkugel liegt, können wir uns von Ihrem täglichen Leben so gar kein Bild machen und Sie wissen, dass dies viele Ihrer Freunde interessieren würde.
Mit besten Empfehlungen auch an Ihre verehrte Frau Gemahlin von uns allen Ihr sehr ergebener
Dr Kalmus
P. S. Eben trifft Ihr Telegramm ein, dass Sie die Instrumentation des letzten Teiles „Lulu“ nicht durchführen können, worüber wir, wie Sie sich denken können, sehr erschrocken sind. Wir haben aus Ihrem Telegramm auch ersehen, dass Sie uns gleich die ganzen fotografischen Kopien zurückgeschickt haben, sodass Ihr Entschluss, die Arbeit nicht vorzunehmen, ein definitiver ist. Wir erwarten also den von Ihnen in dieser Sache avisierten Brief und müssen inzwischen hier die erforderlichen Massnahmen treffen.

16. März 1936


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Gertrud Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16. März 1936, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.23622.

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