Arnold Schönberg an Universal-Edition
11. Juli 1933
Lieb[r]er Herr Doktor Kalmus,
vor Allem möchte ich Sie bitten dafür zu sorgen,
dass man in der UE Folgendes zur Kenntnis nimmt:
dass man in der UE Folgendes zur Kenntnis nimmt:
1. Ich habe meine Berliner
Wohnung aufgegeben1.
2. Vorläufig habe ich noch keine andere Wohnung
und somit auch keine fixe Adresse
und somit auch keine fixe Adresse
3. Ich werde alle Bekannte ersuchen, falls sie nicht
genau wissen, wo ich bin, an die UE zu adressieren.
genau wissen, wo ich bin, an die UE zu adressieren.
Und nun, um was ich die UE
bitte:
4. Bitte seien Sie nun so freundlich, mir alles, was
bei Ihnen für mich eintrifft, nachzusenden.
bei Ihnen für mich eintrifft, nachzusenden.
5. Ich werde Ihnen immer rechtzeitig meine neue Adresse
angeben.
angeben.
6. Bitte, kleben Sie wo es nötig ist (zu Lasten mei-
nes Kontos) die fehlende Portoergänzung auf.
nes Kontos) die fehlende Portoergänzung auf.
7. Bitte öffnen Sie Telegramme und, wenn Sie sie
für wichtig halten, so bitte telegrafieren Sie
mir Sie auf meine Kosten nach. (Minderdringende,
zB Geburtstags oder sonstige Glückwünsche briefl.)
für wichtig halten, so bitte telegrafieren Sie
mir Sie auf meine Kosten nach. (Minderdringende,
zB Geburtstags oder sonstige Glückwünsche briefl.)
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir diese
Gefälligkeit erweisen wollten und bin eventuell auch ger-
ne bereit, derjenigen Ihrer Beamtinnen, die das besorgt,
eine gelegentliche kleine Entschädigung zu bezahlen.
Gefälligkeit erweisen wollten und bin eventuell auch ger-
ne bereit, derjenigen Ihrer Beamtinnen, die das besorgt,
eine gelegentliche kleine Entschädigung zu bezahlen.
Nun eine andere Sache:
Es wird immer schwerer sein Geld aus Deutschland
zu bekommen. Ich habe aber bei Ihnen nicht nur noch ein
kleines Guthaben aus der letzten Abrechnung; sondern, da
ich darauf zähle, dass in der diesmaligen Abrechnung schon
deshalb ein weit grösserer Saldo resultieren muss, weil
ja die Materialgebühren, die voriges Mal gefehlt haben, nun
auftreten werden, auch in dieser ein (prinzipiell schon
fälliges) Guthaben.
zu bekommen. Ich habe aber bei Ihnen nicht nur noch ein
kleines Guthaben aus der letzten Abrechnung; sondern, da
ich darauf zähle, dass in der diesmaligen Abrechnung schon
deshalb ein weit grösserer Saldo resultieren muss, weil
ja die Materialgebühren, die voriges Mal gefehlt haben, nun
auftreten werden, auch in dieser ein (prinzipiell schon
fälliges) Guthaben.
Es wäre mir nun sehr lieb, wenn Sie mir diese
meine Guthaben so bald als möglich zukommen lassen
könnten, da ich gerade augenblicklich den Transport meiner
Möbel, die ja in Berlin nicht länger verbleiben konnten,
bezahlen muss.
meine Guthaben so bald als möglich zukommen lassen
könnten, da ich gerade augenblicklich den Transport meiner
Möbel, die ja in Berlin nicht länger verbleiben konnten,
bezahlen muss.
Nun muss ich mich noch entschuldigen, dass ich
Ihre Fragen wegen Amerika nicht beantwortet habe: es hat
hier bis jetzt, infolge der fieberhaften Tätigkeit der
hiesigen Emigranten, die jeder für sich eine Existenzmöglic[h-]
keit suchen, für mich alle Tage Verhandlungen gegeben, de-
nen man sich schon aus Mitgefühl (ohne doch helfen zu kön-
Ihre Fragen wegen Amerika nicht beantwortet habe: es hat
hier bis jetzt, infolge der fieberhaften Tätigkeit der
hiesigen Emigranten, die jeder für sich eine Existenzmöglic[h-]
keit suchen, für mich alle Tage Verhandlungen gegeben, de-
nen man sich schon aus Mitgefühl (ohne doch helfen zu kön-
nen, nicht entziehen darf. Ausserdem
beschäftigt mich
das Schicksal der noch in Deutschland lebenden Juden
unausgesetzt und ich werde wohl demnächst selbst eine
sehr grosse Aktion2 in die Wege leiten – hoffentlich;
die ersten Schritte hiezu sind bereits getan.
das Schicksal der noch in Deutschland lebenden Juden
unausgesetzt und ich werde wohl demnächst selbst eine
sehr grosse Aktion2 in die Wege leiten – hoffentlich;
die ersten Schritte hiezu sind bereits getan.
Aber – nämlich weiter wegen Amerika – es
hat Ihnen
wohl inzwischen Stein mitgeteilt, was ich darüber geschrie-
ben habe. Ich sollte noch als meine Forderung folgendes
hinzufügen:
wohl inzwischen Stein mitgeteilt, was ich darüber geschrie-
ben habe. Ich sollte noch als meine Forderung folgendes
hinzufügen:
Augenblicklich ist mein Vertrag mit Deutschland
noch nicht gelöst3. Ob und in welcher Form und wann es
geschehen wird, ist fraglich. Wenn ich eine andere Stel-
lung annehme, könnte ich vielleicht von Deutschland
die Gehaltszahlung4 nicht mehr verlangen, da ich ja dann
nicht mehr „zur Verfügung“ stehe! So müsste also auf al-
le Fälle ausser dem Honorar eine Entschädigung für die-
se Gage gesich[s]ert sein und es dürfte weiters nicht ver-
gessen werden, dass meine Stellung eine Ehrenstellung
war, dass ich nur soviel Arbeit zu leisten brauchte, als ich
selbst (freiwillig) Lust hatte!!
noch nicht gelöst3. Ob und in welcher Form und wann es
geschehen wird, ist fraglich. Wenn ich eine andere Stel-
lung annehme, könnte ich vielleicht von Deutschland
die Gehaltszahlung4 nicht mehr verlangen, da ich ja dann
nicht mehr „zur Verfügung“ stehe! So müsste also auf al-
le Fälle ausser dem Honorar eine Entschädigung für die-
se Gage gesich[s]ert sein und es dürfte weiters nicht ver-
gessen werden, dass meine Stellung eine Ehrenstellung
war, dass ich nur soviel Arbeit zu leisten brauchte, als ich
selbst (freiwillig) Lust hatte!!
Haben Sie denn noch etwas weiteres davon gehört[?]
Ich will Ihnen sagen, dass sich überall Interesse für mich
zeigt und alle Welt der Meinung ist, Amerika werde sich
die Gelegenheit, mich zu kriegen, nicht entgehen lassen.
Das scheint aber doch nicht so schnell zu gehn, wie ich
es gerne hätte.
Ich will Ihnen sagen, dass sich überall Interesse für mich
zeigt und alle Welt der Meinung ist, Amerika werde sich
die Gelegenheit, mich zu kriegen, nicht entgehen lassen.
Das scheint aber doch nicht so schnell zu gehn, wie ich
es gerne hätte.
Bitte antworten Sie mir recht bald und
Ich habe meine Berliner
Wohnung aufgegeben
sehr grosse Aktion
Vertrag mit Deutschland
noch nicht gelöst
Schönberg war zunächst beurlaubt worden, die Kündigung
erfolgte im September 1933 (Preußische
Akademie der Künste an Arnold Schönberg, 23. Mai 1933; ASCC
15134; Preußische Akademie der Künste an Arnold Schönberg, 18.
September 1933; ASCC
15136.
Gehaltszahlung
Lieber Herr Doktor Kalmus,
vor Allem möchte ich Sie bitten dafür zu sorgen, dass man in der UE Folgendes zur Kenntnis nimmt:
1. Ich habe meine Berliner
Wohnung aufgegeben1.
2. Vorläufig habe ich noch keine andere Wohnung und somit auch keine fixe
Adresse
3. Ich werde alle Bekannte ersuchen, falls sie nicht genau wissen, wo ich
bin, an die UE zu adressieren.
Und nun, um was ich die UE
bitte:
4. Bitte seien Sie nun so freundlich, mir alles, was bei Ihnen für mich
eintrifft, nachzusenden.
5. Ich werde Ihnen immer rechtzeitig meine neue Adresse angeben.
6. Bitte, kleben Sie wo es nötig ist (zu Lasten meines Kontos) die fehlende Portoergänzung auf.
7. Bitte öffnen Sie Telegramme und, wenn Sie sie für wichtig halten, so
bitte telegrafieren Sie mir Sie auf meine Kosten nach. (Minderdringende,
zB Geburtstags oder sonstige Glückwünsche briefl.)
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir diese Gefälligkeit erweisen
wollten und bin eventuell auch gerne bereit, derjenigen Ihrer Beamtinnen, die das besorgt,
eine gelegentliche kleine Entschädigung zu bezahlen.
Nun eine andere Sache:
Es wird immer schwerer sein Geld aus Deutschland
zu bekommen. Ich habe aber bei Ihnen nicht nur noch ein kleines
Guthaben aus der letzten Abrechnung; sondern,
da ich darauf zähle, dass in der diesmaligen Abrechnung schon deshalb ein weit grösserer Saldo resultieren
muss, weil ja die Materialgebühren, die voriges Mal gefehlt haben, nun
auftreten werden, auch in dieser ein (prinzipiell schon fälliges)
Guthaben.
Es wäre mir nun sehr lieb, wenn Sie mir diese meine Guthaben so bald als
möglich zukommen lassen könnten, da ich gerade augenblicklich den Transport
meiner Möbel, die ja in Berlin nicht
länger verbleiben konnten, bezahlen muss.
Nun muss ich mich noch entschuldigen, dass ich Ihre Fragen wegen Amerika nicht beantwortet habe: es hat hier
bis jetzt, infolge der fieberhaften Tätigkeit der hiesigen Emigranten, die
jeder für sich eine Existenzmöglich
keit suchen, für mich alle Tage Verhandlungen gegeben, denen man sich schon aus Mitgefühl (ohne doch helfen zu können, nicht entziehen darf. Ausserdem
beschäftigt mich das Schicksal der noch in Deutschland lebenden Juden unausgesetzt und ich werde wohl
demnächst selbst eine
sehr grosse Aktion2 in die Wege leiten – hoffentlich; die ersten Schritte hiezu sind
bereits getan.
Aber – nämlich weiter wegen Amerika – es
hat Ihnen wohl inzwischen Stein
mitgeteilt, was ich darüber geschrieben habe. Ich sollte noch als meine Forderung
folgendes hinzufügen:
Augenblicklich ist mein Vertrag mit Deutschland
noch nicht gelöst3. Ob und in welcher Form und wann es
geschehen wird, ist fraglich. Wenn ich eine andere Stellung annehme, könnte ich vielleicht von Deutschland
die Gehaltszahlung4 nicht mehr verlangen, da ich ja dann nicht mehr „zur Verfügung“
stehe! So müsste also auf alle Fälle ausser dem Honorar eine Entschädigung für diese Gage gesichert sein und es dürfte weiters nicht vergessen werden, dass meine Stellung eine Ehrenstellung
war, dass ich nur soviel Arbeit zu leisten brauchte, als ich selbst
(freiwillig) Lust hatte!!
Haben Sie denn noch etwas weiteres davon gehört?
Ich will Ihnen sagen, dass sich überall Interesse für mich zeigt und
alle Welt der Meinung ist, Amerika werde
sich die Gelegenheit, mich zu kriegen, nicht entgehen lassen. Das
scheint aber doch nicht so schnell zu gehn, wie ich es gerne hätte.
Bitte antworten Sie mir recht bald und
Ich habe meine Berliner
Wohnung aufgegeben
sehr grosse Aktion
Vertrag mit Deutschland
noch nicht gelöst
Schönberg war zunächst beurlaubt worden, die Kündigung
erfolgte im September 1933 (Preußische
Akademie der Künste an Arnold Schönberg, 23. Mai 1933; ASCC
15134; Preußische Akademie der Künste an Arnold Schönberg, 18.
September 1933; ASCC
15136.
Gehaltszahlung
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 11. Juli 1933, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.2377.