5. Mai 1919
P. T. Universal-Edition, Ihr Brief1 vom 2.V. ist
keine Antwort, auf meinen Brief vom 30.IV. denn
der von mir geforderte Schutz meiner Interessen kann nicht von Dr Bot -
stiber
, sondern nur durch einen Vertrag mit Schalk , wie ich ihn
fordere gewährleistet werden. Obwol mir zwar an einer Aufführung
in den Gesellschaftskonzerten gelegen wäre, bin ich nicht kurzsichtig ge-
nug, um mich darüber zu täuschen, dass eine ungenügend studierte
Aufführung (Schalk macht äußerstens 6 Proben, es sind aber 12
minimal nötig) dem Werk, seiner Weiterverbreitung und somit
mir und dem Verlag nur schaden könnte. Alle meine Feinde warten
nur auf die Gelegenheit, auch die Gurrelieder schlecht zu finden
und keiner kann mir Ärgeres wünschen, als eine schlechte Aufführung!
Aus diesem Grunde werde ich mich, falls Sie mich nicht durch
Abschließung eines zweckmäßigen Vertrages mit Schalk schützen
wollen, zuerst an Schalk gütlich und dann an mir wohlgesinnte
Direktionsmitglieder der Ges. d. M. herantreten und sie bitten
von ihrer Absicht abzustehen. Sollte wider Erwarten auch das
nichts nützen, so werde ich – da ich mich nicht unterkriegen lassen
will – gezwungen sein, einen Weg einzuschlagen, den ich nur
ungern betrete – Aber die Verantwortung fällt dann nicht auf
mich. – Noch hoffe ich aber, dass Sie die klaren Darlegungen meines
letzten Briefes noch einmal durchlesen und dementsprechend mein Interesse
wahren. Mir wäre nichts erwünschter als ein allseitig gütliches Einver-
nehmen, denn ich wünsche mir Ruhe!
Hochachtungsvoll Arnold Schönberg
Bezüglich des Stiches des fis-moll-Quartetts
habe ich nur einen Wunsch: möglichst großes Format, möglichst

großen Stich. Denn die Partitur muss auch zu
Dirigierzwecken verwendet werden können und
wenn sie so klein ist, wie die des I. Quartetts, ist das
unleserlich. Nebenbei: am 3.VI. führe ich das II. Quartett
und das Sextett in einem von Botstiber veranstalteten
Konzert2 auf.
Meiner Meinung nach müsste Waldheim mit den technischen Mitteln
seiner St Druckerei auch imstande sein, nach meinen
Originalmatritzen durch fotochemische Uebertragung den
Druck in der alten Weise herzustellen. Oder es muss
ein Neudruck auf dieselbe Art möglich sein, wie
die der Harmonielehre. Entweder von den Original-
matritzen oder sonst von einem guten Exemplar.
Sollten die Original-Matritzen benötigt wer-
den, so bin ich gerne bereit, die kleinen Fehler, die noch
vorhanden sind, selbst dort einzutragen.
Für alle Fälle sende ich eine beim Stich des
Neudruck zu benützende Vorlage, die alle Ausbesserun-
gen enthält, zurück mit.
Sollte die aus irgendeinem Grund nicht benötigt
werden, so erbitte ich sie zurück.
Herzlich Ihr Sch
5. Mai 1919
P. T. Universal-Edition, Ihr Brief1 vom 2.V. ist keine Antwort, auf meinen Brief vom 30.IV. denn der von mir geforderte Schutz meiner Interessen kann nicht von Dr Bot stiber, sondern nur durch einen Vertrag mit Schalk , wie ich ihn fordere gewährleistet werden. Obwol mir zwar an einer Aufführung in den Gesellschaftskonzerten gelegen wäre, bin ich nicht kurzsichtig genug, um mich darüber zu täuschen, dass eine ungenügend studierte Aufführung (Schalk macht äußerstens 6 Proben, es sind aber 12 minimal nötig) dem Werk, seiner Weiterverbreitung und somit mir und dem Verlag nur schaden könnte. Alle meine Feinde warten nur auf die Gelegenheit, auch die Gurrelieder schlecht zu finden und keiner kann mir Ärgeres wünschen, als eine schlechte Aufführung!
Aus diesem Grunde werde ich, falls Sie mich nicht durch Abschließung eines zweckmäßigen Vertrages mit Schalk schützen wollen, zuerst an Schalk gütlich und dann an mir wohlgesinnte Direktionsmitglieder der Ges. d. M. herantreten und sie bitten von ihrer Absicht abzustehen. Sollte wider Erwarten auch das nichts nützen, so werde ich – da ich mich nicht unterkriegen lassen will – gezwungen sein, einen Weg einzuschlagen, den ich nur ungern betrete – Aber die Verantwortung fällt dann nicht auf mich. – Noch hoffe ich aber, dass Sie die klaren Darlegungen meines letzten Briefes noch einmal durchlesen und dementsprechend mein Interesse wahren. Mir wäre nichts erwünschter als ein allseitig gütliches Einvernehmen, denn ich wünsche mir Ruhe!
Hochachtungsvoll Arnold Schönberg
Bezüglich des Stiches des fis-moll-Quartetts habe ich nur einen Wunsch: möglichst großes Format, möglichst großen Stich. Denn die Partitur muss auch zu Dirigierzwecken verwendet werden können und wenn sie so klein ist, wie die des I. Quartetts, ist das unleserlich. Nebenbei: am 3.VI. führe ich das II. Quartett und das Sextett in einem von Botstiber veranstalteten Konzert2 auf.
Meiner Meinung nach müsste Waldheim mit den technischen Mitteln seiner Druckerei auch imstande sein, nach meinen Originalmatritzen durch fotochemische Uebertragung den Druck in der alten Weise herzustellen. Oder es muss ein Neudruck auf dieselbe Art möglich sein, wie die der Harmonielehre. Entweder von den Originalmatritzen oder sonst von einem guten Exemplar.
Sollten die Original-Matritzen benötigt werden, so bin[?] ich gerne bereit, die kleinen Fehler, die noch vorhanden sind, selbst dort einzutragen.
Für alle Fälle sende ich eine beim Stich des Neudruck zu benützende Vorlage, die alle Ausbesserungen enthält, mit.
Sollte die aus irgendeinem Grund nicht benötigt werden, so erbitte ich sie zurück.
Herzlich Ihr[?] Sch

5. Mai 1919


Ort erschlossen

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 5. Mai 1919, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.526.

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