Sehr geehrter Herr Direktor
Ich habe nicht Herrn Erdmann ersucht, Krenek
eine Mit Warnung zukommen zu lassen, sondern es ihm
nahegelegt, indem ich sagte:
„Ich, wenn ich ein Freund des Krenek
wäre, würde ihm raten, mein Geld aus der UE.
zurückzuziehen, da diese unmittelbar vor dem Zu-
sammenbruch steht“
Veranlasst hiezu hat mich
I die Art Ihrer Geschäftsführung, welche sich noch immer nicht vom dem
Inflationsstil gelöst hatte. Ich hatte längst die Gewiss-
heit berechnet, dass eine so unerhörte Herausgabe von Noten,
welche nicht durch Erfolge gedeckt waren zu bald ein un-
denkbares Defizit ergeben müsste
II. Z. B. der Umstand, dass Sie Schreker ein ver-
tragliches Honorar von keineswegs bedeutender Höhe nicht auf
einmal zu zahlen imstande sind
III A aber und insbesondre Ihre eigenen Worte,
die Sie zu mir sagten, als Sie meine Oper erwerben
wollten
1. Sie sagten, beinahe schluchzend (sodass ich wirk-
lich Mitleid I mit Ihnen hatte): „Bis vor kurzem war es
der U.E noch möglich [...] gegen hohe Zinsen Geld

von der Bank zu bekommen, jetzt geht aber auch das
nicht mehr.“
Wenn mir auch diese Tatsache nicht überraschend
kam, so warwirkte es mir doch auf mich niederschlagendmetternd,
und erfüllte mich, der ich Ihnen ein Lebenswerk
anvertraut hatte mit [...] größter Be-
sorgnis und mit Mitleid mit Krenek, von
dem ich Sie selbst mir sagten, dass er mit größter
Sparsamkeit lebt und sein ganzes Geld bei Ihnen
liegen hat.
Und leider wussteweiß ich nicht nur von mir, der in
der Inflationszeit durch die Art Ihres Verhaltens
seine sämtlichen Einnahmen eingebüßt hat,
sondern auch von Schreker, der einen großen Be-
trag bei Ihnen liegen hatte, und verloren hat,
dass Sie von Sentimentalität sehr ent-
fernt sind, wenn es sich um das Geld
anderer handelt.
Wenn aber der Stand der U.E. anders sein
sollte, als ich es nach dem vorgenannten annehmen
durfte, so sollten mindestens Sie nicht selbst
solche Dinge sagen, welche dann wohl nicht
anders ausgelegt werden können.
Sehr geehrter Herr Direktor
Ich habe nicht Herrn Erdmann ersucht, Krenek eine Warnung zukommen zu lassen, sondern es ihm nahegelegt, indem ich sagte:
„Ich, wenn ich ein Freund des Krenek wäre, würde ihm raten, mein Geld aus der UE. zurückzuziehen, da diese unmittelbar vor dem Zusammenbruch steht“
Veranlasst hiezu hat mich
I die Art Ihrer Geschäftsführung, welche sich noch immer nichtvom Inflationsstil gelöst hatte. Ich hatte längst die Gewissheit berechnet, dass eine so unerhörte Herausgabe von Noten, welche nicht durch Erfolge gedeckt waren bald ein undenkbares Defizit ergeben müsste
II. Z. B. der Umstand, dass Sie Schreker ein vertragliches Honorar von keineswegs bedeutender Höhe nicht auf einmal zu zahlen imstande sind
III aber und insbesondre Ihre eigenen Worte, die Sie zu mir sagten, als Sie meine Oper erwerben wollten1. Sie sagten, beinahe schluchzend (sodass ich wirklich Mitleid mit Ihnen hatte): „Bis vor kurzem war es der U.E noch möglich gegen hohe Zinsen Geld von der Bank zu bekommen, jetzt geht aber auch das nicht mehr.“
Wenn mir auch diese Tatsache nicht überraschend kam, so wirkte es doch auf mich niederschmetternd, und erfüllte mich, der ich Ihnen ein Lebenswerk anvertraut hatte mit größter Besorgnis und mit Mitleid mit Krenek, von dem Sie selbst mir sagten, dass er mit größter Sparsamkeit lebt und sein ganzes Geld bei Ihnen liegen hat.
Und leider weiß ich nicht nur von mir, der in der Inflationszeit durch die Art Ihres Verhaltens seine sämtlichen Einnahmen eingebüßt hat, sondern auch von Schreker, der einen großen Betrag bei Ihnen liegen hatte, und verloren hat, dass Sie von Sentimentalität sehr entfernt sind, wenn es sich um das Geld anderer handelt.
Wenn aber der Stand der U.E. anders sein sollte, als ich es nach dem vorgenannten annehmen durfte, so sollten mindestens Sie nicht selbst solche Dinge sagen, welche dann wohl nicht anders ausgelegt werden können.

zwischen 9. November 1929 und 13. November 1929



The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief, Entwurf

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, zwischen 9. und 13. November 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.571.

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