Lieber Herr Direktor, ich danke Ihnen sehr
für Ihren herzlichen Brief und das warme Entgegen-
kommen. Am liebsten, wenn das nur irgend
a[ng]ienge, möchte ich Ihren Antrag ohne Ueberlegung
annehmen um Ihnen zu zeigen, wie ich Ihn schätze.
Ja ich habe sogar schon daran gedacht, ob ich mir
die Rest-Summe die mir fehlt nicht anders wo
verschaffen kann, um nur Ihren Antrag anzunehmen.
Aber es geht nicht; ich weiß nichts. Und so werde
ich also von Ihrer Erlaubnis Gebrauch machen und
noch ein paar Tage auf Cassierers Antwort, die
mir Fried in Aussicht stellte warten. Ich muss das
t[u]n, denn ich gienge doch gar zu gerne ein bischen
fort von hier. Es ist wirklich heiß jetzt, kaum
zu ertragen!
Sollte ich bis zum 1. von Cassierers keine
Antwort haben, dann gehe ich in Ihr Bureau
unterschreibe den Vertrag und hole das Geld.

Aber falls Cassierers mir nur wenig mehr
bietet als Sie, werde ich Ihnen telegrafieren.
Vielleicht können Sie die Differenz in diesem
Fall doch drauf geben, da Sie ja auch die Option
auf die anderen Werke haben. Ich bliebe am
Liebsten bei Ihnen!
Deshalb wende ich mich auch nicht
an Schuster und Löffler. Ich will es aufs
Schicksal ankommen lassen. Bietet Cassierer
soviel, dass es mir nicht nötig ist auf die Differenz
zu verzichten, dann schließe ich mit ihm
ab. Und beinahe – so dringend ich eben diese
möglichst große Differenz brauche – aber
ich will nichts sagen, denn ich darf mir
doch nicht noch Pech wünschen. Das habe
ich ja ohnehin.
Also nochmals herzlichen Dank und viele
Grüße Ihr
Arnold Schönberg
Lieber Herr Direktor, ich danke Ihnen sehr für Ihren herzlichen Brief und das warme Entgegenkommen. Am liebsten, wenn das nur irgend angienge, möchte ich Ihren Antrag ohne Ueberlegung annehmen um Ihnen zu zeigen, wie ich Ihn schätze. Ja ich habe sogar schon daran gedacht, ob ich mir die Rest-Summe die mir fehlt nicht anders wo verschaffen kann, um nur Ihren Antrag anzunehmen. Aber es geht nicht; ich weiß nichts. Und so werde ich also von Ihrer Erlaubnis Gebrauch machen und noch ein paar Tage auf Cassierers Antwort, die mir Fried in Aussicht stellte warten. Ich muss das tun, denn ich gienge doch gar zu gerne ein bischen fort von hier. Es ist wirklich heiß jetzt, kaum zu ertragen!
Sollte ich bis zum 1. von Cassierers keine Antwort haben, dann gehe ich in Ihr Bureau unterschreibe den Vertrag und hole das Geld. Aber falls Cassierers mir nur wenig mehr bietet als Sie, werde ich Ihnen telegrafieren. Vielleicht können Sie die Differenz in diesem Fall doch drauf geben, da Sie ja auch die Option auf die anderen Werke haben. Ich bliebe am Liebsten bei Ihnen!
Deshalb wende ich mich auch nicht an Schuster und Löffler. Ich will es aufs Schicksal ankommen lassen. Bietet Cassierer soviel, dass es mir nicht nötig ist auf die Differenz zu verzichten, dann schließe ich mit ihm ab. Und beinahe – so dringend ich eben diese möglichst große Differenz brauche – aber ich will nichts sagen, denn ich darf mir doch nicht noch Pech wünschen. Das habe ich ja ohnehin.
Also nochmals herzlichen Dank und viele Grüße Ihr Arnold Schönberg

28. Juli 1911


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 28. Juli 1911, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6700.

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