Lieber Herr Schönberg. Soeben treffen Ihre beiden
Schreiben
1 vom 23. + 24. ds. ein. Es ist von Cassirer sehr
unfreundlich, Sie nachdem er ja die Verhältnisse2 genau
kennt, so herum zu ziehen und hin zu halten3. –
Ich gebe Ihnen in Allem was Sie schreiben recht und
habe selbst die Empfindung, dass Sie wie kein
Anderer einen Mäcen verdienen – aber diese
Species – ist leider im Aussterben. – –
Sehen Sie das sind die grossen Mängel einer Actien-Gesellsch-
Construction, dass die betreffenden Verwaltungsräte
dort wo sie im Geringsten ein Mäcenatentum
meinerseits wittern – sehr sehr unangenehm werden,
und mir ganz deutlich zu verstehen geben, dass
sie schon im eigenen Wirkungskreise genügend den
Förderer und Mäcen spielen und dass wir heute
wo wir für einen Theil unserer Actien noch keinen
Heller an Zinsen zalen können, nicht das Recht
haben Mäcenaten-Politik zu treiben. – Dieses
Wort ist bei manchen unserer Sitzungen in
einer für mich wenig angenehmen Weise gefallen.
Ich bestreite natürlich bei allen diesen Anlässen,
dass es sich um einen derartigen altruistischen Luxus

handelt und habe bisher mit Erfolg noch
immer die Schlagworte vom „Weiten Blick“
„Voraussicht“ „Sicherung geschäftlicher Chancen“ etc
zur Geltung gebracht. – Dabei wird mir aber
bei diesen Transactionen sehr scharf auf die Finger
gesehen und ich riskire bei der leisesten Unvor-
sichtigkeit eine drakonische Massregelung seitens
des Verwaltungsrates. Das würde mir gewisse
Machtbefugnisse völlig nehmen und der Schaden
für Einige zu deren Gunsten ich sie ausübe,
wäre ein schwerer. –
Sie sehen also unter dem Titel eines Mäcens darf
ich nichts für Sie weiter tun. – Aber Ihr Vorschlag
auf uns die Priorität auf dieErwerbung nachfolgender
Musiktheoretischer Schriften:
  • A. Kontrapunkt
  • B. Instrumentationslehre
  • C. Vorstudie zur Formenlehre, Ca) Formanalysen, Gesetze daraus
  • D. Formenlehre
unter den Bedingungen der Harmonielehre d.
i 1/2 des Reingewinnes ermöglicht es mir Ihnen
einen weiteren Gesamt Vorschuss von K 1000.–
i W. tausend Kronen zur Verfügung zu stellen.
Sie hätten hierbei die Verpflichtung zu übernehmen
vor Beendigung dieser Schriften ohne unsere
Zustimmung kein anderes musikteoretisches Werk zu
veröffentlichen. – Falls Sie einverstanden sind bitte mit
dem mitfolgenden Briefe samt unterfertigter Beilage
ins Büro zu gehen und die K 1000.– einzucassiren. – und dort die Abmachung bei Frl Rothe unterschreiben.

Vielleicht versuchen Sie aber bevor Sie
diese Bindung eingehen, (die zwar keine
ungünstige für Sie ist, denn Sie erhalten
ja von jedem Ihrer Werke die Hälfte des
Reingewinnes; was mit Rücksicht darauf
das[s] unsere Abrechnungen rein sind (wie dies
nicht sehr häufig anderenortes der Fall ist)
für Sie sehr grosse Chancen bedeutet!) –
noch mit Schuster + Löffler bezügl des Kontra-
punktes allein. In diesem Falle rate ich Ihnen
aber ja nicht billig zu sein! –
Am Liebsten wäre mir allerdings Sie
könnten meinen Vorschlag mit dem ich Ihnen
so lange Sie wollen im Worte bleibe, annehmen,
denn es hat für Sie sicher einen ungeheuren
Wert alle Ihre Werke in einer Hand zu haben.
Ich hoffe ja doch mein Plan Ihre Werke vom
Dreililien Verlag zu übernehmen wird sich bald realisiren
lassen. –
Ich grüsse Sie herzlich und bleibe Ihr Sie aufrichtig hochschätzender
Emil Herzka
Lieber Herr Schönberg. Soeben treffen Ihre beiden Schreiben1 vom 23. + 24. ds. ein. Es ist von Cassirer sehr unfreundlich, Sie nachdem er ja die Verhältnisse2 genau kennt, so herum zu ziehen und hin zu halten3. –
Ich gebe Ihnen in Allem was Sie schreiben recht und habe selbst die Empfindung, dass Sie wie kein Anderer einen Mäcen verdienen – aber diese Species – ist leider im Aussterben. – –
Sehen Sie das sind die grossen Mängel einer Actien-Gesellsch-Construction, dass die betreffenden Verwaltungsräte dort wo sie im Geringsten ein Mäcenatentum meinerseits wittern – sehr sehr unangenehm werden, und mir ganz deutlich zu verstehen geben, dass sie schon im eigenen Wirkungskreise genügend den Förderer und Mäcen spielen und dass wir heute wo wir für einen Theil unserer Actien noch keinen Heller an Zinsen zalen können, nicht das Recht haben Mäcenaten-Politik zu treiben. – Dieses Wort ist bei manchen unserer Sitzungen in einer für mich wenig angenehmen Weise gefallen. Ich bestreite natürlich bei allen diesen Anlässen, dass es sich um einen derartigen altruistischen Luxus handelt und habe bisher mit Erfolg noch immer die Schlagworte vom „Weiten Blick“ „Voraussicht“ „Sicherung geschäftlicher Chancen“ etc zur Geltung gebracht. – Dabei wird mir aber bei diesen Transactionen sehr scharf auf die Finger gesehen und ich riskire bei der leisesten Unvorsichtigkeit eine drakonische Massregelung seitens des Verwaltungsrates. Das würde mir gewisse Machtbefugnisse völlig nehmen und der Schaden für Einige zu deren Gunsten ich sie ausübe, wäre ein schwerer. –
Sie sehen also unter dem Titel eines Mäcens darf ich nichts für Sie weiter tun. – Aber Ihr Vorschlag auf Erwerbung nachfolgender Musiktheoretischer Schriften:
  • A. Kontrapunkt
  • B. Instrumentationslehre
  • C. Vorstudie zur Formenlehre, Ca) Formanalysen, Gesetze daraus
  • D. Formenlehre
unter den Bedingungen der Harmonielehre d. i 1/2 des Reingewinnes ermöglicht es mir Ihnen einen weiteren Gesamt Vorschuss von K 1000.– i W. tausend Kronen zur Verfügung zu stellen. Sie hätten hierbei die Verpflichtung zu übernehmen vor Beendigung dieser Schriften ohne unsere Zustimmung kein anderes musikteoretisches Werk zu veröffentlichen. – Falls Sie einverstanden sind bitte mit dem mitfolgenden Briefe ins Büro zu gehen und die K 1000.– einzucassiren. – und dort die Abmachung bei Frl Rothe unterschreiben.
Vielleicht versuchen Sie aber bevor Sie diese Bindung eingehen, (die zwar keine ungünstige für Sie ist, denn Sie erhalten ja von jedem Ihrer Werke die Hälfte des Reingewinnes; was mit Rücksicht darauf dass unsere Abrechnungen rein sind (wie dies nicht sehr häufig anderenortes der Fall ist) für Sie sehr grosse Chancen bedeutet!) – noch mit Schuster + Löffler bezügl des Kontrapunktes allein. In diesem Falle rate ich Ihnen aber ja nicht billig zu sein! –
Am Liebsten wäre mir allerdings Sie könnten meinen Vorschlag mit dem ich Ihnen so lange Sie wollen im Worte bleibe, annehmen, denn es hat für Sie sicher einen ungeheuren Wert alle Ihre Werke in einer Hand zu haben. Ich hoffe ja doch mein Plan Ihre Werke vom Dreililien Verlag zu übernehmen wird sich bald realisiren lassen. –
Ich grüsse Sie herzlich und bleibe Ihr Sie aufrichtig hochschätzender
Emil Herzka

25. Juli 1911


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 25. Juli 1911, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.23512.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen