Arnold Schönberg an Universal-Edition
5. Jänner 1913
Lieber Herr Direktor, der Fond1 für die Gurrelieder ist bereits zu
3/4 teilen aufgebracht (dabei ist auf gar keine Einnahme
gerechnet). In 2–3 Tagen wird die ganze Summe, ja
vielleicht mehr als das zur Verfügung stehen. Deshalb bitte ich
Sie nun nochmals, mir vor allem die Klavierauszüge
schleunigst zu senden. Ich muss die sofort haben. Ich kann nicht
warten, da ich die Sänger engagieren2 muss. Die Aufführung3
dürfte zwar erst anfangs April sein (wegen Orchester u. Saal4)
aber die Chöre müssen jetzt beginnen. Ich will Schreker nicht
die Uraufführung entziehen, wenn er sie doch zustande bringt.
Ich will nur von der Wiener Aufführung5 unabhängig sein.
– Noch etwas: Wenn Schreker den 23. Februar nicht braucht,
d[an]n soll er ihn dem akademischen Verband überlassen.
Mich interessiert dieses Konzert6 sehr!
3/4 teilen aufgebracht (dabei ist auf gar keine Einnahme
gerechnet). In 2–3 Tagen wird die ganze Summe, ja
vielleicht mehr als das zur Verfügung stehen. Deshalb bitte ich
Sie nun nochmals, mir vor allem die Klavierauszüge
schleunigst zu senden. Ich muss die sofort haben. Ich kann nicht
warten, da ich die Sänger engagieren2 muss. Die Aufführung3
dürfte zwar erst anfangs April sein (wegen Orchester u. Saal4)
aber die Chöre müssen jetzt beginnen. Ich will Schreker nicht
die Uraufführung entziehen, wenn er sie doch zustande bringt.
Ich will nur von der Wiener Aufführung5 unabhängig sein.
– Noch etwas: Wenn Schreker den 23. Februar nicht braucht,
d[an]n soll er ihn dem akademischen Verband überlassen.
Mich interessiert dieses Konzert6 sehr!
Herzl Gruß
Schönberg
Fond
Sänger engagieren
Für die Berliner Aufführung der Gurre-Lieder sah Schönberg folgende Interpret:innen vor: Martha Winternitz-Dorda (Tove), Marya Freund (Waldtaube), Hans Nachod (Waldemar), Alfred Boruttau (Klaus Narr), Felix
Lederer-Prina (Bauer), Albertine
Zehme (Sprecherin). Die Wunschbesetzung entsprach (mit
Ausnahme Lederer-Prinas) jener der Aufführung in Leipzig am 6.
März 1914
(Emil Gutmann an Arnold Schönberg, 3. März 1913;
ASCC 12719).
Aufführung
Pläne zu einer Aufführung der
Gurre-Lieder in Berlin reichen bis in das Jahr 1910 zurück und erstrecken sich bis 1914. Nach mehreren Verschiebungen aus primär
finanziellen Gründen, wurde wegen eines ebenfalls finanziell begründeten
Zerwürfnisses zwischen Schönberg
und Chorleiter Siegfried Ochs ein
bereits konkret organisiertes Konzert am 2.
Februar 1914 abgesagt. Mit dem Arrangement hatte Schönberg zunächst seinen Agenten
Emil Gutmann, dann die Konzertdirektion Hermann Wolff beauftragt (ASGA B 16/3, S.
47f.).
Orchester u. Saal
Berliner Philharmonisches Orchester,
Philharmonie Berlin.
Aufführung
Konzert
Die Planung begann im April 1912 mit der
Bestellung von Alban Berg zum
Berater des Akademischen Verbands für
Literatur und Musik unter der Leitung des neuen
Obmanns Erhard Buschbeck (Alban Berg an Arnold Schönberg, 23. April
1912; ASCC 19767). Im Herbst 1912
wandte sich zudem Richard
Specht mit der Idee an Schönberg „im ersten Merkerkonzert, das
voraussichtlich im November stattfinden wird, […] Ihre Kammersymphonie oder – eventuell! –
‚Pelleas und
Melisande‘?! zu neuer Geltung zu bringen“ (Richard
Specht an Arnold Schönberg, 24. September 1912; ASCC 14265). Beide Unternehmungen ließen sich aufgrund
mangelnder Saal- und Orchesterkapazitäten im November 1912 nicht realisieren. Im Dezember 1912 entschied Schönberg, von einer reinen Schönberg-Aufführung abzugehen und
andere Werke – insbesondere Anton Webern,
Sechs Stücke für großes Orchester op. 6 – zu
programmieren, um „die Aufmerksamkeit des Publikums auf mein
Dirigieren zu lenken“ (Arnold Schönberg an Erhard Buschbeck, 13.
Dezember 1912; ASCC 7685). Mehrere in Aussicht genommene Termine konnten
nicht realisiert werden. Am zunächst angepeilten 23. Februar 1913 fand schließlich die
Uraufführung der Gurre-Lieder statt:
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor.
Im Fall des 8. Jänner 1913
beschuldigte Buschbeck u. a. Emil
Hertzka der Hintertreibung, „daß der Verleger der
Werke die Aufführung – unter der Leitung des Komponisten –
hintertreibt, ist doch immerhin selbst für Wiener Verhältnisse etwas Neues und
Merkwürdiges“ (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg 18. Dezember
1912; ASCC 10368). Aus Arnold Schönberg an Alban Berg, 7.
Jänner 1913 (ASCC 309), geht die Programmplanung mit Werken von
Webern, Berg, Schönberg und Gustav
Mahler hervor; im März
erfolgt die letztendliche Disposition durch Einbezug eines Zemlinskys-Werks (Arnold Schönberg an
Alexander Zemlinsky 8. März 1913; ASCC 324) sowie die Festlegung von Proben und
Aufführungstermin (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg, 17. März
1913; ASCC 10370).
Lieber Herr Direktor, der Fond1 für die Gurrelieder ist bereits zu
3/4 teilen aufgebracht (dabei ist auf gar keine Einnahme gerechnet).
In 2–3 Tagen wird die ganze Summe, ja vielleicht mehr als das zur Verfügung
stehen. Deshalb bitte ich Sie nun nochmals, mir vor allem die Klavierauszüge
schleunigst zu senden. Ich muss die sofort haben.
Ich kann nicht warten, da ich die Sänger engagieren2 muss. Die Aufführung3
dürfte zwar erst anfangs April sein (wegen Orchester u. Saal4) aber die Chöre müssen jetzt beginnen. Ich
will Schreker nicht die Uraufführung
entziehen, wenn er sie doch zustande bringt. Ich will nur von der
Wiener
Aufführung5 unabhängig sein. – Noch etwas: Wenn Schreker den 23. Februar nicht
braucht, dann soll er ihn dem akademischen Verband überlassen. Mich
interessiert dieses Konzert6 sehr!
Herzl Gruß
Schönberg
Fond
Sänger engagieren
Für die Berliner Aufführung der Gurre-Lieder sah Schönberg folgende Interpret:innen vor: Martha Winternitz-Dorda (Tove), Marya Freund (Waldtaube), Hans Nachod (Waldemar), Alfred Boruttau (Klaus Narr), Felix
Lederer-Prina (Bauer), Albertine
Zehme (Sprecherin). Die Wunschbesetzung entsprach (mit
Ausnahme Lederer-Prinas) jener der Aufführung in Leipzig am 6.
März 1914
(Emil Gutmann an Arnold Schönberg, 3. März 1913;
ASCC 12719).
Aufführung
Pläne zu einer Aufführung der
Gurre-Lieder in Berlin reichen bis in das Jahr 1910 zurück und erstrecken sich bis 1914. Nach mehreren Verschiebungen aus primär
finanziellen Gründen, wurde wegen eines ebenfalls finanziell begründeten
Zerwürfnisses zwischen Schönberg
und Chorleiter Siegfried Ochs ein
bereits konkret organisiertes Konzert am 2.
Februar 1914 abgesagt. Mit dem Arrangement hatte Schönberg zunächst seinen Agenten
Emil Gutmann, dann die Konzertdirektion Hermann Wolff beauftragt (ASGA B 16/3, S.
47f.).
Orchester u. Saal
Berliner Philharmonisches Orchester,
Philharmonie Berlin.
Aufführung
Konzert
Die Planung begann im April 1912 mit der
Bestellung von Alban Berg zum
Berater des Akademischen Verbands für
Literatur und Musik unter der Leitung des neuen
Obmanns Erhard Buschbeck (Alban Berg an Arnold Schönberg, 23. April
1912; ASCC 19767). Im Herbst 1912
wandte sich zudem Richard
Specht mit der Idee an Schönberg „im ersten Merkerkonzert, das
voraussichtlich im November stattfinden wird, […] Ihre Kammersymphonie oder – eventuell! –
‚Pelleas und
Melisande‘?! zu neuer Geltung zu bringen“ (Richard
Specht an Arnold Schönberg, 24. September 1912; ASCC 14265). Beide Unternehmungen ließen sich aufgrund
mangelnder Saal- und Orchesterkapazitäten im November 1912 nicht realisieren. Im Dezember 1912 entschied Schönberg, von einer reinen Schönberg-Aufführung abzugehen und
andere Werke – insbesondere Anton Webern,
Sechs Stücke für großes Orchester op. 6 – zu
programmieren, um „die Aufmerksamkeit des Publikums auf mein
Dirigieren zu lenken“ (Arnold Schönberg an Erhard Buschbeck, 13.
Dezember 1912; ASCC 7685). Mehrere in Aussicht genommene Termine konnten
nicht realisiert werden. Am zunächst angepeilten 23. Februar 1913 fand schließlich die
Uraufführung der Gurre-Lieder statt:
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor.
Im Fall des 8. Jänner 1913
beschuldigte Buschbeck u. a. Emil
Hertzka der Hintertreibung, „daß der Verleger der
Werke die Aufführung – unter der Leitung des Komponisten –
hintertreibt, ist doch immerhin selbst für Wiener Verhältnisse etwas Neues und
Merkwürdiges“ (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg 18. Dezember
1912; ASCC 10368). Aus Arnold Schönberg an Alban Berg, 7.
Jänner 1913 (ASCC 309), geht die Programmplanung mit Werken von
Webern, Berg, Schönberg und Gustav
Mahler hervor; im März
erfolgt die letztendliche Disposition durch Einbezug eines Zemlinskys-Werks (Arnold Schönberg an
Alexander Zemlinsky 8. März 1913; ASCC 324) sowie die Festlegung von Proben und
Aufführungstermin (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg, 17. März
1913; ASCC 10370).
5. Jänner 1913 (unsicher)
Datierung laut Poststempel
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Postkarte
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 5. Jänner 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6831.