Arnold Schönberg an Universal-Edition
2. Jänner 1913
2/1. 1913
Lieber Herr Direktor, ich beabsichtige die Uraufführung
der Gurrelieder ungefähr am 20.–24. Februar
hier in Berlin zu machen1. Es stehen mir bis
jetzt 5000 Mark zur Verfügung, die mir von
einer einzigen Person (einer Dame2, die ich vorläufig
nicht nennen soll) gewidmet wurden und ich
werde wahrscheinlich in 3–4 Tagen die andere Hälfte
beisammen haben. Es ist ziemlich leicht gegangen.
Viel leichter, als ich mirs vorgestellt habe.
der Gurrelieder ungefähr am 20.–24. Februar
hier in Berlin zu machen1. Es stehen mir bis
jetzt 5000 Mark zur Verfügung, die mir von
einer einzigen Person (einer Dame2, die ich vorläufig
nicht nennen soll) gewidmet wurden und ich
werde wahrscheinlich in 3–4 Tagen die andere Hälfte
beisammen haben. Es ist ziemlich leicht gegangen.
Viel leichter, als ich mirs vorgestellt habe.
Nun muss ich Sie bitten, mir
II. Das gesammte Material so vorzubereiten,
dass ich
dass ich
- a) die Chorstimmen eventuell sofort
- b) die Orchesterstimmen spätestens am 1.
Februar 1913
haben kann.
Denn die Chöre, die wahrscheinlich singen werden
(Frieds Chor, 300 Männer, und der Bruno Kittelsche Chor ca 250 Frauen)
(Frieds Chor, 300 Männer, und der Bruno Kittelsche Chor ca 250 Frauen)
müssen eventuell sofort mit dem Studi[eren]
beginnen
und mit dem philharmonischen Orchester werde ich
die Proben nicht alle in einer Woche machen
können.
und mit dem philharmonischen Orchester werde ich
die Proben nicht alle in einer Woche machen
können.
Die Sache kostet cirka 10–1100
[0] Mark. 10000
bringe ich auf; 1000 werden doch eingehen!!!!
Da muß ich mit Honoraren nicht allzu sehr sparen.
Aber, das Orchester ist teuer.
bringe ich auf; 1000 werden doch eingehen!!!!
Da muß ich mit Honoraren nicht allzu sehr sparen.
Aber, das Orchester ist teuer.
Noch eines: Ich denke Schreker kann und
darf nichts dagegen haben, gegen diese Urauf-
führung. Denn da er ja wie ich höre, ohne
dies im Februar keine Zeit hat4. und Sie ja
selbst schreiben, dass Sie mit der Wiener-
Aufführung5 nicht mehr rechnen, wäre es Frevel,
wenn er mich hindern wolle. Im Gegenteil:
er hat allen Grund, die Berliner-Aufführung
abzuwarten. Vielleicht bekommt er dann
auf Grund des Erfolges eher die Chöre zu-
sammen.
darf nichts dagegen haben, gegen diese Urauf-
führung. Denn da er ja wie ich höre, ohne
dies im Februar keine Zeit hat4. und Sie ja
selbst schreiben, dass Sie mit der Wiener-
Aufführung5 nicht mehr rechnen, wäre es Frevel,
wenn er mich hindern wolle. Im Gegenteil:
er hat allen Grund, die Berliner-Aufführung
abzuwarten. Vielleicht bekommt er dann
auf Grund des Erfolges eher die Chöre zu-
sammen.
Ueber d[ie] Solisten bin ich noch nicht ganz im
Reinen. Doch hoffe ich auch diese Frage bald ge-
löst zu haben, da sich viele Leute für die Sache
sehr interessieren.
Reinen. Doch hoffe ich auch diese Frage bald ge-
löst zu haben, da sich viele Leute für die Sache
sehr interessieren.
Selbstverständlich: ich dirigiere selbst !!
Eine Frage: was meinen Sie soll ich die
Sache durch einen Konzertarrangeur6 machen
lassen; oder soll ichs allein machen[?] Ich habe ja
cirka 5–6 Personen, die mir alle Arbeit ab-
nehmen, aber ob es ohne Konzert-arrangeur gehen
wird?
Sache durch einen Konzertarrangeur6 machen
lassen; oder soll ichs allein machen[?] Ich habe ja
cirka 5–6 Personen, die mir alle Arbeit ab-
nehmen, aber ob es ohne Konzert-arrangeur gehen
wird?
Bitte um umgehendste Antwort.
Herzl Gruß
Ihr Arnold Schönberg
Ihr Arnold Schönberg
in Berlin zu machen
Pläne zu einer Aufführung der
Gurre-Lieder in Berlin reichen bis in das Jahr 1910 zurück und erstrecken sich bis 1914. Nach mehreren Verschiebungen aus primär
finanziellen Gründen, wurde wegen eines ebenfalls finanziell begründeten
Zerwürfnisses zwischen Schönberg
und Chorleiter Siegfried Ochs ein
bereits konkret organisiertes Konzert am 2.
Februar 1914 abgesagt. Mit dem Arrangement hatte Schönberg zunächst seinen Agenten
Emil Gutmann, dann die Konzertdirektion Hermann Wolff beauftragt (ASGA B 16/3, S.
47f.).
Dame
Albertine Zehme zählte mit einer
Unterstützungssumme von 4000 Mark, die einem Garantiefonds zur
Realisierung der Berliner
Aufführung zugute kommen sollte, zu den wichtigsten Sponsor:innen des
Projektes. Zehme war als Sprecherin
für die projektierte Berliner
Aufführung vorgesehen (Albertine Zehme an Arnold Schönberg, 2. März
1913; ASCC 18516; Emil Gutmann an Arnold Schönberg, 3. März 1913;
ASCC 12719).
fertigzustellen
Lieferdatum: 25. Februar 1913, Auflage: 498 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 660).
keine Zeit hat
„Schreker hat wahnsinnig viel zu tun. Er verreist nach
Weihnachten zu Premieren, Anfangs Februar
ist seine Wr. Première“ (Alban
Berg an Arnold Schönberg, 21. Dezember 1912; ASCC
19700). Schreker reiste
Anfang Februar zur Premiere von Der ferne Klang,
9. Februar 1913, Leipzig
.
Aufführung
Konzertarrangeur
Schönberg
beauftragte seinen Agenten Emil
Gutmann mit der Organisation (Arnold Schönberg an
Emil Gutmann, 1. September 1913; ASCC
310).
2/1. 1913
Lieber Herr Direktor, ich beabsichtige die Uraufführung der Gurrelieder ungefähr am 20.–24. Februar
hier in Berlin zu machen1. Es stehen mir bis jetzt 5000 Mark zur Verfügung, die mir von
einer einzigen Person (einer Dame2, die ich vorläufig nicht nennen soll) gewidmet wurden und ich
werde wahrscheinlich in 3–4 Tagen die andere Hälfte beisammen haben.
Es ist ziemlich leicht gegangen. Viel leichter, als ich mirs vorgestellt
habe.
Nun muss ich Sie bitten, mir
II. Das gesammte Material so vorzubereiten, dass ich
- a) die Chorstimmen eventuell sofort
- b) die Orchesterstimmen spätestens am 1. Februar 1913 haben kann.
Denn die Chöre, die wahrscheinlich singen werden (Frieds[?] Chor, 300 Männer, und der Bruno Kittelsche Chor ca 250 Frauen) müssen eventuell sofort mit dem Studieren
beginnen und mit dem philharmonischen
Orchester werde ich die Proben nicht alle in einer Woche
machen können.
Die Sache kostet cirka 10–1100[?]
0 Mark. 10000
bringe ich auf; 1000 werden doch eingehen!!!! Da muß ich mit Honoraren
nicht allzu sehr sparen. Aber, das Orchester ist teuer.
Noch eines: Ich denke Schreker kann und
darf nichts dagegen haben, gegen diese Uraufführung. Denn da er ja wie ich höre, ohne dies im Februar
keine Zeit hat4. und Sie ja selbst schreiben, dass Sie mit der Wiener-
Aufführung5 nicht mehr rechnen, wäre es Frevel, wenn er mich hindern wolle. Im
Gegenteil: er hat allen Grund, die Berliner-Aufführung abzuwarten. Vielleicht bekommt er dann
auf Grund des Erfolges eher die Chöre zusammen.
Ueber die Solisten bin ich noch nicht ganz im
Reinen. Doch hoffe ich auch diese Frage bald gelöst zu haben, da sich viele Leute für die Sache sehr
interessieren.
Selbstverständlich: ich dirigiere selbst !!
Eine Frage: was meinen Sie soll ich die Sache durch einen Konzertarrangeur6 machen lassen; oder soll ichs allein
machen? Ich habe ja cirka 5–6
Personen, die mir alle Arbeit abnehmen, aber ob es ohne Konzert-arrangeur gehen wird?
Bitte um umgehendste Antwort.
Herzl Gruß Ihr
Arnold Schönberg
in Berlin zu machen
Pläne zu einer Aufführung der
Gurre-Lieder in Berlin reichen bis in das Jahr 1910 zurück und erstrecken sich bis 1914. Nach mehreren Verschiebungen aus primär
finanziellen Gründen, wurde wegen eines ebenfalls finanziell begründeten
Zerwürfnisses zwischen Schönberg
und Chorleiter Siegfried Ochs ein
bereits konkret organisiertes Konzert am 2.
Februar 1914 abgesagt. Mit dem Arrangement hatte Schönberg zunächst seinen Agenten
Emil Gutmann, dann die Konzertdirektion Hermann Wolff beauftragt (ASGA B 16/3, S.
47f.).
Dame
Albertine Zehme zählte mit einer
Unterstützungssumme von 4000 Mark, die einem Garantiefonds zur
Realisierung der Berliner
Aufführung zugute kommen sollte, zu den wichtigsten Sponsor:innen des
Projektes. Zehme war als Sprecherin
für die projektierte Berliner
Aufführung vorgesehen (Albertine Zehme an Arnold Schönberg, 2. März
1913; ASCC 18516; Emil Gutmann an Arnold Schönberg, 3. März 1913;
ASCC 12719).
fertigzustellen
Lieferdatum: 25. Februar 1913, Auflage: 498 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 660).
keine Zeit hat
„Schreker hat wahnsinnig viel zu tun. Er verreist nach
Weihnachten zu Premieren, Anfangs Februar
ist seine Wr. Première“ (Alban
Berg an Arnold Schönberg, 21. Dezember 1912; ASCC
19700). Schreker reiste
Anfang Februar zur Premiere von Der ferne Klang,
9. Februar 1913, Leipzig
.
Aufführung
Konzertarrangeur
Schönberg
beauftragte seinen Agenten Emil
Gutmann mit der Organisation (Arnold Schönberg an
Emil Gutmann, 1. September 1913; ASCC
310).
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 2. Jänner 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6829.