1/3. 1913
Lieber Herr Direktor, in größter Eile, denn ich korrigiere
unentwegt die Stimmen der Kammersymphonie!
Ich habe keine Lust Nedbal und dem T. V. Orch. beson-
ders entgegenzukommen. Man hat mich dort lange
genug draußen warten lassen. Jedenfalls aber:
ich bin bereit Pelleas bei ihnen zu dirigieren. Wenns
Nedbal macht ist mirs aber lieber; er soll sich nur
plagen! Als Honorar verlange ich mindestens
600 Kronen (wenn ich es in drei Tagen mit wenigstens 4
Proben erledigen kann) bei 4 Tagen 700 Kronen
bei 5 Tagen 800 Kronen. Ich bekomme sonst bei
so zeitraubenden Engagements immer soviel dass mir
wenigstens 600–800 Mark bleiben; bin also dummer-
weise doch sehr billig!
Jedenfalls muss ich das Datum sofort wissen, denn
ich glaube, ich werde nächstes Jahr viele Engagements haben!
Lieber
Sie sollten die Gurre-Lieder so rasch wie möglich
Mengelberg und Siloti antragen
. Ich hoffe bestimmt,
dass einer von beiden sich dazu entschließt!

Was die Wiener Wiederholung1 anbe[la]ngt,
so möchte ich den Vorschlag machen:
an einem Sonntag Mittag (eventuell 11 Uhr)
in einem Theater: Volksoper oder Wiedener
Theater
auf der Bühne!
Das hätte auch akustische Vorteile: die
Sänger wären besser zu hören!
Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für
Ihre sehr lieben Worte. Ich freue mich sehr über
meinen Wiener Erfolg2 und verspreche mir da-
von, dass es für den Glauben an meine späteren
Werke sehr förderlich sein wird.
Morgen hoffe ich die Korrekturen zu Ende
zu bringen und dann will ich an all die -
jenigen (insbesondere Schreker) die sich für
die Gurre-Aufführung bemüht haben, meinen
Dank schreiben3.
Einstweilen viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg
1/3. 1913
Lieber Herr Direktor, in größter Eile, denn ich korrigiere unentwegt die Stimmen der Kammersymphonie! Ich habe keine Lust Nedbal und dem T. V. Orch. besonders entgegenzukommen. Man hat mich dort lange genug draußen warten lassen. Jedenfalls aber: ich bin bereit Pelleas bei ihnen zu dirigieren. Wenns Nedbal macht ist mirs aber lieber; er soll sich nur plagen! Als Honorar verlange ich mindestens 600 Kronen (wenn ich es in drei Tagen mit wenigstens 4 Proben erledigen kann) bei 4 Tagen 700 Kronen bei 5 Tagen 800 Kronen. Ich bekomme sonst bei so zeitraubenden Engagements immer soviel dass mir wenigstens 600–800 Mark bleiben; bin also dummerweise doch sehr billig!
Jedenfalls muss ich das Datum sofort wissen, denn ich glaube, ich werde nächstes Jahr viele Engagements haben!
Sie sollten die Gurre-Lieder so rasch wie möglich Mengelberg und Siloti antragen. Ich hoffe bestimmt, dass einer von beiden sich dazu entschließt!
Was die Wiener Wiederholung1 anbelangt, so möchte ich den Vorschlag machen:
an einem Sonntag Mittag (eventuell 11 Uhr) in einem Theater: Volksoper oder Wiedener Theater auf der Bühne!
Das hätte auch akustische Vorteile: die Sänger wären besser zu hören!
Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre sehr lieben Worte. Ich freue mich sehr über meinen Wiener Erfolg2 und verspreche mir davon, dass es für den Glauben an meine späteren Werke sehr förderlich sein wird.
Morgen hoffe ich die Korrekturen zu Ende zu bringen und dann will ich an all die jenigen (insbesondere Schreker) die sich für die Gurre-Aufführung bemüht haben, meinen Dank schreiben3.
Einstweilen viele herzliche Grüße Ihr Arnold Schönberg

1. März 1913


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 1. März 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6843.

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