Arnold Schönberg an Universal-Edition
15. März 1913
15/3. 1913
Lieber Herr Direktor, ich danke Ihnen sehr für
Ihr freundliches Entgegenkommen in der Ma-
terialfrage der Gurrelieder und nehme mit
umsogrößerem Vergnügen zur Kenntnis, dass
Sie mir die Materialgebühr als Beitrag zu
den Aufführungskosten spenden, als die Aufführung1
sonst wirklich in Frage gestellt worden wäre.
Ihr freundliches Entgegenkommen in der Ma-
terialfrage der Gurrelieder und nehme mit
umsogrößerem Vergnügen zur Kenntnis, dass
Sie mir die Materialgebühr als Beitrag zu
den Aufführungskosten spenden, als die Aufführung1
sonst wirklich in Frage gestellt worden wäre.
Was die Lösung meines Verhältnisses zu
Gutmann anbelangt, so bedaure ich, dass ich
Ihren Rat nicht einholen konnte, denn solche
Fragen müssen meist so rasch entschieden werden,
dass Ihre Antwort erst viel zu spät eingetroffen
wäre.
Gutmann anbelangt, so bedaure ich, dass ich
Ihren Rat nicht einholen konnte, denn solche
Fragen müssen meist so rasch entschieden werden,
dass Ihre Antwort erst viel zu spät eingetroffen
wäre.
Ihre Bedingung, dass bei der Berliner
Aufführung der Berg-Führer ausschließlich verkauft
werde akzeptiere ich nicht nur selbstverständlich,
sondern ich habe sie im Gegenteil längst Wolff
schon mitgeteilt. Jedenfalls bitte ich Sie aber
Aufführung der Berg-Führer ausschließlich verkauft
werde akzeptiere ich nicht nur selbstverständlich,
sondern ich habe sie im Gegenteil längst Wolff
schon mitgeteilt. Jedenfalls bitte ich Sie aber
das
auch selbst Wolff
mitzute[il]en, damit es
nicht durch eine Vergesslichkeit versäumt wird.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen:
Wolff hat in dieses Konzert und in alle damit
zusammenhängenden Fragen nichts dreinzureden,
da er nicht als Unternehmer, sondern nur
als Arrangeur arrangiert fungiert.
nicht durch eine Vergesslichkeit versäumt wird.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen:
Wolff hat in dieses Konzert und in alle damit
zusammenhängenden Fragen nichts dreinzureden,
da er nicht als Unternehmer, sondern nur
als Arrangeur arrangiert fungiert.
Auch über die Materialfrage (wegen der
Kammersymphonie) kann ich Sie beruhigen:
Selbstverständlich müssen die Konzertgesellschaften
von Ihnen das Material erwerben. Ich werde
überall, ohne vorher etwas davon zu sagen,
mein Material2 mitbringen und es bloß
durch den Orchesterdiener auflegen und mir
nachher wieder zurückgeben lassen. Das kann
keineswegs Ihre Rechte tangieren. Ich werde
den Konzertgesellschaften freistellen ob sie
meine Eintragungen kopieren wollen; aber
sie müssen Materiale kaufen. Mahler soll es
auch überall so gemacht haben und von daher
Kammersymphonie) kann ich Sie beruhigen:
Selbstverständlich müssen die Konzertgesellschaften
von Ihnen das Material erwerben. Ich werde
überall, ohne vorher etwas davon zu sagen,
mein Material2 mitbringen und es bloß
durch den Orchesterdiener auflegen und mir
nachher wieder zurückgeben lassen. Das kann
keineswegs Ihre Rechte tangieren. Ich werde
den Konzertgesellschaften freistellen ob sie
meine Eintragungen kopieren wollen; aber
sie müssen Materiale kaufen. Mahler soll es
auch überall so gemacht haben und von daher
habe ich diese Anregung.
Nun bitte ich Sie noch, schleunigst an Wolff
die Chormaterialien für 300 Männerstimmen
und 200 Frauenstimmen und 5–6 Auszüge
zu schicken (Es wirken 5–6 Vereine mit).
die Chormaterialien für 300 Männerstimmen
und 200 Frauenstimmen und 5–6 Auszüge
zu schicken (Es wirken 5–6 Vereine mit).
Ferner: Frau Dr
Zehme hat mir für die
hiesige Aufführung 4000 Mark gespendet!
Ich habe ihr schon lange einen Büttenpapieraus-
zug3 versprochen. Den verdient sie doch wohl!
Bitte, senden Sie ihr einen (Albertine Zehme,
Berlin W. Olivaer-Platz 5/6).
hiesige Aufführung 4000 Mark gespendet!
Ich habe ihr schon lange einen Büttenpapieraus-
zug3 versprochen. Den verdient sie doch wohl!
Bitte, senden Sie ihr einen (Albertine Zehme,
Berlin W. Olivaer-Platz 5/6).
Noch etwas: bitte sorgen Sie dafür, dass
genügend viel Partituren und Klavierauszüge
vorhanden sind, damit man dem „Ansturm
der Käufer“ in Berlin gerecht werden kann.
genügend viel Partituren und Klavierauszüge
vorhanden sind, damit man dem „Ansturm
der Käufer“ in Berlin gerecht werden kann.
Wann kommen Sie nach Berlin?
Viele herzlichste Grüße Ihr
Arnold Schönberg
Aufführung
Pläne zu einer Aufführung der
Gurre-Lieder in Berlin reichen bis in das Jahr 1910 zurück und erstrecken sich bis 1914. Nach mehreren Verschiebungen aus primär
finanziellen Gründen, wurde wegen eines ebenfalls finanziell begründeten
Zerwürfnisses zwischen Schönberg
und Chorleiter Siegfried Ochs ein
bereits konkret organisiertes Konzert am 2.
Februar 1914 abgesagt. Mit dem Arrangement hatte Schönberg zunächst seinen Agenten
Emil Gutmann, dann die Konzertdirektion Hermann Wolff beauftragt (ASGA B 16/3, S.
47f.).
Material
Schönbergs Handexemplar der gedruckten Stimmen zum
Erstdruck (ASGA B 11/2, Quelle Da).
Büttenpapierauszug
Eine nicht für den Verkauf
bestimmte limitierte Ausgabe des Klavierauszugs von Alban
Berg wurde mit signierten Büttenblättern versehen und an
Personen verschenkt, die das Zustandekommen der Uraufführung unterstützt
hatten (ASGA B 16/3,
S. 33).
15/3. 1913
Lieber Herr Direktor, ich danke Ihnen sehr für Ihr freundliches Entgegenkommen
in der Materialfrage der Gurrelieder und
nehme mit umsogrößerem Vergnügen zur Kenntnis, dass Sie mir die
Materialgebühr als Beitrag zu den Aufführungskosten spenden, als die Aufführung1
sonst wirklich in Frage gestellt worden wäre.
Was die Lösung meines Verhältnisses zu
Gutmann anbelangt, so bedaure ich, dass ich
Ihren Rat nicht einholen konnte, denn solche Fragen müssen meist so
rasch entschieden werden, dass Ihre Antwort erst viel zu spät eingetroffen
wäre.
Ihre Bedingung, dass bei der Berliner
Aufführung der Berg-Führer ausschließlich verkauft werde akzeptiere ich nicht
nur selbstverständlich, sondern ich habe sie im Gegenteil längst Wolff
schon mitgeteilt. Jedenfalls bitte ich Sie aber das
auch selbst Wolff
mitzuteilen, damit es nicht
durch eine Vergesslichkeit versäumt wird. Bei dieser Gelegenheit möchte ich
erwähnen:
Wolff hat in dieses Konzert und in alle damit
zusammenhängenden Fragen nichts dreinzureden, da er nicht als
Unternehmer, sondern nur als Arrangeur
fungiert.
Auch über die Materialfrage (wegen der
Kammersymphonie) kann ich Sie beruhigen:
Selbstverständlich müssen die Konzertgesellschaften von Ihnen das
Material erwerben. Ich werde überall, ohne vorher etwas
davon zu sagen, mein Material2 mitbringen und es bloß durch den Orchesterdiener auflegen und mir
nachher wieder zurückgeben lassen. Das kann keineswegs Ihre Rechte
tangieren. Ich werde den Konzertgesellschaften freistellen ob sie
meine Eintragungen kopieren wollen; aber sie müssen Materiale kaufen.
Mahler soll es auch überall so
gemacht haben und von daher habe ich diese Anregung.
Nun bitte ich Sie noch, schleunigst an Wolff
die Chormaterialien für 300 Männerstimmen und 200
Frauenstimmen und 5–6 Auszüge zu schicken (Es wirken 5–6 Vereine
mit).
Ferner: Frau Dr
Zehme hat mir für die hiesige
Aufführung 4000 Mark gespendet! Ich habe ihr schon
lange einen Büttenpapierauszug3 versprochen. Den verdient sie doch wohl! Bitte, senden Sie ihr
einen (Albertine Zehme, Berlin W.
Olivaer-Platz 5/6).
Noch etwas: bitte sorgen Sie dafür, dass genügend viel Partituren und Klavierauszüge
vorhanden sind, damit man dem „Ansturm der Käufer“ in Berlin gerecht werden kann.
Wann kommen Sie nach Berlin?
Viele herzlichste Grüße Ihr
Arnold Schönberg
Meine Orchesterlieder führe ich diesmal nicht
auf.
Aufführung
Pläne zu einer Aufführung der
Gurre-Lieder in Berlin reichen bis in das Jahr 1910 zurück und erstrecken sich bis 1914. Nach mehreren Verschiebungen aus primär
finanziellen Gründen, wurde wegen eines ebenfalls finanziell begründeten
Zerwürfnisses zwischen Schönberg
und Chorleiter Siegfried Ochs ein
bereits konkret organisiertes Konzert am 2.
Februar 1914 abgesagt. Mit dem Arrangement hatte Schönberg zunächst seinen Agenten
Emil Gutmann, dann die Konzertdirektion Hermann Wolff beauftragt (ASGA B 16/3, S.
47f.).
Material
Schönbergs Handexemplar der gedruckten Stimmen zum
Erstdruck (ASGA B 11/2, Quelle Da).
Büttenpapierauszug
Eine nicht für den Verkauf
bestimmte limitierte Ausgabe des Klavierauszugs von Alban
Berg wurde mit signierten Büttenblättern versehen und an
Personen verschenkt, die das Zustandekommen der Uraufführung unterstützt
hatten (ASGA B 16/3,
S. 33).
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 15. März 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6847.