Arnold Schönberg an Universal-Edition
5. Juli 1910
Verehrter Herr Direktor, ich fürchte das
wird doch nicht gehen, dass meine Frau das schreibt1.
Wenigstens vorderhand noch lange nicht. Da müsste
ich krank werden; das geht vorläufig viel zu
langsam. Ich könnte kaum mehr als 1 (eine) Seite
in der Stunde diktieren. Und da muss ich Sie
nun bitten, mir eventuell eine Schreiberin
zu engagieren. Vielleicht für 5-6 mal in der
Woche, aber so, dass ich nicht unbedingt
gebunden bin und immer 5-6 mal diktieren
muss, sondern, dass ich eventuell (, wenn ich
einmal müde werde, oder an einen Punkt
komme, wo ich nachdenken muss,) ein bis
zwei Tage aussetzen kann.
wird doch nicht gehen, dass meine Frau das schreibt1.
Wenigstens vorderhand noch lange nicht. Da müsste
ich krank werden; das geht vorläufig viel zu
langsam. Ich könnte kaum mehr als 1 (eine) Seite
in der Stunde diktieren. Und da muss ich Sie
nun bitten, mir eventuell eine Schreiberin
zu engagieren. Vielleicht für 5-6 mal in der
Woche, aber so, dass ich nicht unbedingt
gebunden bin und immer 5-6 mal diktieren
muss, sondern, dass ich eventuell (, wenn ich
einmal müde werde, oder an einen Punkt
komme, wo ich nachdenken muss,) ein bis
zwei Tage aussetzen kann.
Bitte veranlassen Sie das aber sofort. Wenn
ich die Ferialmonate nicht ausnutzen kann ist es
unmöglich fertig zu werden; denn im Winter
ich die Ferialmonate nicht ausnutzen kann ist es
unmöglich fertig zu werden; denn im Winter
Dann: bitte schicken Sie die Kammer-
symphonie sofort weg! Deswegen sollte
man ja doch nicht eine Aufführungschance
verlieren. Eher noch die Partitur3 verlieren,
als eine Aufführung. Partituren habe ich gen[u]g.
Aber Aufführungen habe ich wenige.
symphonie sofort weg! Deswegen sollte
man ja doch nicht eine Aufführungschance
verlieren. Eher noch die Partitur3 verlieren,
als eine Aufführung. Partituren habe ich gen[u]g.
Aber Aufführungen habe ich wenige.
Die Stimmen meines Quartettes gebe
ich jemandem zum Abschreiben, der mich darum
ersucht hat. Sehr schöne Schrift, aber etwas
ungeübt und langsam. Vielleicht könnten
Sie dem auch etwas Arbeit zukommen lassen.
Er wird Ihnen die Noten (abgeschriebe[n])
bringen. Bitte, wenn Sie mich schon nicht
drucken, dann drücken Sie wenigstens ihn auch nicht!
Meine Noten sind sehr schwer abzuschreiben;
ich weiß das aus eigener Erfahrung, denn
ich jemandem zum Abschreiben, der mich darum
ersucht hat. Sehr schöne Schrift, aber etwas
ungeübt und langsam. Vielleicht könnten
Sie dem auch etwas Arbeit zukommen lassen.
Er wird Ihnen die Noten (abgeschriebe[n])
bringen. Bitte, wenn Sie mich schon nicht
drucken, dann drücken Sie wenigstens ihn auch nicht!
Meine Noten sind sehr schwer abzuschreiben;
ich weiß das aus eigener Erfahrung, denn
ich habe ja selbst in
früheren Jahren kopiert4,
wenn ich kein Geld hatte. Und das können
Sie nicht so bezalen, wie Weigl und andre
Operetten.
wenn ich kein Geld hatte. Und das können
Sie nicht so bezalen, wie Weigl und andre
Operetten.
Morgen schicke ich Ihnen die Klavier-
stücke. Bitte also: sofort drucken! (Bitte:
nicht drücken, Glas!)
stücke. Bitte also: sofort drucken! (Bitte:
nicht drücken, Glas!)
Nochmals: Herzliche Glückwünsche zum
Beginn unseres Vertrags Ihnen
und mir herzliche Glückwünsche zum
Ablauf … in (ach)zehn Jahren!?!
Seien Sie gegrüßt, lassen Sie es sich
und mir gutgehen, aber nicht auf meine
Kosten. Sie sehen ich bin in Laune; ver-
derben Sie mir die nicht, sondern überlassen
Sie das ruhig Andern, die es pünktlich und
ebenso gründlich vielleicht schon bis morgen
besorgt haben werden.
Beginn unseres Vertrags Ihnen
und mir herzliche Glückwünsche zum
Ablauf … in (ach)zehn Jahren!?!
Seien Sie gegrüßt, lassen Sie es sich
und mir gutgehen, aber nicht auf meine
Kosten. Sie sehen ich bin in Laune; ver-
derben Sie mir die nicht, sondern überlassen
Sie das ruhig Andern, die es pünktlich und
ebenso gründlich vielleicht schon bis morgen
besorgt haben werden.
Besten Gruß
Arnold Schönberg
das schreibt
Schönberg diktierte den Text
der Harmonielehre einer Schreibkraft,
die zunächst aus dem Verlagsbüro der UE
beigestellt und später durch eine externe Kraft unterstützt
wurde.
viel zu tun
Schönberg strebte die Abhaltung
eines Privatkurses über musiktheoretische Fächer sowie Kompositionslehre
in den Räumen der k. k. Akademie für Musik und
darstellende Kunst in Wien an (Arnold Schönberg an
Akademie für Musik und darstellende Kunst, 21. September 1910; ASCC
7932).
Partitur
Partiturreinschrift, autograph.
Stichvorlage für den Erstdruck (ASGA B 11/2, Quelle B).
kopiert
Schönbergs eigene Kammermusikwerke,
für deren Aufführungen er Stimmen kopierte: Streichquartett D-Dur (UA
1898), Verklärte
Nacht op. 4 (UA 1902). Zu den
Kopiaturarbeiten anderer Komponisten zählte Taillefer op. 52 von
Richard Strauss (Richard
Strauss an Arnold Schönberg, 6. November 1902; ASCC
19582; Richard Strauss an Arnold Schönberg, 25. November 1902;
ASCC 19583, Richard Strauss an Arnold Schönberg, 21. April
1903; ASCC 19585). Weitere Kopiaturarbeiten für das Stern'sche Konservatorium und die Oper Unter den Linden, Berlin, finden in den Briefen von
Richard Strauss an Arnold Schönberg Erwähnung (Richard
Strauss an Arnold Schönberg, 5. November 1902; ASCC
22382); Richard Strauss an Arnold Schönberg, 6. November 1902;
ASCC 19582).
Verehrter Herr Direktor, ich fürchte das wird doch nicht gehen, dass meine Frau
das schreibt1. Wenigstens vorderhand
noch lange nicht. Da müsste ich krank werden; das geht vorläufig viel zu langsam. Ich könnte kaum mehr als 1 (eine)
Seite in der Stunde diktieren. Und da muss ich Sie nun bitten, mir
eventuell eine Schreiberin zu engagieren.
Vielleicht für 5-6 mal in der Woche, aber
so, dass ich nicht unbedingt gebunden bin und immer 5-6 mal diktieren
muss, sondern, dass ich eventuell (, wenn ich einmal müde werde, oder
an einen Punkt komme, wo ich nachdenken muss,) ein bis zwei Tage
aussetzen kann.
Bitte veranlassen Sie das aber sofort. Wenn ich die Ferialmonate nicht
ausnutzen kann ist es unmöglich fertig zu werden; denn im Winter werde ich leider (hoffentlich) viel zu tun2
haben.
Dann: bitte schicken Sie die Kammersymphonie
sofort weg! Deswegen sollte man ja doch nicht eine Aufführungschance
verlieren. Eher noch die Partitur3 verlieren, als eine Aufführung. Partituren habe ich genug. Aber Aufführungen habe ich wenige.
Die Stimmen meines Quartettes gebe ich
jemandem zum Abschreiben, der mich darum ersucht hat. Sehr schöne Schrift,
aber etwas ungeübt und langsam. Vielleicht könnten Sie dem auch etwas
Arbeit zukommen lassen. Er wird Ihnen die Noten (abgeschrieben) bringen. Bitte, wenn Sie mich schon nicht
drucken, dann drücken Sie wenigstens ihn
auch nicht! Meine Noten sind sehr schwer abzuschreiben; ich weiß das
aus eigener Erfahrung, denn ich habe ja selbst in
früheren Jahren kopiert4, wenn ich kein Geld hatte. Und das können Sie nicht so bezalen,
wie Weigl und andre Operetten.
Morgen schicke ich Ihnen die Klavierstücke. Bitte
also: sofort drucken! (Bitte: nicht drücken, Glas!)
Nochmals: Herzliche Glückwünsche zum Beginn unseres Vertrags Ihnen und
mir herzliche Glückwünsche zum Ablauf … in (ach)zehn Jahren!?! Seien
Sie gegrüßt, lassen Sie es sich
und mir gutgehen, aber nicht auf meine
Kosten. Sie sehen ich bin in Laune; verderben Sie mir die nicht, sondern überlassen Sie das ruhig
Andern, die es pünktlich und ebenso gründlich vielleicht schon bis morgen
besorgt haben werden.
Besten Gruß
Arnold Schönberg
das schreibt
Schönberg diktierte den Text
der Harmonielehre einer Schreibkraft,
die zunächst aus dem Verlagsbüro der UE
beigestellt und später durch eine externe Kraft unterstützt
wurde.
viel zu tun
Schönberg strebte die Abhaltung
eines Privatkurses über musiktheoretische Fächer sowie Kompositionslehre
in den Räumen der k. k. Akademie für Musik und
darstellende Kunst in Wien an (Arnold Schönberg an
Akademie für Musik und darstellende Kunst, 21. September 1910; ASCC
7932).
Partitur
Partiturreinschrift, autograph.
Stichvorlage für den Erstdruck (ASGA B 11/2, Quelle B).
kopiert
Schönbergs eigene Kammermusikwerke,
für deren Aufführungen er Stimmen kopierte: Streichquartett D-Dur (UA
1898), Verklärte
Nacht op. 4 (UA 1902). Zu den
Kopiaturarbeiten anderer Komponisten zählte Taillefer op. 52 von
Richard Strauss (Richard
Strauss an Arnold Schönberg, 6. November 1902; ASCC
19582; Richard Strauss an Arnold Schönberg, 25. November 1902;
ASCC 19583, Richard Strauss an Arnold Schönberg, 21. April
1903; ASCC 19585). Weitere Kopiaturarbeiten für das Stern'sche Konservatorium und die Oper Unter den Linden, Berlin, finden in den Briefen von
Richard Strauss an Arnold Schönberg Erwähnung (Richard
Strauss an Arnold Schönberg, 5. November 1902; ASCC
22382); Richard Strauss an Arnold Schönberg, 6. November 1902;
ASCC 19582).
5. Juli 1910 (unsicher)
Datierung laut Eingangsstempel
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 5. Juli 1910, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6908.