Verehrter Herr Direktor, ich fürchte das
wird doch nicht gehen, dass meine Frau das schreibt1.
Wenigstens vorderhand noch lange nicht. Da müsste
ich krank werden; das geht vorläufig viel zu
langsam. Ich könnte kaum mehr als 1 (eine) Seite
in der Stunde diktieren. Und da muss ich Sie
nun bitten, mir eventuell eine Schreiberin
zu engagieren. Vielleicht für 5-6 mal in der
Woche, aber so, dass ich nicht unbedingt
gebunden bin und immer 5-6 mal diktieren
muss, sondern, dass ich eventuell (, wenn ich
einmal müde werde, oder an einen Punkt
komme, wo ich nachdenken muss,) ein bis
zwei Tage aussetzen kann.
Bitte veranlassen Sie das aber sofort. Wenn
ich die Ferialmonate nicht ausnutzen kann ist es
unmöglich fertig zu werden; denn im Winter

werde ich leider (hoffentlich) viel zu tun2
haben.
Dann: bitte schicken Sie die Kammer-
symphonie
sofort weg! Deswegen sollte
man ja doch nicht eine Aufführungschance
verlieren. Eher noch die Partitur3 verlieren,
als eine Aufführung. Partituren habe ich gen[u]g.
Aber Aufführungen habe ich wenige.
Die Stimmen meines Quartettes gebe
ich jemandem zum Abschreiben, der mich darum
ersucht hat. Sehr schöne Schrift, aber etwas
ungeübt und langsam. Vielleicht könnten
Sie dem auch etwas Arbeit zukommen lassen.
Er wird Ihnen die Noten (abgeschriebe[n])
bringen. Bitte, wenn Sie mich schon nicht
drucken, dann drücken Sie wenigstens ihn auch nicht!
Meine Noten sind sehr schwer abzuschreiben;
ich weiß das aus eigener Erfahrung, denn

ich habe ja selbst in früheren Jahren kopiert4,
wenn ich kein Geld hatte. Und das können
Sie nicht so bezalen, wie Weigl und andre
Operetten.
Morgen schicke ich Ihnen die Klavier-
stücke
. Bitte also: sofort drucken! (Bitte:
nicht drücken, Glas!)
Nochmals: Herzliche Glückwünsche zum
Beginn unseres Vertrags Ihnen
und mir herzliche Glückwünsche zum
Ablauf … in (ach)zehn Jahren!?!
Seien Sie gegrüßt, lassen Sie es sich
und mir gutgehen, aber nicht auf meine
Kosten. Sie sehen ich bin in Laune; ver-
derben Sie mir die nicht, sondern überlassen
Sie das ruhig Andern, die es pünktlich und
ebenso gründlich vielleicht schon bis morgen
besorgt haben werden.
Besten Gruß Arnold Schönberg
Verehrter Herr Direktor, ich fürchte das wird doch nicht gehen, dass meine Frau das schreibt1. Wenigstens vorderhand noch lange nicht. Da müsste ich krank werden; das geht vorläufig viel zu langsam. Ich könnte kaum mehr als 1 (eine) Seite in der Stunde diktieren. Und da muss ich Sie nun bitten, mir eventuell eine Schreiberin zu engagieren. Vielleicht für 5-6 mal in der Woche, aber so, dass ich nicht unbedingt gebunden bin und immer 5-6 mal diktieren muss, sondern, dass ich eventuell (, wenn ich einmal müde werde, oder an einen Punkt komme, wo ich nachdenken muss,) ein bis zwei Tage aussetzen kann.
Bitte veranlassen Sie das aber sofort. Wenn ich die Ferialmonate nicht ausnutzen kann ist es unmöglich fertig zu werden; denn im Winter werde ich leider (hoffentlich) viel zu tun2 haben.
Dann: bitte schicken Sie die Kammersymphonie sofort weg! Deswegen sollte man ja doch nicht eine Aufführungschance verlieren. Eher noch die Partitur3 verlieren, als eine Aufführung. Partituren habe ich genug. Aber Aufführungen habe ich wenige.
Die Stimmen meines Quartettes gebe ich jemandem zum Abschreiben, der mich darum ersucht hat. Sehr schöne Schrift, aber etwas ungeübt und langsam. Vielleicht könnten Sie dem auch etwas Arbeit zukommen lassen. Er wird Ihnen die Noten (abgeschrieben) bringen. Bitte, wenn Sie mich schon nicht drucken, dann drücken Sie wenigstens ihn auch nicht! Meine Noten sind sehr schwer abzuschreiben; ich weiß das aus eigener Erfahrung, denn ich habe ja selbst in früheren Jahren kopiert4, wenn ich kein Geld hatte. Und das können Sie nicht so bezalen, wie Weigl und andre Operetten.
Morgen schicke ich Ihnen die Klavierstücke. Bitte also: sofort drucken! (Bitte: nicht drücken, Glas!)
Nochmals: Herzliche Glückwünsche zum Beginn unseres Vertrags Ihnen und mir herzliche Glückwünsche zum Ablauf … in (ach)zehn Jahren!?! Seien Sie gegrüßt, lassen Sie es sich und mir gutgehen, aber nicht auf meine Kosten. Sie sehen ich bin in Laune; verderben Sie mir die nicht, sondern überlassen Sie das ruhig Andern, die es pünktlich und ebenso gründlich vielleicht schon bis morgen besorgt haben werden.
Besten Gruß Arnold Schönberg

5. Juli 1910 (unsicher)


Datierung laut Eingangsstempel

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 5. Juli 1910, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6908.

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