Wien, 26. Juli 1910.
Verehrter Herr Direktor, Frl. Ruppert1 kann morgen
nicht zu mir kommen und ich vermute, dass – wenn
Sie zurückkommen – da auch wieder eine Unter-
brechung eintreten wird. Das geht nicht! Was
ich von der Harmonielehre nicht bis 15. Sept.
fertigbringe2, wird in dieser Saison nicht mehr
fertig, denn im Winter habe ich viel zu tun3.
Ich will auch wieder einmal etwas anderes ma-
chen als immer an dieser Harmonielehre arbeiten;
ich habe seit einem Jahre nichts komponiert und
habe einige grössere Arbeiten4 vor. Ich muss Sie
daran erinnern, dass Sie mir zugesagt haben,
Sie werden mir eine Dame engagieren, die immer für
mich Zeit hat. Durch den Austritt des Frl. Pop-
per
habe ich vier Wochen verloren, früher schon
einige Wochen ohne meine Schuld. So kann ich
nicht vorwärts kommen.
Ich kann in der Woche höchstens 30-40 Seiten dik-
tieren; das Buch wird gering 450 Seiten haben;
jetzt habe ich zka. 130 fertig, bleiber also 320
Seiten. Bis 15. September sind kaum acht Wochen.

Durchschnittlich 35 Seiten gerechnet, gibt
260 Seiten. Da ist immerhin eine Chance, dass ich
bis Ende Oktober fertig werde. Aber wenn ich
unterbrechen muss, ist es unmöglich.
Ich bitte Sie also, veranlassen Sie da aber so
rasch wie möglich etwas. Es handelt sich ja nicht
blos um Sie dabei, sondern auch um mich mit der
Einhaltung des Termines. Denn nicht nur will ich
das Werk heraussen haben, sondern ich will auch
Ordnung in unsere Verrechnung damit bringen.
Also bitte, dringend und so rasch wie möglich.
In Budapest soll mein Quartett aufgeführt werden5.
Dann habe ich an Volkmar Andreae geschrieben6.
Bei Gelegenheit müssen wir auch besprechen, wel-
chen Anteil ich von der Bearbeitung Busonis bekom-
me. Denn das geht doch wohl nicht, dass er das
allein einsteckt.
Wien, 26. Juli 1910.
Verehrter Herr Direktor, Frl. Ruppert1 kann morgen nicht zu mir kommen und ich vermute, dass – wenn Sie zurückkommen – da auch wieder eine Unterbrechung eintreten wird. Das geht nicht! Was ich von der Harmonielehre nicht bis 15. Sept. fertigbringe2, wird in dieser Saison nicht mehr fertig, denn im Winter habe ich viel zu tun3. Ich will auch wieder einmal etwas anderes machen als immer an dieser Harmonielehre arbeiten; ich habe seit einem Jahre nichts komponiert und habe einige grössere Arbeiten4 vor. Ich muss Sie daran erinnern, dass Sie mir zugesagt haben, Sie werden mir eine Dame engagieren, die immer für mich Zeit hat. Durch den Austritt des Frl. Popper habe ich vier Wochen verloren, früher schon einige Wochen ohne meine Schuld. So kann ich nicht vorwärts kommen.
Ich kann in der Woche höchstens 30-40 Seiten diktieren; das Buch wird gering 450 Seiten haben; jetzt habe ich zka. 130 fertig, bleiber also 320 Seiten. Bis 15. September sind kaum acht Wochen. Durchschnittlich 35 Seiten gerechnet, gibt 260 Seiten. Da ist immerhin eine Chance, dass ich bis Ende Oktober fertig werde. Aber wenn ich unterbrechen muss, ist es unmöglich.
Ich bitte Sie also, veranlassen Sie da aber so rasch wie möglich etwas. Es handelt sich ja nicht blos um Sie dabei, sondern auch um mich mit der Einhaltung des Termines. Denn nicht nur will ich das Werk heraussen haben, sondern ich will auch Ordnung in unsere Verrechnung damit bringen.
Also bitte, dringend und so rasch wie möglich. In Budapest soll mein Quartett aufgeführt werden5. Dann habe ich an Volkmar Andreae geschrieben6.
Bei Gelegenheit müssen wir auch besprechen, welchen Anteil ich von der Bearbeitung Busonis bekomme. Denn das geht doch wohl nicht, dass er das allein einsteckt.

26. Juli 1910


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 26. Juli 1910, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6911.

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