Arnold Schönberg an Universal-Edition
30. Dezember 1911
[3]0/12. 1911
Lieber Herr Direktor Herzka, diese Fragen
hatte ich übersehen: 1) nach den Korrekturen
meines Quartetts. Die hatte ich sofort erledigt, nachdem Sie
mir davon geschrieben haben. Hoffentlich hatwurde der Druck dadurch nicht
verzögert. 2) Paris Gütersloh, dem ich Sie bat ein Exemplar
meiner Harmonielehre zu schicken, ist ein Maler und Schriftsteller,
ein mir nahestehender Künstler1, der nicht Geld hat, mein Buch zu
k[auf]en, es aber doch besitzen soll. Bitte senden Sie es ihm.
3.) Ich bin noch lange nicht entschlossen den Schurken von der
Wage2 zu pardonnieren! Ich kann dabei wohl nicht auf die
U. E. Rücksicht nehmen. Umsomehr, als ich ihr ja nicht schade!!!
hatte ich übersehen: 1) nach den Korrekturen
meines Quartetts. Die hatte ich sofort erledigt, nachdem Sie
mir davon geschrieben haben. Hoffentlich hatwurde der Druck dadurch nicht
verzögert. 2) Paris Gütersloh, dem ich Sie bat ein Exemplar
meiner Harmonielehre zu schicken, ist ein Maler und Schriftsteller,
ein mir nahestehender Künstler1, der nicht Geld hat, mein Buch zu
k[auf]en, es aber doch besitzen soll. Bitte senden Sie es ihm.
3.) Ich bin noch lange nicht entschlossen den Schurken von der
Wage2 zu pardonnieren! Ich kann dabei wohl nicht auf die
U. E. Rücksicht nehmen. Umsomehr, als ich ihr ja nicht schade!!!
Nun frage ich auch noch etwas und bitte um Antwort:
- 1.) Zeigt sich schon etwas, ob meine Harmonielehre geht?
- 2.) Welche Resultate wissen Sie bis jetzt?
- 3.) Sind schon Rezensionen darüber
erschienen? Senden Sie
mir sie.
Mit herzlichen Glückwünschen fürs neue Jahr Ihr
Arnold Schönberg
nahestehender Künstler
Ende 1911 wurde Schönberg durch Albert
Paris Gütersloh eingeladen, eine Auswahl seiner
Gemälde im Verband der Neukunst-Gruppe im Künstlerhaus in Budapest auszustellen. Für die
Hommage-Publikation „Arnold Schönberg“ verfasste Gütersloh einen Beitrag über das
bildnerische Werk (Gütersloh 1912; Exemplar aus dem Schönberg-Nachlass; BOOK
A35).
Schurken von der Wage
Die
Wage 1911. Der Artikel lobt überschwänglich die Verdienste
der UE, die seit ihrer Gründung das
österreichische Musikverlagswesen wiederbelebt habe und
mustergültige Ausgaben herausbringe. Er lobt auch Emil Hertzka für die Förderung der
„Jungen und Jüngsten […] sogar der Allerjüngsten und
Allerunbotmäßigsten“, kritisiert aber in antisemitischer
Diktion die Vernachlässigung des „deutschen Charakters“.
Der Autor stellt den „Wiener Ultramodernen und
Übersezessionisten“ „Vertreter der gesunden
Richtung“ gegenüber. Als Beispiel zieht er Schönbergs jüngst erschienene Harmonielehre heran: „Die
Harmonielehre […] wird gewiß
eine Zeit lang Sensation erregen. Aber eines Tages wird sie nur mehr
eine Kuriosität sein und das klassische Werk von Robert Mayrhofer […] das heute noch
kaum beachtet wird, das manche seltsam, aber eher langweilig, als
sensationell finden, wird dann eben klassisch sein und jedermann
wird daraus gelernt haben, weshalb Schönberg im Unrecht war. Dann wird Mayrhofer ‚gehen‘ und
Schönberg vielleicht
Ladenhüter sein“ Schönberg kommentierte sein Exemplar des Aufsatzes:
„Die erste Reaction über die Harmonielehre. Offenbar noch vor dem Erscheinen
geschrieben. Der Autor ist offenbar der Schuft Milenkovich“ Exemplar aus dem
Schönberg-Nachlass; T83.06) .
30/12. 1911
Lieber Herr Direktor Herzka, diese Fragen hatte ich übersehen: 1) nach den
Korrekturen meines Quartetts. Die hatte ich
sofort erledigt, nachdem Sie mir davon
geschrieben haben. Hoffentlich wurde der Druck dadurch nicht verzögert. 2) Paris Gütersloh, dem ich Sie bat ein
Exemplar meiner Harmonielehre zu
schicken, ist ein Maler und Schriftsteller, ein mir nahestehender Künstler1, der nicht Geld hat, mein Buch zu kaufen, es aber doch besitzen soll. Bitte senden Sie es
ihm.
3.) Ich bin noch lange nicht entschlossen den Schurken von der Wage2 zu pardonnieren! Ich
kann dabei wohl nicht auf die U. E. Rücksicht nehmen. Umsomehr, als ich ihr ja nicht schade!!!
Nun frage ich auch noch etwas und bitte um Antwort:
- 1.) Zeigt sich schon etwas, ob meine Harmonielehre geht?
- 2.) Welche Resultate wissen Sie bis jetzt?
- 3.) Sind schon Rezensionen darüber erschienen? Senden Sie mir sie.
Mit herzlichen Glückwünschen fürs neue Jahr Ihr
Arnold Schönberg
nahestehender Künstler
Ende 1911 wurde Schönberg durch Albert
Paris Gütersloh eingeladen, eine Auswahl seiner
Gemälde im Verband der Neukunst-Gruppe im Künstlerhaus in Budapest auszustellen. Für die
Hommage-Publikation „Arnold Schönberg“ verfasste Gütersloh einen Beitrag über das
bildnerische Werk (Gütersloh 1912; Exemplar aus dem Schönberg-Nachlass; BOOK
A35).
Schurken von der Wage
Die
Wage 1911. Der Artikel lobt überschwänglich die Verdienste
der UE, die seit ihrer Gründung das
österreichische Musikverlagswesen wiederbelebt habe und
mustergültige Ausgaben herausbringe. Er lobt auch Emil Hertzka für die Förderung der
„Jungen und Jüngsten […] sogar der Allerjüngsten und
Allerunbotmäßigsten“, kritisiert aber in antisemitischer
Diktion die Vernachlässigung des „deutschen Charakters“.
Der Autor stellt den „Wiener Ultramodernen und
Übersezessionisten“ „Vertreter der gesunden
Richtung“ gegenüber. Als Beispiel zieht er Schönbergs jüngst erschienene Harmonielehre heran: „Die
Harmonielehre […] wird gewiß
eine Zeit lang Sensation erregen. Aber eines Tages wird sie nur mehr
eine Kuriosität sein und das klassische Werk von Robert Mayrhofer […] das heute noch
kaum beachtet wird, das manche seltsam, aber eher langweilig, als
sensationell finden, wird dann eben klassisch sein und jedermann
wird daraus gelernt haben, weshalb Schönberg im Unrecht war. Dann wird Mayrhofer ‚gehen‘ und
Schönberg vielleicht
Ladenhüter sein“ Schönberg kommentierte sein Exemplar des Aufsatzes:
„Die erste Reaction über die Harmonielehre. Offenbar noch vor dem Erscheinen
geschrieben. Der Autor ist offenbar der Schuft Milenkovich“ Exemplar aus dem
Schönberg-Nachlass; T83.06) .
30. Dezember 1911
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Kartenbrief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 30. Dezember 1911, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6964.