Arnold Schönberg an Universal-Edition
28. Oktober 1912
Herrn Direktor Emil Herzka
Wien I
Lieber Herr Direktor, ich bin von 1.–4 November in Wien.
I[ch] will Sie gleich aufsuchen und werde Ihnen telefonieren.
Wahrscheinlich am 1. Nachmittags. Können wir uns eventuell
am Abend sehen? Berg weiß alles Nähere1 darüber. –
– Ich brauche sehr dringend Klavierauszüge der Gurrelieder.
Oder doch Partien! Lassen Sie die einzelnen Partien erst
einzeln herausgeben. Ich brauche die Tenor u die Recitations-
Partie. Was ist denn damit? Kommt es nicht endlich?
Fahren Sie doch einmal mit einem Donnerwetter drein!
I[ch] will Sie gleich aufsuchen und werde Ihnen telefonieren.
Wahrscheinlich am 1. Nachmittags. Können wir uns eventuell
am Abend sehen? Berg weiß alles Nähere1 darüber. –
– Ich brauche sehr dringend Klavierauszüge der Gurrelieder.
Oder doch Partien! Lassen Sie die einzelnen Partien erst
einzeln herausgeben. Ich brauche die Tenor u die Recitations-
Partie. Was ist denn damit? Kommt es nicht endlich?
Fahren Sie doch einmal mit einem Donnerwetter drein!
Herzl Grüße und auf Wiedersehn Ihr
Arnold Schönberg
Pelleas Stimmen und Melodram2 habe ich erhalten! Ihr Exemplar3
vom Melodram ist unbrauchbar!! Wimmelt von Fehlern. Ich werde
al[so h]ier selbst davon 2 Abschriften machen lassen, wenn Sie ein-
verstanden sind. Kammersinfoniestimmen4 werden benötigt für 23/II, wo
ich in Wien (Akadem. Verb) diese und Pelleas dirigiere5.
vom Melodram ist unbrauchbar!! Wimmelt von Fehlern. Ich werde
al[so h]ier selbst davon 2 Abschriften machen lassen, wenn Sie ein-
verstanden sind. Kammersinfoniestimmen4 werden benötigt für 23/II, wo
ich in Wien (Akadem. Verb) diese und Pelleas dirigiere5.
Berg weiß alles Nähere
Arnold Schönberg an Alban
Berg, 27. Oktober 1912 (ASCC
6173); Alban Berg an Arnold Schönberg, 29. Oktober 1912
(ASCC 19806).
Melodram
Klavierauszug des
Monodrams Erwartung op. 17 (Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22.
Oktober 1912).
Exemplar
Verlagsniederschrift eines
weiteren Klavierauszugs, verschollen (ASGA B 6/2, Quelle N*).
Kammersinfoniestimmen
Gedruckte Stimmen zum Erstdruck,
Lieferdatum: 20. Februar 1913 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 666).
dirigiere
Die Planung begann im April 1912 mit der
Bestellung von Alban Berg zum
Berater des Akademischen Verbands für
Literatur und Musik unter der Leitung des neuen
Obmanns Erhard Buschbeck (Alban Berg an Arnold Schönberg, 23. April
1912; ASCC 19767). Im Herbst 1912
wandte sich zudem Richard
Specht mit der Idee an Schönberg „im ersten Merkerkonzert, das
voraussichtlich im November stattfinden wird, […] Ihre Kammersymphonie oder – eventuell! –
‚Pelleas und
Melisande‘?! zu neuer Geltung zu bringen“ (Richard
Specht an Arnold Schönberg, 24. September 1912; ASCC 14265). Beide Unternehmungen ließen sich aufgrund
mangelnder Saal- und Orchesterkapazitäten im November 1912 nicht realisieren. Im Dezember 1912 entschied Schönberg, von einer reinen Schönberg-Aufführung abzugehen und
andere Werke – insbesondere Anton Webern,
Sechs Stücke für großes Orchester op. 6 – zu
programmieren, um „die Aufmerksamkeit des Publikums auf mein
Dirigieren zu lenken“ (Arnold Schönberg an Erhard Buschbeck, 13.
Dezember 1912; ASCC 7685). Mehrere in Aussicht genommene Termine konnten
nicht realisiert werden. Am zunächst angepeilten 23. Februar 1913 fand schließlich die
Uraufführung der Gurre-Lieder statt:
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor.
Im Fall des 8. Jänner 1913
beschuldigte Buschbeck u. a. Emil
Hertzka der Hintertreibung, „daß der Verleger der
Werke die Aufführung – unter der Leitung des Komponisten –
hintertreibt, ist doch immerhin selbst für Wiener Verhältnisse etwas Neues und
Merkwürdiges“ (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg 18. Dezember
1912; ASCC 10368). Aus Arnold Schönberg an Alban Berg, 7.
Jänner 1913 (ASCC 309), geht die Programmplanung mit Werken von
Webern, Berg, Schönberg und Gustav
Mahler hervor; im März
erfolgt die letztendliche Disposition durch Einbezug eines Zemlinskys-Werks (Arnold Schönberg an
Alexander Zemlinsky 8. März 1913; ASCC 324) sowie die Festlegung von Proben und
Aufführungstermin (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg, 17. März
1913; ASCC 10370).
Lieber Herr Direktor, ich bin von 1.–4 November in Wien. Ich
will Sie gleich aufsuchen und werde Ihnen telefonieren. Wahrscheinlich am
1. Nachmittags. Können wir uns eventuell
am Abend sehen? Berg weiß alles Nähere1 darüber. – – Ich brauche sehr
dringend Klavierauszüge der Gurrelieder.
Oder doch Partien! Lassen Sie die einzelnen Partien erst einzeln
herausgeben. Ich brauche die Tenor u die Recitations-Partie. Was
ist denn damit? Kommt es nicht endlich? Fahren Sie doch einmal mit einem
Donnerwetter drein!
Herzl Grüße und auf Wiedersehn Ihr
Arnold Schönberg
Pelleas Stimmen und Melodram2 habe ich erhalten! Ihr Exemplar3
vom Melodram ist unbrauchbar!! Wimmelt von Fehlern. Ich werde
also hier selbst davon 2
Abschriften machen lassen, wenn Sie einverstanden sind. Kammersinfoniestimmen4 werden benötigt für 23/II, wo ich
in Wien (Akadem. Verb) diese und Pelleas
dirigiere5.
Berg weiß alles Nähere
Arnold Schönberg an Alban
Berg, 27. Oktober 1912 (ASCC
6173); Alban Berg an Arnold Schönberg, 29. Oktober 1912
(ASCC 19806).
Melodram
Klavierauszug des
Monodrams Erwartung op. 17 (Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22.
Oktober 1912).
Exemplar
Verlagsniederschrift eines
weiteren Klavierauszugs, verschollen (ASGA B 6/2, Quelle N*).
Kammersinfoniestimmen
Gedruckte Stimmen zum Erstdruck,
Lieferdatum: 20. Februar 1913 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 666).
dirigiere
Die Planung begann im April 1912 mit der
Bestellung von Alban Berg zum
Berater des Akademischen Verbands für
Literatur und Musik unter der Leitung des neuen
Obmanns Erhard Buschbeck (Alban Berg an Arnold Schönberg, 23. April
1912; ASCC 19767). Im Herbst 1912
wandte sich zudem Richard
Specht mit der Idee an Schönberg „im ersten Merkerkonzert, das
voraussichtlich im November stattfinden wird, […] Ihre Kammersymphonie oder – eventuell! –
‚Pelleas und
Melisande‘?! zu neuer Geltung zu bringen“ (Richard
Specht an Arnold Schönberg, 24. September 1912; ASCC 14265). Beide Unternehmungen ließen sich aufgrund
mangelnder Saal- und Orchesterkapazitäten im November 1912 nicht realisieren. Im Dezember 1912 entschied Schönberg, von einer reinen Schönberg-Aufführung abzugehen und
andere Werke – insbesondere Anton Webern,
Sechs Stücke für großes Orchester op. 6 – zu
programmieren, um „die Aufmerksamkeit des Publikums auf mein
Dirigieren zu lenken“ (Arnold Schönberg an Erhard Buschbeck, 13.
Dezember 1912; ASCC 7685). Mehrere in Aussicht genommene Termine konnten
nicht realisiert werden. Am zunächst angepeilten 23. Februar 1913 fand schließlich die
Uraufführung der Gurre-Lieder statt:
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor.
Im Fall des 8. Jänner 1913
beschuldigte Buschbeck u. a. Emil
Hertzka der Hintertreibung, „daß der Verleger der
Werke die Aufführung – unter der Leitung des Komponisten –
hintertreibt, ist doch immerhin selbst für Wiener Verhältnisse etwas Neues und
Merkwürdiges“ (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg 18. Dezember
1912; ASCC 10368). Aus Arnold Schönberg an Alban Berg, 7.
Jänner 1913 (ASCC 309), geht die Programmplanung mit Werken von
Webern, Berg, Schönberg und Gustav
Mahler hervor; im März
erfolgt die letztendliche Disposition durch Einbezug eines Zemlinskys-Werks (Arnold Schönberg an
Alexander Zemlinsky 8. März 1913; ASCC 324) sowie die Festlegung von Proben und
Aufführungstermin (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg, 17. März
1913; ASCC 10370).
28. Oktober 1912 (unsicher)
Datierung laut Poststempel
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Postkarte
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 28. Oktober 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.7011.