Arnold Schönberg an Universal-Edition
22. Oktober 1912
Lieber Herr Direktor, ich brauche dringend den Auszug1
desmeines
Monodrams „Erwartung“ den Sie seinerzeit kopieren lassen
wollten. Klemperer müsste ihn haben. Er denkt an eine Auf-
führung in Hamburg. Sollte er noch nicht kopiert sein, so bitte
senden Sie ihn so und lassen Sie mir sagen, ob ich ihn eventuell
hier kopieren lassen soll. – Ferner: ich werde wahrscheinlich
für eine geplante Aufführung2 der Kammersynphonie (die mit
vielfach besetzten Streichern) Dubletten der Streicherstimmen brauchen.
Sollen die kopiert werden, oder denken Sie daran, das Material
der Kammers. zu drucken3? Soll ich sie eventuell hier in Ar-
beit geben? – Was denken Sie von Pierrot? – In Hamburg4
ha[tte]n wir bei mäßigem Besuch, sehr warmen Erfolg! – Aber
es war jedenfalls ungeschickt von Gutmann nach Berlin5 Hamburg
Monodrams „Erwartung“ den Sie seinerzeit kopieren lassen
wollten. Klemperer müsste ihn haben. Er denkt an eine Auf-
führung in Hamburg. Sollte er noch nicht kopiert sein, so bitte
senden Sie ihn so und lassen Sie mir sagen, ob ich ihn eventuell
hier kopieren lassen soll. – Ferner: ich werde wahrscheinlich
für eine geplante Aufführung2 der Kammersynphonie (die mit
vielfach besetzten Streichern) Dubletten der Streicherstimmen brauchen.
Sollen die kopiert werden, oder denken Sie daran, das Material
der Kammers. zu drucken3? Soll ich sie eventuell hier in Ar-
beit geben? – Was denken Sie von Pierrot? – In Hamburg4
ha[tte]n wir bei mäßigem Besuch, sehr warmen Erfolg! – Aber
es war jedenfalls ungeschickt von Gutmann nach Berlin5 Hamburg
Auszug
Reinschrift des Klavierauszugs,
autograph (ASGA B 6/2, Quelle L) oder Reinschrift eines weiteren
Klavierauszugs, verschollen (ASGA B 6/2, Quelle
M*).
geplante Aufführung
Die Planung begann im April 1912 mit der
Bestellung von Alban Berg zum
Berater des Akademischen Verbands für
Literatur und Musik unter der Leitung des neuen
Obmanns Erhard Buschbeck (Alban Berg an Arnold Schönberg, 23. April
1912; ASCC 19767). Im Herbst 1912
wandte sich zudem Richard
Specht mit der Idee an Schönberg „im ersten Merkerkonzert, das
voraussichtlich im November stattfinden wird, […] Ihre Kammersymphonie oder – eventuell! –
‚Pelleas und
Melisande‘?! zu neuer Geltung zu bringen“ (Richard
Specht an Arnold Schönberg, 24. September 1912; ASCC 14265). Beide Unternehmungen ließen sich aufgrund
mangelnder Saal- und Orchesterkapazitäten im November 1912 nicht realisieren. Im Dezember 1912 entschied Schönberg, von einer reinen Schönberg-Aufführung abzugehen und
andere Werke – insbesondere Anton Webern,
Sechs Stücke für großes Orchester op. 6 – zu
programmieren, um „die Aufmerksamkeit des Publikums auf mein
Dirigieren zu lenken“ (Arnold Schönberg an Erhard Buschbeck, 13.
Dezember 1912; ASCC 7685). Mehrere in Aussicht genommene Termine konnten
nicht realisiert werden. Am zunächst angepeilten 23. Februar 1913 fand schließlich die
Uraufführung der Gurre-Lieder statt:
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor.
Im Fall des 8. Jänner 1913
beschuldigte Buschbeck u. a. Emil
Hertzka der Hintertreibung, „daß der Verleger der
Werke die Aufführung – unter der Leitung des Komponisten –
hintertreibt, ist doch immerhin selbst für Wiener Verhältnisse etwas Neues und
Merkwürdiges“ (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg 18. Dezember
1912; ASCC 10368). Aus Arnold Schönberg an Alban Berg, 7.
Jänner 1913 (ASCC 309), geht die Programmplanung mit Werken von
Webern, Berg, Schönberg und Gustav
Mahler hervor; im März
erfolgt die letztendliche Disposition durch Einbezug eines Zemlinskys-Werks (Arnold Schönberg an
Alexander Zemlinsky 8. März 1913; ASCC 324) sowie die Festlegung von Proben und
Aufführungstermin (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg, 17. März
1913; ASCC 10370).
drucken
Gedruckte Stimmen zum Erstdruck,
Lieferdatum: 20. Februar 1913 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 666).
Hamburg
Berlin
Stettin
Abgesagt (Anton Webern an
Arnold Schönberg, 23. Oktober 1912; ASCC 21950)
.
Wien
München
Gurre
Liedern
Lieferdatum: 8. November 1912, Auflage: 500 (Buchon 2015, Bd.
5, S. 660).
Lieber Herr Direktor, ich brauche dringend den Auszug1
meines
Monodrams „Erwartung“ den Sie seinerzeit
kopieren lassen wollten. Klemperer
müsste ihn haben. Er denkt an eine Aufführung in Hamburg.
Sollte er noch nicht kopiert sein, so bitte senden Sie ihn so und lassen Sie mir sagen, ob ich ihn eventuell
hier kopieren lassen soll. – Ferner: ich werde wahrscheinlich für eine
geplante Aufführung2 der Kammersynphonie ( mit vielfach besetzten Streichern) Dubletten der
Streicherstimmen brauchen. Sollen die kopiert werden, oder denken Sie
daran, das Material der Kammers. zu drucken3? Soll ich sie eventuell hier in Arbeit geben? – Was denken Sie von Pierrot? – In Hamburg4
hatten wir bei mäßigem Besuch, sehr warmen
Erfolg! – Aber es war jedenfalls ungeschickt von Gutmann nach Berlin5
Hamburg
und Stettin6 anzusetzen, statt zuerst Wien7, München8 etc. zu nehmen!
Immerhin bin ich nicht unzufrieden. – Bitte um umgehende Antwort. –
Was ist mit den Gurre
Liedern9? – Halt: und das Pelleas
Material?? Das ist ja so dringend!
Auszug
Reinschrift des Klavierauszugs,
autograph (ASGA B 6/2, Quelle L) oder Reinschrift eines weiteren
Klavierauszugs, verschollen (ASGA B 6/2, Quelle
M*).
geplante Aufführung
Die Planung begann im April 1912 mit der
Bestellung von Alban Berg zum
Berater des Akademischen Verbands für
Literatur und Musik unter der Leitung des neuen
Obmanns Erhard Buschbeck (Alban Berg an Arnold Schönberg, 23. April
1912; ASCC 19767). Im Herbst 1912
wandte sich zudem Richard
Specht mit der Idee an Schönberg „im ersten Merkerkonzert, das
voraussichtlich im November stattfinden wird, […] Ihre Kammersymphonie oder – eventuell! –
‚Pelleas und
Melisande‘?! zu neuer Geltung zu bringen“ (Richard
Specht an Arnold Schönberg, 24. September 1912; ASCC 14265). Beide Unternehmungen ließen sich aufgrund
mangelnder Saal- und Orchesterkapazitäten im November 1912 nicht realisieren. Im Dezember 1912 entschied Schönberg, von einer reinen Schönberg-Aufführung abzugehen und
andere Werke – insbesondere Anton Webern,
Sechs Stücke für großes Orchester op. 6 – zu
programmieren, um „die Aufmerksamkeit des Publikums auf mein
Dirigieren zu lenken“ (Arnold Schönberg an Erhard Buschbeck, 13.
Dezember 1912; ASCC 7685). Mehrere in Aussicht genommene Termine konnten
nicht realisiert werden. Am zunächst angepeilten 23. Februar 1913 fand schließlich die
Uraufführung der Gurre-Lieder statt:
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor.
Im Fall des 8. Jänner 1913
beschuldigte Buschbeck u. a. Emil
Hertzka der Hintertreibung, „daß der Verleger der
Werke die Aufführung – unter der Leitung des Komponisten –
hintertreibt, ist doch immerhin selbst für Wiener Verhältnisse etwas Neues und
Merkwürdiges“ (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg 18. Dezember
1912; ASCC 10368). Aus Arnold Schönberg an Alban Berg, 7.
Jänner 1913 (ASCC 309), geht die Programmplanung mit Werken von
Webern, Berg, Schönberg und Gustav
Mahler hervor; im März
erfolgt die letztendliche Disposition durch Einbezug eines Zemlinskys-Werks (Arnold Schönberg an
Alexander Zemlinsky 8. März 1913; ASCC 324) sowie die Festlegung von Proben und
Aufführungstermin (Erhard Buschbeck an Arnold Schönberg, 17. März
1913; ASCC 10370).
drucken
Gedruckte Stimmen zum Erstdruck,
Lieferdatum: 20. Februar 1913 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 666).
Hamburg
Berlin
Stettin
Abgesagt (Anton Webern an
Arnold Schönberg, 23. Oktober 1912; ASCC 21950)
.
Wien
München
Gurre
Liedern
Lieferdatum: 8. November 1912, Auflage: 500 (Buchon 2015, Bd.
5, S. 660).
22. Oktober 1912 (unsicher)
Datierung laut Poststempel
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Postkarte
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 22. Oktober 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.7010.