24. Oktober 1921
Lieber Herr Direktor, ich muss Ihnen schleunigst Mitteilung machen von
einer großen Ueberraschung:
Alban Berg hat mir vorgestern seine fertige Oper „Woyzek
gezeigt.
Ich habe nun allerdings als sicher angenommen, dass Berg etwas
talentvolles zusammenbringt, aber doch meine großen Zweifel gehabt,
ob er etwas wirklich theatermässiges zustande bringt.
Und das ist nun die große Ueberraschung:
Das ist eine Oper!! (eine echte Theatermusik![)]
Technisch nicht leicht, aber durchaus ausführbar; kaum so schwer, wie
Schreker.
Nun möchte ich Ihnen einen Rat geben und Sie vorher daran erinnern,
dass ich Ihnen schon öfters gut geraten habe, z. Bsp. als ich Ihnen, noch ehe
Sie mit Schreker abgeschlossen hatten, seinen großen Erfolg vorausgesagt
habe:
1) Schließen Sie schleunigst einen Vertrag mit Berg.
2) Geben Sie ihm einen Vorschuss, damit er 5–6 Monate
[ni]chts anderes zu tun braucht als zu instrumentieren.
3) Schicken Sie ihn sofort nach Frankfurt zu Lert, welcher ihnen,
ohne dass Berg weiß, woher er von der Oper erfahren hat, schon jetzt auf-
gefordert hat, die Oper in Frankfurt vorzuspielen.
Das Interesse für den Stoff ist augenblicklich sehr groß. Ich
bin sicher, dass das vor Allem ein bedeutender Theater-Erfolg wird
(obwohl die Musik gut ist!) Ich habe einen ausgezeichneten
Eindruck davon bekommen. Da sitzt alles so tadellos, als ob
Berg nie etwas anderes geschrieben hätte, als Theater-Musik.
Ich bleibe noch hier, um zu arbeiten; mache Fortschritte
und hoffe bald zu[r] Harmonielehre zu gelangen.
Viele herzl. Grüße Ihr Arnold Schönberg
P. S. Eine sehr dringende Frage: ich muss mir ein neues

Notenpapier (für Jakobsleiter und anderes) machen lassen.
1) Könnten Sie recht bald kalkulieren lassen, wie teuer das kommt
2) Wenn Sie das Papier praktisch finden, könnten Sie es nicht selbst
in Verlag nehmen? (Schreker und Bittner werden begeistert sein!) Es käme
ja bei einer größeren Auflage viel billiger.
3) Können Sie mir Papiermuster senden lassen.
Die Bedingungen für das Papier sind folgende
  • 1) Raster für 24 und 32 Zeilen sende ich in einiger Zeit ein.
  • 2) Größe etwa 42 x 37 cm
  • 3) Allerbestes starkes radierfähiges Papier; es muss wesent-
    lich besser sein, als das Eberle-Papier im Frieden war. Man plagt
    sich mit der Reinschrift oder wird durch schlechtes Papier sehr gehindert; verliert
    Zeit, hat Mühe und bringt nichts anständiges heraus.
  • 4) Preis ist (beinahe) Nebensache (natürlich nur beinahe!)
    Aber ein wirklich gutes Papier bezalt jeder gern!
Bitte um rascheste Einholung von Offerten.
24. Oktober 1921
Lieber Herr Direktor, ich muss Ihnen schleunigst Mitteilung machen von einer großen Ueberraschung:
Alban Berg hat mir vorgestern seine fertige Oper „Woyzek“ gezeigt.
Ich habe nun allerdings als sicher angenommen, dass Berg etwas talentvolles zusammenbringt, aber doch meine großen Zweifel gehabt, ob er etwas wirklich theatermässiges zustande bringt.
Und das ist nun die große Ueberraschung:
Das ist eine Oper!! (eine echte Theatermusik!)
Technisch nicht leicht, aber durchaus ausführbar; kaum so schwer, wie Schreker.
Nun möchte ich Ihnen einen Rat geben und Sie vorher daran erinnern, dass ich Ihnen schon öfters gut geraten habe, z. Bsp. als ich Ihnen, noch ehe Sie mit Schreker abgeschlossen hatten, seinen großen Erfolg vorausgesagt habe:
1) Schließen Sie schleunigst einen Vertrag mit Berg.
2) Geben Sie ihm einen Vorschuss, damit er 5–6 Monate nichts anderes zu tun braucht als zu instrumentieren.
3) Schicken Sie ihn sofort nach Frankfurt zu Lert, welcher ihn, ohne dass Berg weiß, woher er von der Oper erfahren hat, schon jetzt aufgefordert hat, die Oper in Frankfurt vorzuspielen.
Das Interesse für den Stoff ist augenblicklich sehr groß. Ich bin sicher, dass das vor Allem ein bedeutender Theater-Erfolg wird (obwohl die Musik gut ist!) Ich habe einen ausgezeichneten Eindruck davon bekommen. Da sitzt alles so tadellos, als ob Berg nie etwas anderes geschrieben hätte, als Theater-Musik.
Ich bleibe noch hier, um zu arbeiten; mache Fortschritte und hoffe bald zur Harmonielehre zu gelangen.
Viele herzl. Grüße Ihr Arnold Schönberg
P. S. Eine sehr dringende Frage: ich muss mir ein neues Notenpapier (für Jakobsleiter und anderes) machen lassen.
1) Könnten Sie recht bald kalkulieren lassen, wie teuer das kommt
2) Wenn Sie das Papier praktisch finden, könnten Sie es nicht selbst in Verlag nehmen? (Schreker und Bittner werden begeistert sein!) Es käme ja bei einer größeren Auflage viel billiger.
3) Können Sie mir Papiermuster senden lassen.
Die Bedingungen für das Papier sind folgende
  • 1) Raster für 24 und 32 Zeilen sende ich in einiger Zeit ein.
  • 2) Größe etwa 42 x 37 cm
  • 3) Allerbestes starkes radierfähiges Papier; es muss wesentlich besser sein, als das Eberle-Papier im Frieden war. Man plagt sich mit der Reinschrift oder wird durch schlechtes Papier sehr gehindert; verliert Zeit, hat Mühe und bringt nichts anständiges heraus.
  • 4) Preis ist (beinahe) Nebensache (natürlich nur beinahe!) Aber ein wirklich gutes Papier bezalt jeder gern!
Bitte um rascheste Einholung von Offerten.

24. Oktober 1921

27. Oktober 1921

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 24. Oktober 1921, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.7058.

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