Arnold Schönberg an Universal-Edition
31. Oktober 1922
Mödling
31. Oktober 1922
Lieber Herr Direktor, ich bin wirklich nicht imstande mir
[so rasc]h auszudenken, ob ich dazu berechtigt bin irgendetwas von Tischer zu fordern: d. h.
[i]m Sinne der Gerechtigkeit, wie ich sie auffasse, wo man Vorteile nur hat, die einem wirklich
[ge]bühren. Deshalb kann ich eine Entscheidung heute nicht sagen. Auf mein Recht werde ich im Falle dieses
groben und gemeinen Betrügers dagegen auf unbedingt nicht verzichten. Der hat mich wirklich zu schwer
gereizt. Ich sage Ihnen also folgendes: Ich werde unbedingt fordern, was mein Recht ist, aber nichts,
was auch nur im kleinsten den höchsten moralischen Anforderungen nicht entspricht. Wenn Sie also
glauben, dass ich das nicht zu fordern habe, so können Sie Tischers Bedingungen ja annehmen.
Nicht verschweigen will ich Ihnen, dass ich auf dem Standpunkt weiter stehe, dass zwischen mir
und Tischer (ebenso wie „Dreililien“) kein Vertrag mehr besteht. Ich werde den ganzen Rechts-
fall demnächst veröffentlichen1 und dabei mitteilen, dass die betreffenden Werke bei mir
einstweilen in schönen Abschriften (mit Namenszug) zu haben sind. Sie werden sich also
[even]tuell auch mit mir auseinanderzusetzen haben (was dann allerdings weniger schwierig
sein wird). Jedenfalls kann ich aber vorläufig auf kein Recht verzichten, das sich durch
meinen guten Schachzug für mich ergiebt; während Sie sich darauf verlassen können, dass
ich nur Ordnung und Gerechtigkeit will, dass wir uns also einigen werden, sofern Sie
mir dies zugestehen. – Frau Hartleben: Wenn Sie sich in Not befindet, so würde ich ihr
gerne von den Pierrot-Erträgnissen doch etwas zuwenden2. Wären Sie eventuell auch dazu bereit? –
Ich komme bald zu Ihnen, um wegen Becker zu sprechen.
[so rasc]h auszudenken, ob ich dazu berechtigt bin irgendetwas von Tischer zu fordern: d. h.
[i]m Sinne der Gerechtigkeit, wie ich sie auffasse, wo man Vorteile nur hat, die einem wirklich
[ge]bühren. Deshalb kann ich eine Entscheidung heute nicht sagen. Auf mein Recht werde ich im Falle dieses
groben und gemeinen Betrügers dagegen auf unbedingt nicht verzichten. Der hat mich wirklich zu schwer
gereizt. Ich sage Ihnen also folgendes: Ich werde unbedingt fordern, was mein Recht ist, aber nichts,
was auch nur im kleinsten den höchsten moralischen Anforderungen nicht entspricht. Wenn Sie also
glauben, dass ich das nicht zu fordern habe, so können Sie Tischers Bedingungen ja annehmen.
Nicht verschweigen will ich Ihnen, dass ich auf dem Standpunkt weiter stehe, dass zwischen mir
und Tischer (ebenso wie „Dreililien“) kein Vertrag mehr besteht. Ich werde den ganzen Rechts-
fall demnächst veröffentlichen1 und dabei mitteilen, dass die betreffenden Werke bei mir
einstweilen in schönen Abschriften (mit Namenszug) zu haben sind. Sie werden sich also
[even]tuell auch mit mir auseinanderzusetzen haben (was dann allerdings weniger schwierig
sein wird). Jedenfalls kann ich aber vorläufig auf kein Recht verzichten, das sich durch
meinen guten Schachzug für mich ergiebt; während Sie sich darauf verlassen können, dass
ich nur Ordnung und Gerechtigkeit will, dass wir uns also einigen werden, sofern Sie
mir dies zugestehen. – Frau Hartleben: Wenn Sie sich in Not befindet, so würde ich ihr
gerne von den Pierrot-Erträgnissen doch etwas zuwenden2. Wären Sie eventuell auch dazu bereit? –
Ich komme bald zu Ihnen, um wegen Becker zu sprechen.
Lieber wäre mir, wenn Sie nach Mödling
[käme]n! Geht das nicht?!!
Herzl. Grüße
Schönberg
veröffentlichen
Arnold Schönberg, Gegen die
Räuberplage. Darin beschreibt Schönberg seine Taktik: Den betreffenden Verlag davon zu
informieren, dass er aufgrund von Nichterfüllung des Vertrags nicht
länger gebunden sei und die betreffenden Werke in mit persönlicher
Widmung versehener Abschrift neu herauszugeben gedenke. In der hierauf
zu erwartenden Klage seitens des Verlags sähe sich Schönberg in der stärkeren Position und
könne auf den Prozessgewinn spekulieren.
zuwenden
Für die deutsche Übersetzung der Texte von
Albert Giraud „Lieder des Pierrot lunaire“ op. 21 von Otto Erich Hartleben.
Albert Giraud „Lieder des Pierrot lunaire“ op. 21 von Otto Erich Hartleben.
Mödling
31. Oktober 1922
Lieber Herr Direktor, ich bin wirklich nicht imstande mir
so rasch auszudenken, ob ich dazu berechtigt
bin irgendetwas von Tischer zu fordern: d.
h.
im Sinne der Gerechtigkeit, wie ich sie
auffasse, wo man Vorteile nur hat, die einem wirklich
gebühren. Deshalb kann ich eine Entscheidung
heute nicht sagen. Auf mein Recht werde ich im Falle dieses groben und
gemeinen Betrügers dagegen
unbedingt nicht verzichten. Der hat mich wirklich zu
schwer gereizt. Ich sage Ihnen also folgendes: Ich werde unbedingt fordern,
was mein Recht ist, aber nichts,
was auch nur im kleinsten den höchsten moralischen Anforderungen nicht
entspricht. Wenn Sie also glauben, dass ich das nicht zu fordern habe, so
können Sie Tischers Bedingungen ja
annehmen. Nicht verschweigen will ich Ihnen, dass ich auf dem Standpunkt
weiter stehe, dass zwischen mir und Tischer
(ebenso wie „Dreililien“) kein Vertrag mehr
besteht. Ich werde den ganzen Rechtsfall demnächst veröffentlichen1 und dabei mitteilen, dass die betreffenden Werke bei mir einstweilen
in schönen Abschriften (mit Namenszug) zu haben sind.
Sie werden sich also
eventuell auch
mit mir auseinanderzusetzen haben (was dann allerdings weniger schwierig
sein wird). Jedenfalls kann ich aber vorläufig auf kein Recht verzichten,
das sich durch meinen guten Schachzug für mich ergiebt; während Sie sich
darauf verlassen können, dass ich nur Ordnung und Gerechtigkeit will, dass
wir uns also einigen werden, sofern Sie mir
dies zugestehen. – Frau Hartleben: Wenn Sie sich in Not befindet, so würde ich ihr
gerne von den Pierrot-Erträgnissen doch
etwas zuwenden2. Wären Sie eventuell auch dazu bereit? – Ich komme bald zu Ihnen, um
wegen Becker[?] zu sprechen.
Lieber wäre mir, wenn Sie nach Mödling
kämen! Geht das nicht?!!
Herzl. Grüße
Schönberg
NB
Bitte freundlichst mir durch
Herrn Greissle folgende Noten zu schicken:
| Schulen | |
| Sevčík: | Triller vorstudien |
| Doppelgriffvorstudien | |
| Violintechnik Heft I |
veröffentlichen
Arnold Schönberg, Gegen die
Räuberplage. Darin beschreibt Schönberg seine Taktik: Den betreffenden Verlag davon zu
informieren, dass er aufgrund von Nichterfüllung des Vertrags nicht
länger gebunden sei und die betreffenden Werke in mit persönlicher
Widmung versehener Abschrift neu herauszugeben gedenke. In der hierauf
zu erwartenden Klage seitens des Verlags sähe sich Schönberg in der stärkeren Position und
könne auf den Prozessgewinn spekulieren.
zuwenden
Für die deutsche Übersetzung der Texte von
Albert Giraud „Lieder des Pierrot lunaire“ op. 21 von Otto Erich Hartleben.
Albert Giraud „Lieder des Pierrot lunaire“ op. 21 von Otto Erich Hartleben.
31. Oktober 1922
Transkribiert ist der an die UE gesandte
Durchschlag; zum Original scheint auch die tabellarische Notenbestellung (ASCC
22647) gehört zu haben, ob sie ebenfalls in Kopie verschickt wurde,
ist unklar.
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief, Kopie
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 31. Oktober 1922, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.735.