Lieber Herr Direktor, nehmen Sie es, bitte als keine Phrase, wenn ich
sage, dass ich schon aus persönlichen Gründen, d. i. aus Sympathie für Sie und
persönlicher Hochschätzung, ja Bewunderung Ihrer Leistungen gerne meinen
Frieden mit der UE gemacht hätte. Ebenso ist es wirklich aufrichtig ge-
meint, wenn ich sage, dass mich auch Dankbarkeit an die UE und an Sie bin-
det. Und trotzdem sehe ich keinen Ausweg, solange Sie Ihr mir rätselhaf-
tes Verhalten mir gegenüber nicht ändern: Sie wissen, was ich an Not, Sor-
gen, Plagen und Entbehrungen, Zurücksetzungen und Kränkungen mitgema[h]cht
habe; Sie wissen, wie ich meine schönste Zeit und meine beste Kraft dem
Broterwerb widmen musste und am Schaffen verhindert war; Sie sehen, dass
ich jetzt in der Lage wäre, unabhängig und ohne Sorgen zu leben, wenn ich
einen nennenswerten Teil der Früchte meiner Arbeit selbst einheim-
sen dürfte; ich habe Ihnen die Mindestsumme genannt, die ich zur Führung
eines solchen Lebens nötig habe; Sie wissen, dass ich mir sie von andern
Verlegern mit Leichtigkeit eine viel höhere verschaffen könnte –––––
und
Sie bieten mir die Hälfte; und OHNE GARANTIE! das heisst aber, dass ich wieder nur für den Brot-
erwerb arbeiten und nicht komponieren soll[.]
Bei aller Bewunderung und Sympathie: das ist unmenschlich!
Eine Kleinigkeit, die aber sehr bezeichnend ist, möchte ich doch noch
erwähnen: Sie möchten gerne die Jakobsleiter bekommen1; aber, trotzdem ich
selbst die Kosten tragen wollte, habe[n] Sie mir kein Papier anfertigen
lassen
2 wollen auf das ich sie schreiben könnte! Glauben, Sie dass ich das
je vergessen kann?
Ich glaube, Sie machen da einen grossen Fehler: Sie rechnen gar nicht [meh]
mehr mit Menschen, nur mehr mit Verlagsnummern! Aber auch Menschen haben
einen gewissen Wert! Und vor allem das Bestreben, sich irgendwie zu er-
halten! Es ist mir sehr schmerzlich, Ihnen das sagen zu müssen; dass ich
dem Himmel danke, der mir meine Handlungsfreiheit wiedergegeben hat; und
dass ich darauf, diese zu benützen nur verzichten würde, wenn ein bequemer u
meinen reichlichen Leistungen angenehmermessen reichlicher Lebensunterhalt
mir gesichert wäre. Gerne würde ich mit Ihnen anders als in der Sprache

kriegführender Diplomaten reden. Aber ich sehe keinen Ausweg und sie wol-
len diesen einzigmöglichen, den Sie sehen nicht betreten. Ich verlange [ja]
ja von Ihnen kein Opfer; aber ich bin auch durchaus nicht gesonnen eines
zu bringen: ich habe lange genug geopfert!
Ich wäre gerne für eine mündliche Auseinandersetzung; aber leider haben
Sie in der letzten Zeit die Uebung gehabt, die bei der schriftliche[n] Formulierung
immer wieder alles zurückzuziehen um was man sich stundenlang gerauft
hat. Ich bin dieser Kämpfe auch wirklich mü[e]de. Nicht nur um meine Zeit [ist]
ist es schade, sondern auch um die Ihre, der Sie ja wirklich in dersel-
ben Zeit etwas wertvolleres zu leisten imstande wären!
Sie sehen, dass ich [Sie] sehr schätze und Ihnen persönlich wirklich freund
schaftlich[tlich] gesinnt bin; aber ich muss es sagen: Seit dem Krieg las-
sen Sie es vollkommen an Menschlichkeit fehlen!
Wenn Sie ei[n]en Ausweg wissen, sollen Sie mich gerne zum Frieden bereit
finden; aber:
ich opfere nichts mehr!
Viele herzliche Grüsse Ihr
Arnold Schönberg

Lieber Herr Direktor, nehmen Sie es, bitte als keine Phrase, wenn ich sage, dass ich schon aus persönlichen Gründen, d. i. aus Sympathie für Sie und persönlicher Hochschätzung, ja Bewunderung Ihrer Leistungen gerne meinen Frieden mit der UE gemacht hätte. Ebenso ist es wirklich aufrichtig gemeint, wenn ich sage, dass mich auch Dankbarkeit an die UE und an Sie bindet. Und trotzdem sehe ich keinen Ausweg, solange Sie Ihr mir rätselhaftes Verhalten mir gegenüber nicht ändern: Sie wissen, was ich an Not, Sorgen, Plagen und Entbehrungen, Zurücksetzungen und Kränkungen mitgemacht habe; Sie wissen, wie ich meine schönste Zeit und meine beste Kraft dem Broterwerb widmen musste und am Schaffen verhindert war; Sie sehen, dass ich jetzt in der Lage wäre, unabhängig und ohne Sorgen zu leben, wenn ich einen nennenswerten Teil der Früchte meiner Arbeit selbst einheimsen dürfte; ich habe Ihnen die Mindestsumme genannt, die ich zur Führung eines solchen Lebens nötig habe; Sie wissen, dass ich mir von andern Verlegern mit Leichtigkeit eine viel höhere verschaffen könnte ––––– und Sie bieten mir die Hälfte; und OHNE GARANTIE! das heisst aber, dass ich wieder nur für den Broterwerb arbeiten und nicht komponieren soll. Bei aller Bewunderung und Sympathie: das ist unmenschlich!
Eine Kleinigkeit, die aber sehr bezeichnend ist, möchte ich doch noch erwähnen: Sie möchten gerne die Jakobsleiter bekommen1; aber, trotzdem ich selbst die Kosten tragen wollte, haben Sie mir kein Papier anfertigen lassen2 wollen auf das ich sie schreiben könnte! Glauben, Sie dass ich das je vergessen kann?
Ich glaube, Sie machen da einen grossen Fehler: Sie rechnen gar nicht mehr mit Menschen, nur mehr mit Verlagsnummern! Aber auch Menschen haben einen gewissen Wert! Und vor allem das Bestreben, sich irgendwie zu erhalten! Es ist mir sehr schmerzlich, Ihnen das sagen zu müssen; dass ich dem Himmel danke, der mir meine Handlungsfreiheit wiedergegeben hat; und dass ich darauf, diese zu benützen nur verzichten würde, wenn ein bequemer u meinen reichlichen Leistungen angemessen reichlicher Lebensunterhalt mir gesichert wäre. Gerne würde ich mit Ihnen anders als in der Sprache kriegführender Diplomaten reden. Aber ich sehe keinen Ausweg und sie wollen diesen einzigmöglichen, den Sie sehen nicht betreten. Ich verlange ja von Ihnen kein Opfer; aber ich bin auch durchaus nicht gesonnen eines zu bringen: ich habe lange genug geopfert!
Ich wäre gerne für eine mündliche Auseinandersetzung; aber leider haben Sie in der letzten Zeit die Uebung gehabt bei der schriftlichen Formulierung immer wieder alles zurückzuziehen um was man sich stundenlang gerauft hat. Ich bin dieser Kämpfe auch wirklich müde. Nicht nur um meine Zeit ist es schade, sondern auch um die Ihre, der Sie ja wirklich in derselben Zeit etwas wertvolleres zu leisten imstande wären!
Sie sehen, dass ich Sie sehr schätze und Ihnen persönlich wirklich freundschaftlich gesinnt bin; aber ich muss es sagen: Seit dem Krieg lassen Sie es vollkommen an Menschlichkeit fehlen!
Wenn Sie einen Ausweg wissen, sollen Sie mich gerne zum Frieden bereit finden; aber: ich opfere nichts mehr!
Viele herzliche Grüsse Ihr
Arnold Schönberg

18. August 1923


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 18. August 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.924.

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