Lieber Herr Direktor, ich kann nicht
begreifen, welche Ursache Herr von
Wöss
hat, mich zu provozieren, indem
er meine ausdrücklich angegebenen
Stichverbesserungen1 verhindert [(], die jeder vernünftige
Mensch in der ganzen Welt kopiert) [.] Ich
habe mich gegen Herrn v. Wöß stets freundlich
und zuvorkommend gezeigt und ihm zu
solchem persönlichen Vorgehen keinen Grund
gegeben. Sachlich ist, was er tut, voll-
kommener Unsinn und bloße lächer-
liche, nicht.
Bin aber bereit, es ihm zu erklären!
Wenn ich heute gegen ein solches
Vorgehen protestieren muss und dringend
ersuchen muss, Herrn v. Wöß keine meiner
Arbeiten mehr anzuvertrauen, so handelt
es sich mir nicht um Prestige (was auch
nicht unwesentlich ist,) sondern um
meine Ruhe und Zeit: ich mag
mich 1.) nicht unnütz ärgern und muss
mich 2) darauf verlassen können, dass diese
Dinge automatisch befolgt werden[.]

In diesem Fall ist besonders erschwerend,
dass ich Stichanweisungen und Anmerkungen
beigefügt habe, welche berücksichtigt werden
müssten. Außerdem lag mein Manuskript2
vor, in das Herr v. Wöß sich erlaubt hat, Än-
derungen einzutragen!
Ich lehne es ab, diese Korrektur
zu lesen, ehe sie nicht genauest
manuskripttreu und meinen
Anweisungen entsprechend gestochen
ist.
Es tut mir leid, Ihnen die Aus-
gabe nicht ersparen zu können.
Aber zu meiner Sicherheit und wegen
meiner etwas zu kostbaren Zeit, ist
es doch nötig, dass ich die Launen
des Herrn von Wöß abwehre.
Mit herzlichen Grüßen Ihr
Mödling 19.XI.1924
Lieber Herr Direktor, ich kann nicht begreifen, welche Ursache Herr von Wöss hat, mich zu provozieren, indem er meine ausdrücklich angegebenen Stichverbesserungen1 verhindert , die jeder vernünftige Mensch in der ganzen Welt kopiert . Ich habe mich gegen Herrn v. Wöß stets freundlich und zuvorkommend gezeigt und ihm zu solchem persönlichen Vorgehen keinen Grund gegeben. Sachlich ist, was er tut, vollkommener Unsinn und bloße lächerliche, nicht. Bin aber bereit, es ihm zu erklären!
Wenn ich heute gegen ein solches Vorgehen protestieren muss und dringend ersuchen muss, Herrn v. Wöß keine meiner Arbeiten mehr anzuvertrauen, so handelt es sich mir nicht um Prestige (was auch nicht unwesentlich ist,) sondern um meine Ruhe und Zeit: ich mag mich 1.) nicht unnütz ärgern und muss mich 2) darauf verlassen können, dass diese Dinge automatisch befolgt werden. In diesem Fall ist besonders erschwerend, dass ich Stichanweisungen und Anmerkungen beigefügt habe, welche berücksichtigt werden müssten. Außerdem lag mein Manuskript2 vor, in das Herr v. Wöß sich erlaubt hat, Änderungen einzutragen!
Ich lehne es ab, diese Korrektur zu lesen, ehe sie nicht genauest manuskripttreu und meinen Anweisungen entsprechend gestochen ist.
Es tut mir leid, Ihnen die Ausgabe nicht ersparen zu können.
Aber zu meiner Sicherheit und wegen meiner etwas zu kostbaren Zeit, ist es doch nötig, dass ich die Launen des Herrn von Wöß abwehre.
Mit herzlichen Grüßen Ihr
Arnold Schönberg
Mödling 19.XI.1924

19. November 1924


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection

Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 19. November 1924, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.1110.

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