D/M/BO.
Herrn
Berlin-Westend
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Seit wenigen Stunden in Wien, habe ich
mich trotz aufgetürmter Mappen vor mir mit der Frage Ihrer
Oper beschäftigt. Ich möchte Ihnen in aller Eile und nur
in grossen Zügen
* folgenden Vorschlag machen:
1.) Sie erhalten für die Verlagsrechte der neuen Oper die selben
Anteile, wie sie in unseren bisherigen Abmachungen enthalten
sind.
2.) Ausser diesen Anteilen erhalten Sie
  • a) eine Bar-Prämie von M 3000.– bei Abschluss des Vertrages,
  • b) eine Prämie in Form einer Gutschrift von ebenfalls M 3000.–
    auf Ihr Vorschuss-Konto.
3.) Wir würden, falls Sie uns die Oper überlassen,
Ihnen von der Halbjahres-Verrechung der anderen Werke (also al-
te Werke und neue Werke bis 31. Dezember 1928) jeweilig ein Drittel bar
auszahlen, wogegen nur die anderen zwei Drittel zur Amortisierung
des Gesamtvorschusses zu dienen haben. Der Gesamtvorschuss hat rund 59.000 Schilling betragen1 pro
31. Dezember 1928. Die Halb-
jahresabrechnung
für das erste Semester beträgt rund 2.600 Schilling.
Es wäre also pro 1. Juli noch eine Gesamtschuld von rund 56.400 Schilling
zu tilgen. Diese Ziffer wird es Ihnen verständlich machen, dass

Ihr Vorschlag2 , es sollte Ihnen für 5 Jahre ein Betrag bezahlt
werden und nach diesen 5 Jahren, unabhängig von diesem auszu-
zahlenden Betrag, auch noch der gesamte alte Vorschuss als ge-
tilgt gelten, undiskutabel ist!
Ich betrachte meinen Vorschlag als einen für
Sie sehr günstigen. Ich glaube, dass, wenn Sie alle die Vortei-
le, die ein Abschluss mit uns zur Folge hat, genau berücksich-
tigen, kein wie immer gearteter Antrag von einer anderen Seite,
selbst wenn er scheinbar günstiger wäre, Sie veranlassen sollte,
meinen Vorschlag [abzulehnen]
.
Ich habe [d]as Buch des „Diplo[m]aten[ge]lesen und
möchte mich ebenfalls aus [d]iplomatischen Gründen zunächst über
dasselbe nicht äussern.
Mit herzlichen Grüssen, auch an Ihre verehrte Frau Ihr in warmer Verehrtung ergebener

D/M/BO.
Herrn
Berlin-Westend
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Seit wenigen Stunden in Wien, habe ich mich trotz aufgetürmter Mappen vor mir mit der Frage Ihrer Oper beschäftigt. Ich möchte Ihnen in aller Eile und nur in grossen Zügen folgenden Vorschlag machen:
1.) Sie erhalten für die Verlagsrechte der neuen Oper die selben Anteile, wie sie in unseren bisherigen Abmachungen enthalten sind.
2.) Ausser diesen Anteilen erhalten Sie
  • a) eine Bar-Prämie von M 3000.– bei Abschluss des Vertrages,
  • b) eine Prämie in Form einer Gutschrift von ebenfalls M 3000.– auf Ihr Vorschuss-Konto.
3.) Wir würden, falls Sie uns die Oper überlassen, Ihnen von der Halbjahres-Verrechung der anderen Werke (also alte Werke und neue Werke bis 31. Dezember 1928) jeweilig ein Drittel bar auszahlen, wogegen nur die anderen zwei Drittel zur Amortisierung des Gesamtvorschusses zu dienen haben. Der Gesamtvorschuss hat rund 59.000 Schilling betragen1 pro 31. Dezember 1928. Die Halbjahresabrechnung für das erste Semester beträgt rund 2.600 Schilling. Es wäre also pro 1. Juli noch eine Gesamtschuld von rund 56.400 Schilling zu tilgen. Diese Ziffer wird es Ihnen verständlich machen, dass Ihr Vorschlag2 , es sollte Ihnen für 5 Jahre ein Betrag bezahlt werden und nach diesen 5 Jahren, unabhängig von diesem auszuzahlenden Betrag, auch noch der gesamte alte Vorschuss als getilgt gelten, undiskutabel ist!
Ich betrachte meinen Vorschlag als einen für Sie sehr günstigen. Ich glaube, dass, wenn Sie alle die Vorteile, die ein Abschluss mit uns zur Folge hat, genau berücksichtigen, kein wie immer gearteter Antrag von einer anderen Seite, selbst wenn er scheinbar günstiger wäre, Sie veranlassen sollte, meinen Vorschlag abzulehnen.
Ich habe das Buch des „Diplomaten“ gelesen und möchte mich ebenfalls aus diplomatischen Gründen zunächst über dasselbe nicht äussern.
Mit herzlichen Grüssen, auch an Ihre verehrte Frau Ihr in warmer Verehrtung ergebener
Emil Hertzka

12. Juli 1929


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 12. Juli 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17606.

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