D/M.
Herrn
BERLIN-CHARLOTTENBURG,2,
Pension Bavaria,
Steinplatz 2.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich bestätige dankend den Empfang des in Ihrem Auftrag
an mich gerichteten Schreibens Ihrer lieben Frau, sowie Ihren Brief
vom 28. Jänner.
Zuerst nun zum Brief in Angelegenheit1 Ihres Schwieger-
sohnes! Ich habe mich mit dieser Sache sehr gründlich befasst und
sowohl mit Herrn Dr. v. Webern als auch mit Herrn Greissle einige
ausführliche Besprechungen gehabt. Ich habe auch mit Herrn Kugel
die Sache besprochen und es stellt sich allerdings die Angelegen-
heit doch ein bischen anders dar, als ich anfänglich angenommen habe.
Herr Kugel konnte mir beweisen, dass nicht Herr Greissle von ihm,
sondern er von Herrn Greissle hineingelegt wurde. Es ist nun den
vereinten Bemühungen gelungen, das Defizit, das Herr Kugel zu fordern
hat, auf S 773.16 herabzudrücken. Ich werde jedenfalls noch trachten,
Herrn Kugel etwas abzuziehen und ihm dann den Betrag auf Ihre Rech-
nung ausbezahlen. In der Angelegenheit mit Herrn Dr. Webern habe ich
aus pädagogischen Gründen im Einverständnis mit Dr. W. die ratenweise
Tilgung durchgeführt. Die erste Rate von 500 S habe ich an Herrn Dr. W.
sofort ausbezahlt, der damit die dringendsten Schulden geordnet hat,
ein weiterer Betrag von 500 S wird noch im Februar bezahlt. Was den

Rest betrifft, so handelt es sich um Pfandscheine, die ausgelöst werden
sollten, deren Auslösung ich aber vorläufig noch nicht verfügt habe. Ich
bin dabei von dem Gedanken ausgegangen, dass es eine zu naheliegende
Möglichkeit wäre, die ausgelösten Wertgegenstände sofort wieder zu ver-
pfänden und ich musste daher zuerst bei Ihnen anfragen, wie ich mich in
dieser Sache verhalten soll. Ich habe mir jedenfalls Ihre schriftliche
Erklärung über die monatlichen Zahlungen zurückstellen lassen und be-
halte dieselben vorläufig hier.
Und nun zu Ihrem letzten Schreiben, in welchem Sie mir die
Manuskripte2 avisieren. Dieselben sind nun gestern richtig eingelangt
und ich freue mich sehr, nun wieder zwei neue Opuse3 von Ihnen in Händen
zu haben. Ich konnte leider infolge ganz ausserordentlicher Überbürdung
mich noch nicht damit beschäftigen, die neuen Vorreden zu lesen, werde es
aber in den allernächsten Tagen machen können und freue mich schon sehr
darauf. Was die Frage der Herausgabe betrifft, so sind wir wohl zunächst
so verblieben, dass die Manuskripte noch liegen bleiben sollen. Wenn Sie
aber der Ansicht sind, dass man mit der Drucklegung schon bald beginnen
kann, so bin ich selbstverständlich mit Freude einverstanden. Ich er-
bitte mir darüber Ihre freundl. Dispositionen.
Sehr froh bin ich von Ihnen zu hören, dass Sie sich in Berlin
wohl fühlen, dass Sie viel mit Schreker verkehren und auch schon einen
kleinen Kreis von netten Menschen gefunden haben. Ich hoffe, Ende Februar
oder Anfang März in Berlin zu sein und freue mich schon herzlich, Sie
und Ihre liebe Frau wiederzusehen. –
Mit herzlichen Grüssen an Sie beide
verbleibe ich Ihr, in warmer Verehrung ergebener
D/M.
Herrn
BERLIN-CHARLOTTENBURG,2,
Pension Bavaria,
Steinplatz 2.
Sehr verehrter Meister Schönberg!
Ich bestätige dankend den Empfang des in Ihrem Auftrag an mich gerichteten Schreibens Ihrer lieben Frau, sowie Ihren Brief vom 28. Jänner.
Zuerst nun zum Brief in Angelegenheit1 Ihres Schwiegersohnes! Ich habe mich mit dieser Sache sehr gründlich befasst und sowohl mit Herrn Dr. v. Webern als auch mit Herrn Greissle einige ausführliche Besprechungen gehabt. Ich habe auch mit Herrn Kugel die Sache besprochen und es stellt sich allerdings die Angelegenheit doch ein bischen anders dar, als ich anfänglich angenommen habe. Herr Kugel konnte mir beweisen, dass nicht Herr Greissle von ihm, sondern er von Herrn Greissle hineingelegt wurde. Es ist nun den vereinten Bemühungen gelungen, das Defizit, das Herr Kugel zu fordern hat, auf S 773.16 herabzudrücken. Ich werde jedenfalls noch trachten, Herrn Kugel etwas abzuziehen und ihm dann den Betrag auf Ihre Rechnung ausbezahlen. In der Angelegenheit mit Herrn Dr. Webern habe ich aus pädagogischen Gründen im Einverständnis mit Dr. W. die ratenweise Tilgung durchgeführt. Die erste Rate von 500 S habe ich an Herrn Dr. W. sofort ausbezahlt, der damit die dringendsten Schulden geordnet hat, ein weiterer Betrag von 500 S wird noch im Februar bezahlt. Was den Rest betrifft, so handelt es sich um Pfandscheine, die ausgelöst werden sollten, deren Auslösung ich aber vorläufig noch nicht verfügt habe. Ich bin dabei von dem Gedanken ausgegangen, dass es eine zu naheliegende Möglichkeit wäre, die ausgelösten Wertgegenstände sofort wieder zu verpfänden und ich musste daher zuerst bei Ihnen anfragen, wie ich mich in dieser Sache verhalten soll. Ich habe mir jedenfalls Ihre schriftliche Erklärung über die monatlichen Zahlungen zurückstellen lassen und behalte dieselben vorläufig hier.
Und nun zu Ihrem letzten Schreiben, in welchem Sie mir die Manuskripte2 avisieren. Dieselben sind nun gestern richtig eingelangt und ich freue mich sehr, nun wieder zwei neue Opuse3 von Ihnen in Händen zu haben. Ich konnte leider infolge ganz ausserordentlicher Überbürdung mich noch nicht damit beschäftigen, die neuen Vorreden zu lesen, werde es aber in den allernächsten Tagen machen können und freue mich schon sehr darauf. Was die Frage der Herausgabe betrifft, so sind wir wohl zunächst so verblieben, dass die Manuskripte noch liegen bleiben sollen. Wenn Sie aber der Ansicht sind, dass man mit der Drucklegung schon bald beginnen kann, so bin ich selbstverständlich mit Freude einverstanden. Ich erbitte mir darüber Ihre freundl. Dispositionen.
Sehr froh bin ich von Ihnen zu hören, dass Sie sich in Berlin wohl fühlen, dass Sie viel mit Schreker verkehren und auch schon einen kleinen Kreis von netten Menschen gefunden haben. Ich hoffe, Ende Februar oder Anfang März in Berlin zu sein und freue mich schon herzlich, Sie und Ihre liebe Frau wiederzusehen. –
Mit herzlichen Grüssen an Sie beide verbleibe ich Ihr, in warmer Verehrung ergebener Emil Hertzka

3. Februar 1926


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 3. Februar 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17652.

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