Arnold Schönberg an Universal-Edition
9. Februar 1926
9.II.1926
Lieber Herr Direktor, ich weiss nicht wann
wir je etwas ähnliches verabredet ha-
ben sollten, wie „dass meine Manuskripte
noch liegen bleiben sollen“. Im Gegenteil:
ich habe mich doch darüber aufgehalten,
dass die letzten Sachen solange gebraucht
haben! Zu welchem Zweck sollten sie
auch liegen? Sie werden weder besser, noch
länger, noch kür[e]zer dadurch und verloren
gehen, können sie auch beim Druck, wie
wir ja aus Erfahrung1 wissen. Nein, im
Ernst: ich habe Sie doch gebeten, den Druck2
aufs Äusserste zu beschleunigen und
Sie haben mir darauf Vorschläge über
das Korrekturlesen gemacht und behaup-
tet, die Schuld an den Verzögerungen lie-
[ge] an meinen Korrektoren! Wie ist dieses
Missverständnis zu erklären?
wir je etwas ähnliches verabredet ha-
ben sollten, wie „dass meine Manuskripte
noch liegen bleiben sollen“. Im Gegenteil:
ich habe mich doch darüber aufgehalten,
dass die letzten Sachen solange gebraucht
haben! Zu welchem Zweck sollten sie
auch liegen? Sie werden weder besser, noch
länger, noch kür[e]zer dadurch und verloren
gehen, können sie auch beim Druck, wie
wir ja aus Erfahrung1 wissen. Nein, im
Ernst: ich habe Sie doch gebeten, den Druck2
aufs Äusserste zu beschleunigen und
Sie haben mir darauf Vorschläge über
das Korrekturlesen gemacht und behaup-
tet, die Schuld an den Verzögerungen lie-
[ge] an meinen Korrektoren! Wie ist dieses
Missverständnis zu erklären?
Die „Texte“, das Jahrbuch3 und
den Anbruch4 habe ich noch immer nicht
erhalten: der Verlag bringt mich in die
Verlegenheit, das Wort „verlegen“ auf
andere Weise aufzufassen, als ich bisher
für richtig hielt. Verlegt wäre dann
bei der UE 1. das, was liegen geblieben ist
und 2. das, was man nicht „finden“ kann! Was
nützt mir dann alle meine Er„find“ung
gegen solche Verlegstüchtigkeit?
den Anbruch4 habe ich noch immer nicht
erhalten: der Verlag bringt mich in die
Verlegenheit, das Wort „verlegen“ auf
andere Weise aufzufassen, als ich bisher
für richtig hielt. Verlegt wäre dann
bei der UE 1. das, was liegen geblieben ist
und 2. das, was man nicht „finden“ kann! Was
nützt mir dann alle meine Er„find“ung
gegen solche Verlegstüchtigkeit?
Herzlichsten Dank für Ihre vä-
terliche Intervention in der Greissle-
Angelegenheit. Ich bin in allen wichti-
gen Punkten ganz Ihrer Meinung.
terliche Intervention in der Greissle-
Angelegenheit. Ich bin in allen wichti-
gen Punkten ganz Ihrer Meinung.
Nochmals
herzlichsten Dank und viele Grüsse, Ihr
herzlichsten Dank und viele Grüsse, Ihr
Erfahrung
Druck
Arnold Schönberg, Vier Stücke für
gemischten Chor op. 27; Lieferdatum: 30. September 1926, Auflage:
496.
Arnold Schönberg, Drei Satiren für
gemischten Chor op. 28; Lieferdatum: 30. September 1926, Auflage: 497
(Buchon
2015, Bd. 5, S. 661).
Jahrbuch
Heinsheimer-Stefan
1926 (Exemplare aus dem Schönberg-Nachlass; BOOK F11, c.1; BOOK
F11, c.2).
Anbruch
Anbruch 1926b
(Exemplar aus dem Schönberg-Nachlass; P12).
9.II.1926
Lieber Herr Direktor, ich weiss nicht wann wir je etwas ähnliches verabredet
haben sollten, wie „dass meine Manuskripte noch liegen
bleiben sollen“. Im Gegenteil: ich habe mich doch darüber aufgehalten,
dass die letzten Sachen solange gebraucht haben! Zu welchem Zweck
sollten sie auch liegen? Sie werden weder besser, noch länger, noch kürzer dadurch und verloren gehen, können sie auch beim Druck, wie wir ja aus Erfahrung1 wissen. Nein, im Ernst: ich
habe Sie doch gebeten, den Druck2
aufs Äusserste zu beschleunigen und Sie haben mir darauf
Vorschläge über das Korrekturlesen gemacht und behauptet, die Schuld an den Verzögerungen lie
ge an meinen Korrektoren! Wie ist dieses Missverständnis zu erklären?
Die „Texte“, das Jahrbuch3 und
den Anbruch4 habe ich noch immer nichterhalten: der Verlag bringt mich
in die Verlegenheit, das Wort „verlegen“ aufandere Weise aufzufassen,
als ich bisherfür richtig hielt. Verlegt wäre dannbei der UE
1. das, was liegen
geblieben ist und 2. das, was man nicht „finden“ kann! Was nützt mir dann alle meine Er„find“ung gegen solche Verlegstüchtigkeit?
Herzlichsten Dank für Ihre väterliche Intervention in der Greissle-Angelegenheit. Ich bin in allen wichtigen Punkten ganz Ihrer Meinung.
Nochmals herzlichsten Dank und viele Grüsse, Ihr
Arnold Schönberg
Erfahrung
Druck
Arnold Schönberg, Vier Stücke für
gemischten Chor op. 27; Lieferdatum: 30. September 1926, Auflage:
496.
Arnold Schönberg, Drei Satiren für
gemischten Chor op. 28; Lieferdatum: 30. September 1926, Auflage: 497
(Buchon
2015, Bd. 5, S. 661).
Jahrbuch
Heinsheimer-Stefan
1926 (Exemplare aus dem Schönberg-Nachlass; BOOK F11, c.1; BOOK
F11, c.2).
Anbruch
Anbruch 1926b
(Exemplar aus dem Schönberg-Nachlass; P12).
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 9. Februar 1926, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.672.