Wien, am 1. Februar 1951
Schl/Be
Herrn
Los Angeles 24
Sehr verehrter Herr Professor!
Warum führen wir unsere Korrespondenz eigentlich auf solchen
Umwegen1?
In den Jahren nach 1945 war ich beglückt, dass Sie mir die Ehre
erwiesen, Vertrauen zu mir zu haben. Ich glaube, ich habe nichts
getan, was dieses Vertrauen hätte erschüttern können. Im Gegenteil,
ich habe mich bemüht, so viel als es in meinen Kräften liegt,
Ihre Wünsche zu erfüllen. Ich will dies auch weiterhin tun.
Wäre es nun aber nicht zweckmässig, dass wir wieder miteinander in
direkten Kontakt treten, um zu erfahren, was alles Sie von uns er-
warten?
Sie wünschen die Garantie, dass Materiale für Orchester- und
Bühnenwerke vollständig vorhanden sind. Ich betone nochmals, dass
mir kaum Fälle bekannt sind, wo – ausser in der unmittelbaren
Nachkriegszeit – Aufführungen wegen Mangel von Material nicht
stattfinden konnten. Ich bin bereit, alles zu tun, um die Situa-
tion noch zu verbessern. Ich bitte Sie aber um präzise Angaben.
Ich schlage Ihnen daher vor, dass Sie einen Plan aufstellen, in
welcher Reihenfolge Sie den Nachdruck fehlender Werke oder Werk-
teile wünschen. Ich werde Ihnen dann mitteilen, in welcher Frist
diese Wünsche erfüllt werden können.
Ich lasse noch einmal genauestens kontrollieren, wie es sich mit
dem Material und den Klavierauszügen von „Von Heute auf Morgen
verhält. So viel ich weiss, wurde alles mit Ihnen ordnungsgemäss
abgewickelt. Ich werde es aber noch einmal kontrollieren.
Ich bitte Sie ferner um genaue Angabe, welche Orchestermateriale
in erster Linie neu hergestellt und auskorrigiert werden müssen.
Auch dazu sind wir bereit. Nur muss ich genau wissen, was Sie
wünschen.
Sie sprechen in einem Brief2 an Herrn Beer auch von anderen Forde-
rungen. Auch zu diesen würde ich mich gerne äussern und – soweit
ich kann – sie erfüllen. Bevor ich aber eine Zusage geben kann,
müsste ich zumindest einmal wissen, welche Forderungen Sie über-
haupt stellen. Ich bitte also herzlichst, mir auch diese im De-
tail bekanntzugeben.
Ich würde mich sehr freuen, nun wieder einmal direkt von Ihnen zu
hören.
Ergebenste Grüsse
Schlee
Wien, am 1. Februar 1951
Schl/Be
Herrn
Los Angeles 24
Sehr verehrter Herr Professor!
Warum führen wir unsere Korrespondenz eigentlich auf solchen Umwegen1?
In den Jahren nach 1945 war ich beglückt, dass Sie mir die Ehre erwiesen, Vertrauen zu mir zu haben. Ich glaube, ich habe nichts getan, was dieses Vertrauen hätte erschüttern können. Im Gegenteil, ich habe mich bemüht, so viel als es in meinen Kräften liegt, Ihre Wünsche zu erfüllen. Ich will dies auch weiterhin tun.
Wäre es nun aber nicht zweckmässig, dass wir wieder miteinander in direkten Kontakt treten, um zu erfahren, was alles Sie von uns erwarten?
Sie wünschen die Garantie, dass Materiale für Orchester- und Bühnenwerke vollständig vorhanden sind. Ich betone nochmals, dass mir kaum Fälle bekannt sind, wo – ausser in der unmittelbaren Nachkriegszeit – Aufführungen wegen Mangel von Material nicht stattfinden konnten. Ich bin bereit, alles zu tun, um die Situation noch zu verbessern. Ich bitte Sie aber um präzise Angaben.
Ich schlage Ihnen daher vor, dass Sie einen Plan aufstellen, in welcher Reihenfolge Sie den Nachdruck fehlender Werke oder Werkteile wünschen. Ich werde Ihnen dann mitteilen, in welcher Frist diese Wünsche erfüllt werden können.
Ich lasse noch einmal genauestens kontrollieren, wie es sich mit dem Material und den Klavierauszügen von „Von Heute auf Morgen“ verhält. So viel ich weiss, wurde alles mit Ihnen ordnungsgemäss abgewickelt. Ich werde es aber noch einmal kontrollieren.
Ich bitte Sie ferner um genaue Angabe, welche Orchestermateriale in erster Linie neu hergestellt und auskorrigiert werden müssen. Auch dazu sind wir bereit. Nur muss ich genau wissen, was Sie wünschen.
Sie sprechen in einem Brief2 an Herrn Beer auch von anderen Forderungen. Auch zu diesen würde ich mich gerne äussern und – soweit ich kann – sie erfüllen. Bevor ich aber eine Zusage geben kann, müsste ich zumindest einmal wissen, welche Forderungen Sie überhaupt stellen. Ich bitte also herzlichst, mir auch diese im Detail bekanntzugeben.
Ich würde mich sehr freuen, nun wieder einmal direkt von Ihnen zu hören.
Ergebenste Grüsse
Schlee

1. Februar 1951


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 1. Februar 1951, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17715.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen