Be
Wien, 14. März 1946.
Herrn
Los Angeles, 24
California.
Verehrter Meister!
Für Ihr Telegramm und den Brief vom 10. Feber, den
ich heute erhalten habe, danke ich Ihnen herzlichst.
Es ist der IGNM eine grosse Freude, dass Sie das Ehren-
präsidium übernommen haben und die hiesigen Zeitun-
gen haben diese Tatsache entsprechend gewürdigt.
In unseren Räumlichkeiten veranstalten wir fast all-
wöchentlich Hauskonzerte vor geladenen Gästen, in
denen wir hauptsächlich moderne Musik zu Gehör brin-
gen, denn wir haben ja durch die Absperrung der letz-
ten Jahre sehr viel nachzuholen. In den musikalisch
interessierten Kreisen Wiens ist es grosse Mode ge-
worden, zu diesen Konzerten eingeladen zu werden und
wir versammeln damit wirklich Alle, die an Wiens kul-
turellem und musikalischen Wiederaufbau ernstlich in-
teressiert sind. Anlässlich eines unserer letzten Kon-
zerte wurde ein gemeinsamer Brief an den Bürgermeister
von Wien, General a. D. Theodor Körner1 gerichtet, in
welchem dem Wunsch Ausdruck gegeben wurde, Sie, ver-
ehrter Meister möglichst bald in Ihre Heimatstadt
zurückzuberufen.
Was nun Ihren Vorschlag anlangt, Ihre demnächst er-
scheinenden theoretischen Bücher in unserem Verlag
herauszubringen, nehmen wir diesen natürlich mit
der grössten Freude an
2. Wie ich schon in einem mei-
ner letzten Briefe schrieb, wäre es unser sehnlich-
ster Wunsch, dass alle Ihre noch ungedruckten Werke
bei uns erscheinen und wir hoffen sehr, recht bald
die Manuskripte zu erhalten, um mit den Druckarbei-
ten beginnen zu können.

Wir sind auch eben dabei, alle bisher bei uns er-
schienenen Werke, die wir zum Teil während der
letzten 7 Jahre verstecken konnten und die jetzt
sofort vergriffen waren, neu aufzulegen. Besonders
nach der Harmonielehre besteht eine ausserordent-
liche Nachfrage.
Ich freue mich, Sie bezüglich Ihrer Manuskripte
beruhigen zu können, sie waren alle so gut ver-
wahrt, dass wir sie unversehrt erhalten konnten.
Mit Ihrem Sohn sind wir in ständiger Verbindung,
er hat uns auch kürzlich die Fotografien gezeigt,
die er von Ihnen und Ihrer Familie erhalten hat.
Wir haben uns sehr gefreut, dass Sie unverändert
und wohl aussehen.
Da ihr Sohn morgen in die U.E. kommt, werde ich
ihm Ihren Brief gleich zeigen können. Er wird
wegen seiner Zukunftspläne wohl dann selbst
schreiben.
Wir erwarten nun recht bald die Einsendung der
Manuskripte.
Mit dem Ausdrucke meiner vorzüglichsten Hochach-
tung zeichne ich als Ihr ergebener
Viele herzliche Grüße
Ihre ergebene

Be
Wien, 14. März 1946.
Herrn
Los Angeles, 24
California.
Verehrter Meister!
Für Ihr Telegramm und den Brief vom 10. Feber, den ich heute erhalten habe, danke ich Ihnen herzlichst.
Es ist der IGNM eine grosse Freude, dass Sie das Ehrenpräsidium übernommen haben und die hiesigen Zeitungen haben diese Tatsache entsprechend gewürdigt.
In unseren Räumlichkeiten veranstalten wir fast allwöchentlich Hauskonzerte vor geladenen Gästen, in denen wir hauptsächlich moderne Musik zu Gehör bringen, denn wir haben ja durch die Absperrung der letzten Jahre sehr viel nachzuholen. In den musikalisch interessierten Kreisen Wiens ist es grosse Mode geworden, zu diesen Konzerten eingeladen zu werden und wir versammeln damit wirklich Alle, die an Wiens kulturellem und musikalischen Wiederaufbau ernstlich interessiert sind. Anlässlich eines unserer letzten Konzerte wurde ein gemeinsamer Brief an den Bürgermeister von Wien, General a. D. Theodor Körner1 gerichtet, in welchem dem Wunsch Ausdruck gegeben wurde, Sie, verehrter Meister möglichst bald in Ihre Heimatstadt zurückzuberufen.
Was nun Ihren Vorschlag anlangt, Ihre demnächst erscheinenden theoretischen Bücher in unserem Verlag herauszubringen, nehmen wir diesen natürlich mit der grössten Freude an2. Wie ich schon in einem meiner letzten Briefe schrieb, wäre es unser sehnlichster Wunsch, dass alle Ihre noch ungedruckten Werke bei uns erscheinen und wir hoffen sehr, recht bald die Manuskripte zu erhalten, um mit den Druckarbeiten beginnen zu können.
Wir sind auch eben dabei, alle bisher bei uns erschienenen Werke, die wir zum Teil während der letzten 7 Jahre verstecken konnten und die jetzt sofort vergriffen waren, neu aufzulegen. Besonders nach der Harmonielehre besteht eine ausserordentliche Nachfrage.
Ich freue mich, Sie bezüglich Ihrer Manuskripte beruhigen zu können, sie waren alle so gut verwahrt, dass wir sie unversehrt erhalten konnten.
Mit Ihrem Sohn sind wir in ständiger Verbindung, er hat uns auch kürzlich die Fotografien gezeigt, die er von Ihnen und Ihrer Familie erhalten hat. Wir haben uns sehr gefreut, dass Sie unverändert und wohl aussehen.
Da ihr Sohn morgen in die U.E. kommt, werde ich ihm Ihren Brief gleich zeigen können. Er wird wegen seiner Zukunftspläne wohl dann selbst schreiben.
Wir erwarten nun recht bald die Einsendung der Manuskripte.
Mit dem Ausdrucke meiner vorzüglichsten Hochachtung zeichne ich als Ihr ergebener
Schlee Viele herzliche Grüße Ihre ergebene
Rothe

14. März 1946


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 14. März 1946, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17726.

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