Calenzano, 31. Juli 1948
Sehr verehrter Meister,
ich hatte Ihnen im Vorjahr von der Tournee1 mit
Pierrot und Ode an Napoleon berichtet, die die Accademia Filarmonica
Romana
in Italien veranstaltet hat. Es war ein Ereignis, das alle, die
daran teilnehmen durften, wohl nie vergessen werden. Nun ist aber wieder
etwas einzigartiges und geradezu märchenhaftes geschehen. Der Organisator
der vorjährigen Tournee, übrigens ein ausgezeichneter Komponist, Mario
Peragallo
, hat das Pierrot lunaire Ensemble zu sich in ein prächtiges
Landhaus
bei Florenz eingeladen, um dem Ensemble die Möglichkeit zu
geben, sich eine Zeit lang ausschliesslich der Vervollkommnung der
Wiedergabe zu widmen. Seit einer Woche finden in dieser zauberhaften
Abgeschlossenheit täglich drei Proben von drei Stunden Dauer statt.
Es ist eine wirkliche Kollektivarbeit unter der Leitung des Pianisten
Scarpini. Das Resultat: Als gestern der Dirigent erschien, der die Auf-
führung
2 bei den Salzburger Festspielen hätte dirigieren sollen, stellte
er fest, dass er nichts mehr für sich zu tun sähe. So wird am 14. August
der Pierrot, ich glaube zum ersten Male, ohne Dirigent vor das Publikum
treten.
Im Oktober werden dann einige Konzerte in der Schweiz3 und Oesterreich4,
vielleicht auch Deutschland folgen. Neue Pläne für das Frühjahr tauchen
auf. Nur ein Wunsch ist noch unerfüllt, dass Sie mit uns zusammenkommen
und die nächste Probenserie selbst leiten. Ich glaube, dass Sie mit diesen
Musikern eine wirkliche Freude hätten.
Calenzano, 31. Juli 1948
Sehr verehrter Meister,
ich hatte Ihnen im Vorjahr von der Tournee1 mit Pierrot und Ode an Napoleon berichtet, die die Accademia Filarmonica Romana in Italien veranstaltet hat. Es war ein Ereignis, das alle, die daran teilnehmen durften, wohl nie vergessen werden. Nun ist aber wieder etwas einzigartiges und geradezu märchenhaftes geschehen. Der Organisator der vorjährigen Tournee, übrigens ein ausgezeichneter Komponist, Mario Peragallo, hat das Pierrot lunaire Ensemble zu sich in ein prächtiges Landhaus bei Florenz eingeladen, um dem Ensemble die Möglichkeit zu geben, sich eine Zeit lang ausschliesslich der Vervollkommnung der Wiedergabe zu widmen. Seit einer Woche finden in dieser zauberhaften Abgeschlossenheit täglich drei Proben von drei Stunden Dauer statt. Es ist eine wirkliche Kollektivarbeit unter der Leitung des Pianisten Scarpini. Das Resultat: Als gestern der Dirigent erschien, der die Aufführung2 bei den Salzburger Festspielen hätte dirigieren sollen, stellte er fest, dass er nichts mehr für sich zu tun sähe. So wird am 14. August der Pierrot, ich glaube zum ersten Male, ohne Dirigent vor das Publikum treten.
Im Oktober werden dann einige Konzerte in der Schweiz3 und Oesterreich4, vielleicht auch Deutschland folgen. Neue Pläne für das Frühjahr tauchen auf. Nur ein Wunsch ist noch unerfüllt, dass Sie mit uns zusammenkommen und die nächste Probenserie selbst leiten. Ich glaube, dass Sie mit diesen Musikern eine wirkliche Freude hätten.

31. Juli 1948


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection

Brief

Zitierhinweis:

Alfred Schlee et al. an Arnold Schönberg, 31. Juli 1948, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17748.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen