Universal-Edition an Arnold Schönberg
17. Dezember 1948
Sehr verehrter, lieber Herr Professor!
Besten Dank für Ihren Brief vom 11. ds. M. Selbstver-
ständlich werde ich Ihre Wünsche respektieren und
habe zur Kenntnis genommen, dass Sie Herrn Winter
keinerlei Aufträge, Vollmachten oder Botschaften
für uns übergeben haben. Darf ich Ihnen aber sagen,
dass es mich sehr schmerzt, dass so schwerwiegende
Missverständnisse zwischen Ihnen und Herrn Winter
bestehen, denn ich kann im allseitigen Interesse
wirklich nur hoffen, dass es sich um blosse Miss-
verständnisse handelt, die auch einmal aus der Welt
geschafft werden können.
ständlich werde ich Ihre Wünsche respektieren und
habe zur Kenntnis genommen, dass Sie Herrn Winter
keinerlei Aufträge, Vollmachten oder Botschaften
für uns übergeben haben. Darf ich Ihnen aber sagen,
dass es mich sehr schmerzt, dass so schwerwiegende
Missverständnisse zwischen Ihnen und Herrn Winter
bestehen, denn ich kann im allseitigen Interesse
wirklich nur hoffen, dass es sich um blosse Miss-
verständnisse handelt, die auch einmal aus der Welt
geschafft werden können.
Es wäre grossartig, wenn wir es ermöglichen könnten,
dass eine Bandaufnahme vom Pierrot gemacht und Ihnen
geschickt wird. Leider ist das, so wie eigentlich
alle Dinge des täglichen und geistigen Lebens eine
Geldfrage, aber ich bitte Sie zu glauben, dass ich
alles daran setzen werde, um eine solche Aufnahme
zu ermöglichen. Doch muss ich Sie jedenfalls bitten,
in dieser Hinsicht noch etwas Geduld zu haben.
dass eine Bandaufnahme vom Pierrot gemacht und Ihnen
geschickt wird. Leider ist das, so wie eigentlich
alle Dinge des täglichen und geistigen Lebens eine
Geldfrage, aber ich bitte Sie zu glauben, dass ich
alles daran setzen werde, um eine solche Aufnahme
zu ermöglichen. Doch muss ich Sie jedenfalls bitten,
in dieser Hinsicht noch etwas Geduld zu haben.
Den Freunden geht es gut. Dr. Polnauer hat
sein un-
verwüstliches, jugendliches Temperament bewahrt und
jedes Gespräch mit ihm ist wie ein erfrischendes Bad.
Ratz unterrichtet in besonders hübscher Art Formen-
lehre in der Akademie, Apostel arbeitet als Lektor
bei uns. Leider geht es ihm gesundheitlich nicht
sehr gut.
verwüstliches, jugendliches Temperament bewahrt und
jedes Gespräch mit ihm ist wie ein erfrischendes Bad.
Ratz unterrichtet in besonders hübscher Art Formen-
lehre in der Akademie, Apostel arbeitet als Lektor
bei uns. Leider geht es ihm gesundheitlich nicht
sehr gut.
Frau Hertzka war eigentlich noch nicht so
besonders
alt, im 76. Lebensjahr, aber durch ihre anstrengende
Arbeit – in der Emigration arbeitete sie als Gärtnerin1 –
war doch der ganze Lebensmotor überansprucht. Ueber
Hans Nachod kann ich Ihnen gar nichts sagen, ich kannte
ihn nicht und habe auch nie etwas von ihm gehört, werde
mich aber gleich in England erkundigen. Dr. Adler geht
es gut2, er hat einen angenehmen, treuen Kreis und macht
viel Kammermusik, vielleicht kommt er nächsten Sommer
mit seiner Frau auf Besuch nach Wien. Am liebsten würde
er ja hier bleiben, es muss sich aber noch herausstel-
len, wie und ob das materiell zu regeln geht.
alt, im 76. Lebensjahr, aber durch ihre anstrengende
Arbeit – in der Emigration arbeitete sie als Gärtnerin1 –
war doch der ganze Lebensmotor überansprucht. Ueber
Hans Nachod kann ich Ihnen gar nichts sagen, ich kannte
ihn nicht und habe auch nie etwas von ihm gehört, werde
mich aber gleich in England erkundigen. Dr. Adler geht
es gut2, er hat einen angenehmen, treuen Kreis und macht
viel Kammermusik, vielleicht kommt er nächsten Sommer
mit seiner Frau auf Besuch nach Wien. Am liebsten würde
er ja hier bleiben, es muss sich aber noch herausstel-
len, wie und ob das materiell zu regeln geht.
Mit den besten Wünschen für Sie und ihre Angehörigen
zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr bin ich mit ergebensten Grüssen
Ihr
zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr bin ich mit ergebensten Grüssen
Ihr
Viele herzliche Grüsse
Ihnen u. Ihrer verehrten
Frau Ihre Betti Rothe
Ihnen u. Ihrer verehrten
Frau Ihre Betti Rothe
Gärtnerin
Yella Hertzka konnte im Exil in
England als Gärtnerin an
Erfahrungen mit der von ihr in Wien gegründeten Gartenbauschule anknüpfen. Schwere
Arbeitsbedingungen bei fortgeschrittenem Alter sowie Unterernährung
hatten bleibende Spuren hinterlassen und zu einer chronischen
Herzerkrankung geführt (Oesch 2008, S. 157).
Dr. Adler geht es gut
„Since I am mainly teaching, I medi[t]ate on different
things concerning voice production and composition for voice [...] I
have accomplished a book on singing and voice production [...] Dr.
Oscar Adler's address: Gale
Cottage, Ambleside, Westmorland. I meet him from time to time. He is in
good health, and so is his wife Paula. He plays violin and lectures on music and different
other things and is a nice old fellow.“ (Hans Nachod an Arnold
Schönberg, 30. November 1944; ASCC
14558)..
Sehr verehrter, lieber Herr Professor!
Besten Dank für Ihren Brief vom 11. ds. M. Selbstverständlich werde ich Ihre Wünsche respektieren und habe zur
Kenntnis genommen, dass Sie Herrn Winter
keinerlei Aufträge, Vollmachten oder Botschaften für uns übergeben
haben. Darf ich Ihnen aber sagen, dass es mich sehr schmerzt, dass so
schwerwiegende Missverständnisse zwischen Ihnen und Herrn Winter
bestehen, denn ich kann im allseitigen Interesse wirklich nur hoffen,
dass es sich um blosse Missverständnisse handelt, die auch einmal aus der Welt
geschafft werden können.
Es wäre grossartig, wenn wir es ermöglichen könnten, dass eine Bandaufnahme
vom Pierrot gemacht und Ihnen geschickt
wird. Leider ist das, so wie eigentlich
alle Dinge des täglichen und geistigen Lebens eine Geldfrage, aber ich
bitte Sie zu glauben, dass ich alles daran setzen werde, um eine solche
Aufnahme zu ermöglichen. Doch muss ich Sie jedenfalls bitten, in
dieser Hinsicht noch etwas Geduld zu haben.
Den Freunden geht es gut. Dr. Polnauer hat
sein unverwüstliches, jugendliches Temperament bewahrt und jedes
Gespräch mit ihm ist wie ein erfrischendes Bad.
Ratz unterrichtet in besonders hübscher Art
Formenlehre in der Akademie, Apostel arbeitet als Lektor bei uns. Leider
geht es ihm gesundheitlich nicht sehr gut.
Frau Hertzka war eigentlich noch nicht so
besonders alt, im 76. Lebensjahr, aber durch ihre anstrengende Arbeit
– in der Emigration arbeitete sie als Gärtnerin1 – war doch der ganze Lebensmotor überansprucht. Ueber
Hans Nachod kann ich Ihnen gar nichts
sagen, ich kannte ihn nicht und habe auch nie etwas von ihm gehört, werde
mich aber gleich in England
erkundigen. Dr. Adler geht es gut2, er hat einen angenehmen, treuen Kreis
und macht viel Kammermusik, vielleicht kommt er nächsten Sommer mit
seiner Frau auf Besuch nach Wien. Am liebsten würde er ja hier
bleiben, es muss sich aber noch herausstellen, wie und ob das materiell zu regeln geht.
Mit den besten Wünschen für Sie und ihre Angehörigen zum
Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr bin ich mit
ergebensten Grüssen Ihr
Schlee
Viele herzliche Grüsse Ihnen u. Ihrer verehrten
Frau Ihre
Betti Rothe
Gärtnerin
Yella Hertzka konnte im Exil in
England als Gärtnerin an
Erfahrungen mit der von ihr in Wien gegründeten Gartenbauschule anknüpfen. Schwere
Arbeitsbedingungen bei fortgeschrittenem Alter sowie Unterernährung
hatten bleibende Spuren hinterlassen und zu einer chronischen
Herzerkrankung geführt (Oesch 2008, S. 157).
Dr. Adler geht es gut
„Since I am mainly teaching, I medi[t]ate on different
things concerning voice production and composition for voice [...] I
have accomplished a book on singing and voice production [...] Dr.
Oscar Adler's address: Gale
Cottage, Ambleside, Westmorland. I meet him from time to time. He is in
good health, and so is his wife Paula. He plays violin and lectures on music and different
other things and is a nice old fellow.“ (Hans Nachod an Arnold
Schönberg, 30. November 1944; ASCC
14558)..
17. Dezember 1948
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 17. Dezember 1948, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17753.