WIEN, I.,
Be
Wien, 17. Dezember 1948.
Herrn
Los Angeles, 24
Sehr verehrter, lieber Herr Professor!
Besten Dank für Ihren Brief vom 11. ds. M. Selbstver-
ständlich werde ich Ihre Wünsche respektieren und
habe zur Kenntnis genommen, dass Sie Herrn Winter
keinerlei Aufträge, Vollmachten oder Botschaften
für uns übergeben haben. Darf ich Ihnen aber sagen,
dass es mich sehr schmerzt, dass so schwerwiegende
Missverständnisse zwischen Ihnen und Herrn Winter
bestehen, denn ich kann im allseitigen Interesse
wirklich nur hoffen, dass es sich um blosse Miss-
verständnisse handelt, die auch einmal aus der Welt
geschafft werden können.
Es wäre grossartig, wenn wir es ermöglichen könnten,
dass eine Bandaufnahme vom Pierrot gemacht und Ihnen
geschickt wird. Leider ist das, so wie eigentlich
alle Dinge des täglichen und geistigen Lebens eine
Geldfrage, aber ich bitte Sie zu glauben, dass ich
alles daran setzen werde, um eine solche Aufnahme
zu ermöglichen. Doch muss ich Sie jedenfalls bitten,
in dieser Hinsicht noch etwas Geduld zu haben.
Den Freunden geht es gut. Dr. Polnauer hat sein un-
verwüstliches, jugendliches Temperament bewahrt und
jedes Gespräch mit ihm ist wie ein erfrischendes Bad.
Ratz unterrichtet in besonders hübscher Art Formen-
lehre in der Akademie, Apostel arbeitet als Lektor
bei uns. Leider geht es ihm gesundheitlich nicht
sehr gut.
Frau Hertzka war eigentlich noch nicht so besonders
alt, im 76. Lebensjahr, aber durch ihre anstrengende
Arbeit – in der Emigration arbeitete sie als Gärtnerin1
war doch der ganze Lebensmotor überansprucht. Ueber
Hans Nachod kann ich Ihnen gar nichts sagen, ich kannte
ihn nicht und habe auch nie etwas von ihm gehört, werde
mich aber gleich in England erkundigen. Dr. Adler geht
es gut
2, er hat einen angenehmen, treuen Kreis und macht
viel Kammermusik, vielleicht kommt er nächsten Sommer
mit seiner Frau auf Besuch nach Wien. Am liebsten würde
er ja hier bleiben, es muss sich aber noch herausstel-
len, wie und ob das materiell zu regeln geht.
Mit den besten Wünschen für Sie und ihre Angehörigen
zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr bin ich mit ergebensten Grüssen
Ihr
Viele herzliche Grüsse
Ihnen u. Ihrer verehrten
Frau Ihre
Betti Rothe
Be
Wien, 17. Dezember 1948.
Herrn
Los Angeles, 24
Sehr verehrter, lieber Herr Professor!
Besten Dank für Ihren Brief vom 11. ds. M. Selbstverständlich werde ich Ihre Wünsche respektieren und habe zur Kenntnis genommen, dass Sie Herrn Winter keinerlei Aufträge, Vollmachten oder Botschaften für uns übergeben haben. Darf ich Ihnen aber sagen, dass es mich sehr schmerzt, dass so schwerwiegende Missverständnisse zwischen Ihnen und Herrn Winter bestehen, denn ich kann im allseitigen Interesse wirklich nur hoffen, dass es sich um blosse Missverständnisse handelt, die auch einmal aus der Welt geschafft werden können.
Es wäre grossartig, wenn wir es ermöglichen könnten, dass eine Bandaufnahme vom Pierrot gemacht und Ihnen geschickt wird. Leider ist das, so wie eigentlich alle Dinge des täglichen und geistigen Lebens eine Geldfrage, aber ich bitte Sie zu glauben, dass ich alles daran setzen werde, um eine solche Aufnahme zu ermöglichen. Doch muss ich Sie jedenfalls bitten, in dieser Hinsicht noch etwas Geduld zu haben.
Den Freunden geht es gut. Dr. Polnauer hat sein unverwüstliches, jugendliches Temperament bewahrt und jedes Gespräch mit ihm ist wie ein erfrischendes Bad. Ratz unterrichtet in besonders hübscher Art Formenlehre in der Akademie, Apostel arbeitet als Lektor bei uns. Leider geht es ihm gesundheitlich nicht sehr gut.
Frau Hertzka war eigentlich noch nicht so besonders alt, im 76. Lebensjahr, aber durch ihre anstrengende Arbeit – in der Emigration arbeitete sie als Gärtnerin1 – war doch der ganze Lebensmotor überansprucht. Ueber Hans Nachod kann ich Ihnen gar nichts sagen, ich kannte ihn nicht und habe auch nie etwas von ihm gehört, werde mich aber gleich in England erkundigen. Dr. Adler geht es gut2, er hat einen angenehmen, treuen Kreis und macht viel Kammermusik, vielleicht kommt er nächsten Sommer mit seiner Frau auf Besuch nach Wien. Am liebsten würde er ja hier bleiben, es muss sich aber noch herausstellen, wie und ob das materiell zu regeln geht.
Mit den besten Wünschen für Sie und ihre Angehörigen zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr bin ich mit ergebensten Grüssen Ihr Schlee
Viele herzliche Grüsse Ihnen u. Ihrer verehrten Frau Ihre Betti Rothe

17. Dezember 1948


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 17. Dezember 1948, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.17753.

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