DrK/H
Herrn
Arnold Schönberg,
Traunkirchen.
Sehr geehrter Herr Schönberg!
Nachdem wir von Herrn Kapellmeister
Stein den imprimierten Abzug der „Harmonie-
lehre
“ zurückerhalten haben und ein großer
Teil der Druckerei bereits zum Druck über-
geben wurde, müssen wir bei Ihnen noch wegen
der Anordnung der Beilagen anfragen.
Da es sich bei der „Harmonielehre
nicht um die Fertigstellung einiger weniger
Exemplare, sondern einer grossen Auflage
handelt, die maschinelll bearbeitet werden
muss, so kommt für die Buchbinderarbeit in
erster Linie in Betracht wie der Druckbogen
gefalzt wird und es lässt sich daher eine
Beilage am besten zwischen 2 Druckbogen
oder in der Mitte eines Druckbogens, also
zwischen die 8. und 9. Seite einschieben.
Der Vorgang ist normalerweise folgender:
1) Zuerst werden die Bogen gefalzt und gehef-
tet, 2 dann werden die Beilagen eingeklebt,
sodann wird das Exemplar mit Umschlag ver-
sehen und beschnitten. Wenn also eine Bei-
lage nicht zwischen 2 Bogen oder in die
Mitte eines Bogens eingeklebt werden soll,
so kann das Anbringen an einer anderen
Stelle nur nach dem Beschneiden erfolgen,
was, abgesehen von der bedeutend grösseren
Arbeit, auch leicht zu Ungenauigkeiten
führt. Die 1. Beilage, Beispiel 137, muss
jedesfalls separat gedruckt werden, weil
sie nicht in Buchdruck (bei Druckerei
Gerin
) sondern in Stein, bezw. Notendruck
(bei Waldheim-Eberle) durchgeführt wird,
denn wir haben von diesem Beispiel keine
Klischees anfertigen lassen, sondern
drucken dasselbe so wie Noten hergestellt
werden. Wir haben, um Ihnen die Anbringung
der Beilage genau veranschaulichen zu
können, ein kleines Modell des betreffen-
den Druckbogens zusammengestellt

(Muster I) und es gibt nur zwei Möglich-
keiten; entweder das Beispiel wird auf
eine 3seitige Beilage gedruckt (Eintei-
lung A) oder nur auf 2 Seiten (Eintei-
lung B). Letztere Einteilung entspricht
am ehesten Ihrem an Herrn Kapellmeister
Stein gesandten Muster 1 . Die Einschaltung
dieser Beilage kann aber nicht als Seite
7 und 8 des betreffenden Druckbogens ge-
druckt werden,
1. weil, wie oben erwähnt, die Beilage
in einer anderen Druckerei hergestellt
wird und
2. die Einteilung in den Druckbogen
eine Verschiebung sämtlicher weiterer
Druckbogen erforderlich machen würde.
Abgesehen davon, wäre dann das Beispiel
nicht aufklappbar, weil die Rekonstruk-
tion Ihres Musters 1 auf einen flachen
Bogen nicht möglich ist, wenn wir Ihre
Angaben richtig verstanden haben.
Sowohl bei Einteilung A (dreiteilig)
als bei der Einteilung B (zweiteilig)
kann das Beispiel jederzeit zugleich
mit dem dazugehörigen Text gelesen
werden und wir schlagen daher Eintei-
lung B als endgültige Fassung vor.
Beispiel 156 wird vor Bogen 18
zweiteilig nach links aufklappbar ein-
geklebt, womit Sie nach Mitteilung des
Herrn Kapellmeister Stein einverstan-
den sind.
Schwierigkeiten bereitet die Un-
terbringung des Beispiels 189. Wir haben
in Muster II, welches wir Ihnen gleich-
zeitig zusenden, zwei Einteilungen ver-
sucht. Die Einteilung C dürfte Ihren
Wünschen entsprechen, wir fürchten aber das
die Arbeit nicht gut ausfallen wird,
weil das Ankleben der Beilage nach dem
Beschneiden bei einer grösseren Auflage
so schwierig ist, dass, besonders in den
heutigen Verhältnissen, die Beilage zum
Teil schlecht eingeklebt sein wird,
zum Teil über das Exemplar hinausragen
wird u. s. w., sodass wir die Einteilung D
vorschlagen, bei welchem Beispiel 189
vor Pagina 305 * zweiteilig nach links
aufklappbar eingeklebt wird. Wenn hie-
durch auch Beispiel 187, welches auf den
Seiten 304, 305 und 306 enthalten ist,
nicht so leicht gelesen werden kann,
weil die Beilage zwischen Seite 304
und 305 eingeschaltet wurde, so wird

die technische Durchführung der Ein-
teilung C vielmehr Schwierigkeiten
verursachen, die Fertigstellung ver-
zögern und zum Teil die oben ange-
führten schlechten Resultate ergeben.
Wir übermitteln Ihnen gleich-
zeitig unsere beiden Muster I und II
und Ihre beiden Muster und bitten
uns erstere mit Ihrer Nachricht
ehestens zurücksenden zu wollen.
In vorzüglicher Hochachtung
pp Dr Kalmus
Beilagen.

DrK/H
Herrn
Traunkirchen.
Sehr geehrter Herr Schönberg!
Nachdem wir von Herrn Kapellmeister Stein den imprimierten Abzug der „Harmonielehre“ zurückerhalten haben und ein großer Teil der Druckerei bereits zum Druck übergeben wurde, müssen wir bei Ihnen noch wegen der Anordnung der Beilagen anfragen.
Da es sich bei der „Harmonielehre“ nicht um die Fertigstellung einiger weniger Exemplare, sondern einer grossen Auflage handelt, die maschinell bearbeitet werden muss, so kommt für die Buchbinderarbeit in erster Linie in Betracht wie der Druckbogen gefalzt wird und es lässt sich daher eine Beilage am besten zwischen 2 Druckbogen oder in der Mitte eines Druckbogens, also zwischen die 8. und 9. Seite einschieben. Der Vorgang ist normalerweise folgender: Zuerst werden die Bogen gefalzt und geheftet, dann werden die Beilagen eingeklebt, sodann wird das Exemplar mit Umschlag versehen und beschnitten. Wenn also eine Beilage nicht zwischen 2 Bogen oder in die Mitte eines Bogens eingeklebt werden soll, so kann das Anbringen an einer anderen Stelle nur nach dem Beschneiden erfolgen, was, abgesehen von der bedeutend grösseren Arbeit, auch leicht zu Ungenauigkeiten führt. Die 1. Beilage, Beispiel 137, muss jedesfalls separat gedruckt werden, weil sie nicht in Buchdruck (bei Druckerei Gerin) sondern in Stein, bezw. Notendruck (bei Waldheim-Eberle) durchgeführt wird, denn wir haben von diesem Beispiel keine Klischees anfertigen lassen, sondern drucken dasselbe so wie Noten hergestellt werden. Wir haben, um Ihnen die Anbringung der Beilage genau veranschaulichen zu können, ein kleines Modell des betreffenden Druckbogens zusammengestellt (Muster I) und es gibt nur zwei Möglichkeiten; entweder das Beispiel wird auf eine 3seitige Beilage gedruckt (Einteilung A) oder nur auf 2 Seiten (Eintei lung B). Letztere Einteilung entspricht am ehesten Ihrem an Herrn Kapellmeister Stein gesandten Muster 1. Die Einschaltung dieser Beilage kann aber nicht als Seite 7 und 8 des betreffenden Druckbogens gedruckt werden,
1. weil, wie oben erwähnt, die Beilage in einer anderen Druckerei hergestellt wird und
2. die Einteilung in den Druckbogen eine Verschiebung sämtlicher weiterer Druckbogen erforderlich machen würde. Abgesehen davon, wäre dann das Beispiel nicht aufklappbar, weil die Rekonstruktion Ihres Musters 1 auf einen flachen Bogen nicht möglich ist, wenn wir Ihre Angaben richtig verstanden haben. Sowohl bei Einteilung A (dreiteilig) als bei der Einteilung B (zweiteilig) kann das Beispiel jederzeit zugleich mit dem dazugehörigen Text gelesen werden und wir schlagen daher Einteilung B als endgültige Fassung vor.
Beispiel 156 wird vor Bogen 18 zweiteilig nach links aufklappbar eingeklebt, womit Sie nach Mitteilung des Herrn Kapellmeister Stein einverstanden sind.
Schwierigkeiten bereitet die Unterbringung des Beispiels 189. Wir haben in Muster II, welches wir Ihnen gleichzeitig zusenden, zwei Einteilungen versucht. Die Einteilung C dürfte Ihren Wünschen entsprechen, wir fürchten aber das die Arbeit nicht gut ausfallen wird, weil das Ankleben der Beilage nach dem Beschneiden bei einer grösseren Auflage so schwierig ist, dass, besonders in den heutigen Verhältnissen, die Beilage zum Teil schlecht eingeklebt sein wird, zum Teil über das Exemplar hinausragen wird u. s. w., sodass wir die Einteilung D vorschlagen, bei welchem Beispiel 189 vor Pagina 305 zweiteilig nach links aufklappbar eingeklebt wird. Wenn hiedurch auch Beispiel 187, welches auf den Seiten 304, 305 und 306 enthalten ist, nicht so leicht gelesen werden kann, weil die Beilage zwischen Seite 304 und 305 eingeschaltet wurde, so wird die technische Durchführung der Einteilung C vielmehr Schwierigkeiten verursachen, die Fertigstellung verzögern und zum Teil die oben angeführten schlechten Resultate ergeben.
Wir übermitteln Ihnen gleichzeitig unsere beiden Muster I und II und Ihre beiden Muster und bitten uns erstere mit Ihrer Nachricht ehestens zurücksenden zu wollen.
In vorzüglicher Hochachtung

pp Dr Kalmus
Beilagen.

19. August 1922


Schönberg notierte seine Antwort (Arnold Schönberg an Universal-Edition, 23. August 1922) sowie einige Kommentare direkt auf diesen Brief und sandte ihn zurück.

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 19. August 1922, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.19686.

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