Arnold Schönberg an Universal-Edition
9. März 1913
Lieber Herr Direktor, mit G. kann ich
[nicht] arbeiten, weil er I.
ungeheure Summen verdienen will, während ich sparen muss. II
ist er nicht dazu zu bewegen, mit mir eine schriftliche klare Ab-
machung zu treffen, sondern will alles im Dunkeln lassen. III Ist er
äußerst nachlässig, unpünktlich, unverlässlich und vergesslich und lügt
[mich] fortwährend an. – Das genügt wohl. Wolff verlangt nichts
fürs Arrangement1 und wird mir sparen helfen. Außerdem ist
er in jeder denkbaren Hinsicht solider und will auch für weitere Auf-
führungen sorgen. Giebt es da eine Wahl? – Nicht Frau Zehme hat mich
aufgehetzt, sondern ich habe Frau Zehme aufgehetzt2, weil Gutm. und der
Wiener Ehrenmann sie in unerhörter Weise überhalten (sehr sehr
gelinde gesagt!) haben. Soviel Geld ist dann doch nicht da, dass Raub-
bau getrieben werden dürfte. Da mache ich doch lieber mehr Proben!!
Bitte teilen Sie mir umgehend mit, wann ich das Chormaterial
haben kann. Ich muss auch das Orchestermaterial rechtzeitig haben,
ungeheure Summen verdienen will, während ich sparen muss. II
ist er nicht dazu zu bewegen, mit mir eine schriftliche klare Ab-
machung zu treffen, sondern will alles im Dunkeln lassen. III Ist er
äußerst nachlässig, unpünktlich, unverlässlich und vergesslich und lügt
[mich] fortwährend an. – Das genügt wohl. Wolff verlangt nichts
fürs Arrangement1 und wird mir sparen helfen. Außerdem ist
er in jeder denkbaren Hinsicht solider und will auch für weitere Auf-
führungen sorgen. Giebt es da eine Wahl? – Nicht Frau Zehme hat mich
aufgehetzt, sondern ich habe Frau Zehme aufgehetzt2, weil Gutm. und der
Wiener Ehrenmann sie in unerhörter Weise überhalten (sehr sehr
gelinde gesagt!) haben. Soviel Geld ist dann doch nicht da, dass Raub-
bau getrieben werden dürfte. Da mache ich doch lieber mehr Proben!!
Bitte teilen Sie mir umgehend mit, wann ich das Chormaterial
haben kann. Ich muss auch das Orchestermaterial rechtzeitig haben,
weil ich
eine Reihe von Retouchen
machen will.
machen will.
Arrangement
Pläne zu einer Aufführung der
Gurre-Lieder in Berlin reichen bis in das Jahr 1910 zurück und erstrecken sich bis 1914. Nach mehreren Verschiebungen aus primär
finanziellen Gründen, wurde wegen eines ebenfalls finanziell begründeten
Zerwürfnisses zwischen Schönberg
und Chorleiter Siegfried Ochs ein
bereits konkret organisiertes Konzert am 2.
Februar 1914 abgesagt. Mit dem Arrangement hatte Schönberg zunächst seinen Agenten
Emil Gutmann, dann die Konzertdirektion Hermann Wolff beauftragt (ASGA B 16/3, S.
47f.).
aufgehetzt
Bezugnehmend auf die Konzerte mit Pierrot
lunaire op. 21
5. November 1912, München, Bayerischer Hof und
2. November 1912, Wien, Bösendorfer-Saal berichtete
Albertine Zehme
Schönberg, dass in München wegen zu großzügig
vergebener Freikarten nur geringe Einnahmen erzielt worden waren
bzw. aus „Wiener Schlamperei“ die Abrechung aus Wien ausstand. Sie kritisierte die
Agentur und bat Schönberg, sich
bei Gutmann einzusetzen,
„daß derlei Kopflosigkeiten nicht das Geschäft in den
folgenden Orten verderben“ (Albertine Zehme an Arnold
Schönberg, 6. November 1912; ASCC 18508; Albertine Zehme an Arnold Schönberg, 7.
November 1912; ASCC 18509).
Wiederholung
Aufgrund des großen Erfolgs
der Uraufführung
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor wurde gleich auf eine
Wiederholung reflektiert. Diese wurde bereits am 27. Februar 1913 für März angekündigt, um Kartenvormerkungen
entgegenzunehmen (Neues Wiener Tagblatt 1913). Der schließlich fixierte
Termin 29. April 1913 wurde abgesagt.
Offiziell wegen schlechten Kartenverkaufs, tatsächlich dürfte jedoch
das sogenannte Skandalkonzert
31. März 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Akademischer Verband für Literatur und Musik in Wien,
Orchester-Konzert
ausschlaggebend gewesen sein. Die zweite Aufführung in Wien fand ein Jahr später statt:
27. März 1914, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor
(Alban Berg an Arnold Schönberg, 16.
April 1913; ASCC 10154); ASGA B 16/3, S.
47).
Lieber Herr Direktor, mit G. kann ich
nicht arbeiten, weil er I. ungeheure
Summen verdienen will, während ich sparen muss. II
ist er nicht dazu zu bewegen, mit mir eine schriftliche klare Abmachung zu treffen, sondern will alles im Dunkeln lassen. III
Ist er äußerst nachlässig, unpünktlich, unverlässlich und vergesslich und
lügt
mich fortwährend an. – Das genügt wohl.
Wolff verlangt nichts fürs Arrangement1 und wird mir sparen helfen.
Außerdem ist er in jeder denkbaren Hinsicht solider und will auch für
weitere Aufführungen sorgen. Giebt es da eine Wahl? – Nicht Frau Zehme hat mich aufgehetzt, sondern ich habe Frau Zehme
aufgehetzt2, weil Gutm. und der
Wiener
Ehrenmann sie in
unerhörter Weise überhalten (sehr sehr gelinde gesagt!) haben. Soviel Geld
ist dann doch nicht da, dass Raubbau getrieben werden dürfte. Da mache ich doch lieber mehr
Proben!!
Bitte teilen Sie mir umgehend mit, wann ich das Chormaterial
haben kann. Ich muss auch das Orchestermaterial rechtzeitig haben, weil ich
eine Reihe von Retouchen machen will.
Arrangement
Pläne zu einer Aufführung der
Gurre-Lieder in Berlin reichen bis in das Jahr 1910 zurück und erstrecken sich bis 1914. Nach mehreren Verschiebungen aus primär
finanziellen Gründen, wurde wegen eines ebenfalls finanziell begründeten
Zerwürfnisses zwischen Schönberg
und Chorleiter Siegfried Ochs ein
bereits konkret organisiertes Konzert am 2.
Februar 1914 abgesagt. Mit dem Arrangement hatte Schönberg zunächst seinen Agenten
Emil Gutmann, dann die Konzertdirektion Hermann Wolff beauftragt (ASGA B 16/3, S.
47f.).
aufgehetzt
Bezugnehmend auf die Konzerte mit Pierrot
lunaire op. 21
5. November 1912, München, Bayerischer Hof und
2. November 1912, Wien, Bösendorfer-Saal berichtete
Albertine Zehme
Schönberg, dass in München wegen zu großzügig
vergebener Freikarten nur geringe Einnahmen erzielt worden waren
bzw. aus „Wiener Schlamperei“ die Abrechung aus Wien ausstand. Sie kritisierte die
Agentur und bat Schönberg, sich
bei Gutmann einzusetzen,
„daß derlei Kopflosigkeiten nicht das Geschäft in den
folgenden Orten verderben“ (Albertine Zehme an Arnold
Schönberg, 6. November 1912; ASCC 18508; Albertine Zehme an Arnold Schönberg, 7.
November 1912; ASCC 18509).
Wiederholung
Aufgrund des großen Erfolgs
der Uraufführung
23. Februar 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor wurde gleich auf eine
Wiederholung reflektiert. Diese wurde bereits am 27. Februar 1913 für März angekündigt, um Kartenvormerkungen
entgegenzunehmen (Neues Wiener Tagblatt 1913). Der schließlich fixierte
Termin 29. April 1913 wurde abgesagt.
Offiziell wegen schlechten Kartenverkaufs, tatsächlich dürfte jedoch
das sogenannte Skandalkonzert
31. März 1913, Wien, Großer Musikvereinssaal, Akademischer Verband für Literatur und Musik in Wien,
Orchester-Konzert
ausschlaggebend gewesen sein. Die zweite Aufführung in Wien fand ein Jahr später statt:
27. März 1914, Wien, Großer Musikvereinssaal, Philharmonischer Chor
(Alban Berg an Arnold Schönberg, 16.
April 1913; ASCC 10154); ASGA B 16/3, S.
47).
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 9. März 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.6845.