Arnold Schönberg an Universal-Edition
10. Oktober 1912
10/10.
1912
Lieber Herr Direktor, gestern war die Generalprobe1
am 16. ist die Aufführung2 des „Pierrot“. Sie kommen
doch!! Am 13 halte ich meinen Mahler-Vortrag3. –
am 16. ist die Aufführung2 des „Pierrot“. Sie kommen
doch!! Am 13 halte ich meinen Mahler-Vortrag3. –
– Zu den Gurre Liedern einiges sehr
Wichtige.
I. Ich wüßte nun endlich gern was los ist!
Kommt eine Aufführung4 zustande oder nicht?
Ich reiße mich gar nicht sehr um diese Musikfest-
woche. Aber wenn es dort ist, dann möchte ich
gerne selber dirigieren. Schreker könnte
mir diesen Dienst leisten. Er hat das ja
jetzt nicht mehr nötig, mit dem Dirigieren
Erfolg zu haben, während ich es brauche!
Und dann: es ist doch sicher, dass der
Autor, die Sache noch anders macht, als selbst
der beste Interpret. Vielleicht klopfen Sie
einmal bei Schreker an.
Kommt eine Aufführung4 zustande oder nicht?
Ich reiße mich gar nicht sehr um diese Musikfest-
woche. Aber wenn es dort ist, dann möchte ich
gerne selber dirigieren. Schreker könnte
mir diesen Dienst leisten. Er hat das ja
jetzt nicht mehr nötig, mit dem Dirigieren
Erfolg zu haben, während ich es brauche!
Und dann: es ist doch sicher, dass der
Autor, die Sache noch anders macht, als selbst
der beste Interpret. Vielleicht klopfen Sie
einmal bei Schreker an.
II. Was ich von der Besetzung höre5 ist
schrecklich: die Drill-Orrigde ist un-
möglich. Das seelenloseste, was es giebt.
schrecklich: die Drill-Orrigde ist un-
möglich. Das seelenloseste, was es giebt.
Eine Kuh! Ich will, dass an ihr[er] Stelle
Frau Maria Freund (Breslau, Kaiser-
Wilhelmstr. 139) singt. Die ist ausgezeich-
net. Ich habe sie gehört und habe mit Ihr
verabredet, dass Sie ihr den Klavierauszug
schicken!! Sobald er erscheint6!!! Sagen Sie
das dem Schreker. – Auch Wyß soll recht
gut sein! Und wer ist der Tenor?
Davon höre ich gar nichts mehr!! Ich schlage
vor: Nachod (der die Partie in Wien
schon gesungen hat7) und Waschmann!
Seidler soll nicht besonders gut sein. Stimmlich
schon, aber sonst – ! –
Frau Maria Freund (Breslau, Kaiser-
Wilhelmstr. 139) singt. Die ist ausgezeich-
net. Ich habe sie gehört und habe mit Ihr
verabredet, dass Sie ihr den Klavierauszug
schicken!! Sobald er erscheint6!!! Sagen Sie
das dem Schreker. – Auch Wyß soll recht
gut sein! Und wer ist der Tenor?
Davon höre ich gar nichts mehr!! Ich schlage
vor: Nachod (der die Partie in Wien
schon gesungen hat7) und Waschmann!
Seidler soll nicht besonders gut sein. Stimmlich
schon, aber sonst – ! –
Nun das Wichtigste:
III. Sie sagten, die Partiturausgabe8 die Sie drucken
lassen, werde zum Dirigieren nicht geeignet sein.
Sie wollten dazu Abschriften desim großen Format
anfertigen lassen.
lassen, werde zum Dirigieren nicht geeignet sein.
Sie wollten dazu Abschriften desim großen Format
anfertigen lassen.
Ich schlage etwas besseres vor, das billiger ist und,
wie mir scheint, viel Zukunft hat.
wie mir scheint, viel Zukunft hat.
Nämlich:
Lassen S[ie] ein Particell9 machen. Es
wäre das ein Partitur-Auszug (der alle Ge-
sangsstimmen etc so bringt, wie ein gewöhnlicher
Klavier-Auszug, die Orchesterpartie aber
auf 2–5 oder 6 Systemen, partiturartig,
aber nicht zum Klavierspielen. Bei jeder
Stimme steht die genaue Instrumentations-
Angabe. Das wäre zum Dirigieren sehr
angenehm! Beim Studieren kann man
die großegedruckte Partitur benutzen! Die Das ganze
hätte dann kein so [...] großes Format und
wäre also sehr bequem. Außerdem wäre Alles
im Violin- und Baßschlüssel. Auch eine Erleichterung.
Ich bin überzeugt, dass, wenn Sie das autogra-
fieren lassen, es noch immer nicht teurer
kommt, als 2 oder 3 Abschriften der Partitur.
Diese Abschriften werden ja doch wenigstens
700–800 Mark kosten! Und dann wimmeln
sie von Fehlern! Berg könnte diesen
Auszug machen10. Der hat Intelligenz und
viel praktische Einfälle und würde das sehr
wäre das ein Partitur-Auszug (der alle Ge-
sangsstimmen etc so bringt, wie ein gewöhnlicher
Klavier-Auszug, die Orchesterpartie aber
auf 2–5 oder 6 Systemen, partiturartig,
aber nicht zum Klavierspielen. Bei jeder
Stimme steht die genaue Instrumentations-
Angabe. Das wäre zum Dirigieren sehr
angenehm! Beim Studieren kann man
die großegedruckte Partitur benutzen! Die Das ganze
hätte dann kein so [...] großes Format und
wäre also sehr bequem. Außerdem wäre Alles
im Violin- und Baßschlüssel. Auch eine Erleichterung.
Ich bin überzeugt, dass, wenn Sie das autogra-
fieren lassen, es noch immer nicht teurer
kommt, als 2 oder 3 Abschriften der Partitur.
Diese Abschriften werden ja doch wenigstens
700–800 Mark kosten! Und dann wimmeln
sie von Fehlern! Berg könnte diesen
Auszug machen10. Der hat Intelligenz und
viel praktische Einfälle und würde das sehr
schön lösen. –
Vielleicht könnte man es
so einrichten, dass man die Platten des
Klavierauszuges, dort wo Chor etc vor-
kommt teilweise benützt. Das muss doch
technisch möglich sein. Bitte schreiben
Sie mir gleich darüber. Fragen Sie auch
Schreker , ob ihm das nicht zum Dirigieren
sehr angenehm wäre. Freilich: Die
Instrumentationsbezeichnung müsste sehr
groß und deutlich und systematisch sein.
Fragen Sie auch Wöß, der versteht ja so
viel von diesen Dingen. (herzl Gruß an ihn).
so einrichten, dass man die Platten des
Klavierauszuges, dort wo Chor etc vor-
kommt teilweise benützt. Das muss doch
technisch möglich sein. Bitte schreiben
Sie mir gleich darüber. Fragen Sie auch
Schreker , ob ihm das nicht zum Dirigieren
sehr angenehm wäre. Freilich: Die
Instrumentationsbezeichnung müsste sehr
groß und deutlich und systematisch sein.
Fragen Sie auch Wöß, der versteht ja so
viel von diesen Dingen. (herzl Gruß an ihn).
Ich hoffe Sie bald zu sehen und grüße
Sie einstweilen herzlichst Ihr Arnold Schönberg
Sie einstweilen herzlichst Ihr Arnold Schönberg
Generalprobe
Aufführung
Mahler-Vortrag
Aufführung
Im Zuge der
Terminplanung stand auch die Aufführung im Rahmen der Musikfestwoche
im Juni 1913 im Raum, die insbesondere
wegen Beteiligung hochkarätiger Künstler:innen attraktiv erschien
(ASGA B
16/3, S. 41).
höre
Schönberg paraphrasiert Alban
Bergs Bericht und Meinungsäußerung zu den
Konzertplanungen (Alban Berg an Arnold Schönberg, 6. Oktober 1912; ASCC
19797).
erscheint
Lieferdatum: 25. Februar 1913, Auflage: 498 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 660).
gesungen hat
Schönberg war bereits an seinen
Cousin Hans Nachod
herangetreten und hatte avisiert, dass dieser die ihm noch neuen
Teile der Partie des Waldemar nach gutem Studium mit Schönberg durchnehmen müsse.
Nachod reagierte
„[h]ocherfreut“ und stellte sich „mit Begeisterung“ zur Verfügung
(Arnold Schönberg an Hans Nachod, 23. Juli 1912; ASCC 6444; Hans Nachod an Arnold Schönberg, 4. August
1912; ASCC 14578).
Partiturausgabe
Die Partitur erschien als Faksimile der
Partiturreinschrift (ASGA B 16/1, Quelle C) mit Lieferdatum: 8. November 1912, Auflage: 500 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 660), stellte sich jedoch als zu kleindimensioniert für
Dirigierzwecke heraus.
Particell
Schönbergs Idee
wurde nicht realisiert.
Auszug machen
Alban Berg an Arnold
Schönberg, 22. Oktober 1912 (ASCC
19800); Arnold Schönberg an Alban Berg, 27. Oktober 1912
(ASCC 6173).
10/10.
1912
Lieber Herr Direktor, gestern war die Generalprobe1
am 16. ist die Aufführung2 des „Pierrot“. Sie kommen doch!! Am 13 halte ich meinen Mahler-Vortrag3. –
– Zu den Gurre Liedern einiges sehr
Wichtige.
I. Ich wüßte nun endlich gern was los ist! Kommt eine
Aufführung4 zustande oder nicht?
Ich reiße mich gar nicht sehr um diese Musikfestwoche. Aber wenn es dort ist, dann möchte ich
gerne selber dirigieren. Schreker könnte mir diesen Dienst leisten. Er hat das ja
jetzt nicht mehr nötig, mit dem Dirigieren Erfolg zu haben, während
ich es brauche! Und dann: es ist doch sicher, dass der Autor, die
Sache noch anders macht, als selbst der beste Interpret. Vielleicht klopfen
Sie einmal bei Schreker an.
II. Was ich von der Besetzung höre5 ist schrecklich: die Drill-Orrigde ist unmöglich. Das seelenloseste, was es giebt. Eine Kuh! Ich will, dass an ihrer Stelle
Frau Maria Freund (Breslau, Kaiser-Wilhelmstr.
139) singt. Die ist ausgezeichnet. Ich habe sie gehört und habe mit Ihr
verabredet,
dass Sie ihr den Klavierauszug
schicken!! Sobald er erscheint6!!! Sagen Sie das dem Schreker. – Auch Wyß soll recht gut sein! Und wer ist der Tenor?
Davon höre ich gar nichts mehr!! Ich schlage vor: Nachod (der die Partie in Wien
schon gesungen hat7) und Waschmann!
Seidler soll nicht besonders gut sein.
Stimmlich schon, aber sonst – ! –
Nun das Wichtigste:
III. Sie sagten, die Partiturausgabe8 die Sie drucken lassen,
werde zum Dirigieren nicht geeignet sein. Sie wollten dazu Abschriften im großen Format anfertigen lassen.
Ich schlage etwas besseres vor, das billiger ist und, wie mir scheint, viel
Zukunft hat.
Nämlich:
Lassen Sie ein Particell9 machen. Es wäre das
ein Partitur-Auszug (der alle Gesangsstimmen etc so bringt, wie ein gewöhnlicher
Klavier-Auszug, die Orchesterpartie aber auf 2–5 oder 6 Systemen, partiturartig, aber nicht zum Klavierspielen. Bei
jeder Stimme steht die genaue Instrumentations-Angabe. Das
wäre zum Dirigieren sehr angenehm! Beim Studieren kann man die gedruckte Partitur benutzen! Das ganze hätte
dann kein so großes Format und wäre also sehr bequem. Außerdem wäre Alles im
Violin- und Baßschlüssel. Auch eine Erleichterung. Ich bin überzeugt, dass,
wenn Sie das autografieren lassen, es noch immer nicht teurer kommt, als 2 oder
3 Abschriften der Partitur. Diese Abschriften werden ja doch wenigstens
700–800 Mark kosten! Und dann wimmeln sie von Fehlern! Berg könnte diesen Auszug machen10. Der hat Intelligenz und viel
praktische Einfälle und würde das sehr schön lösen. –
Vielleicht könnte man es so einrichten, dass man die Platten des
Klavierauszuges, dort wo Chor etc vorkommt teilweise benützt. Das muss doch technisch möglich
sein. Bitte schreiben Sie mir gleich darüber. Fragen Sie auch
Schreker
, ob ihm das nicht zum Dirigieren
sehr angenehm wäre. Freilich: Die Instrumentationsbezeichnung müsste
sehr groß und deutlich und systematisch sein. Fragen Sie auch
Wöß, der versteht ja so viel von
diesen Dingen. (herzl Gruß an ihn).
Ich hoffe Sie bald zu sehen und grüße Sie einstweilen herzlichst
Ihr
Arnold Schönberg
Generalprobe
Aufführung
Mahler-Vortrag
Aufführung
Im Zuge der
Terminplanung stand auch die Aufführung im Rahmen der Musikfestwoche
im Juni 1913 im Raum, die insbesondere
wegen Beteiligung hochkarätiger Künstler:innen attraktiv erschien
(ASGA B
16/3, S. 41).
höre
Schönberg paraphrasiert Alban
Bergs Bericht und Meinungsäußerung zu den
Konzertplanungen (Alban Berg an Arnold Schönberg, 6. Oktober 1912; ASCC
19797).
erscheint
Lieferdatum: 25. Februar 1913, Auflage: 498 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 660).
gesungen hat
Schönberg war bereits an seinen
Cousin Hans Nachod
herangetreten und hatte avisiert, dass dieser die ihm noch neuen
Teile der Partie des Waldemar nach gutem Studium mit Schönberg durchnehmen müsse.
Nachod reagierte
„[h]ocherfreut“ und stellte sich „mit Begeisterung“ zur Verfügung
(Arnold Schönberg an Hans Nachod, 23. Juli 1912; ASCC 6444; Hans Nachod an Arnold Schönberg, 4. August
1912; ASCC 14578).
Partiturausgabe
Die Partitur erschien als Faksimile der
Partiturreinschrift (ASGA B 16/1, Quelle C) mit Lieferdatum: 8. November 1912, Auflage: 500 (Buchon 2015, Bd. 5,
S. 660), stellte sich jedoch als zu kleindimensioniert für
Dirigierzwecke heraus.
Particell
Schönbergs Idee
wurde nicht realisiert.
Auszug machen
Alban Berg an Arnold
Schönberg, 22. Oktober 1912 (ASCC
19800); Arnold Schönberg an Alban Berg, 27. Oktober 1912
(ASCC 6173).
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 10. Oktober 1912, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.7009.