Lieber Herr Direktor Herzka, ich kann Ihnen gewiss bis zu Ihrer
Abreise nichts Entscheidendes sagen. Denn leider haben Sie doch
wieder den Weg des Feilschens betreten haben. Auf diesen werde [ich]
ich Ihnen aber leider nicht folgen können, denn ich habe keine
Zeit.
Um gleich zu sagen um was es sich handelt:
I. Es schien mir als eine Einigung erst von diesem Augenblick an
denkbar, wo Sie es aus[s]prachen, dass ich mich nur mit einem Teil [mei]
meines Schaffens verpflichten müsste. Diese wichtigste Bedingu -
gung haben Sie in Ihrem Vorschlag überhaupt nicht mehr erwähnt:
wie soll man da vorwärts kommen???
II. Am 22. Mai habe ich Ihnen geschrieben in welcher Weise erst
in der Frage der Auflagen-Höhe eine verbindliche Erklärung
Ihrerseits vorliegen müsste. Auch verlangte ich mündlich längst
eine Proberechnung über den beiläufigen jetzt auszuzahlenden
Betrag. Auch diesen Punkt ignorieren Sie
vol[l]kommen!!
Ich werde Ihnen in einigen Tagen ganz präzise Vorschläge machen,
diese in 2 Exemplaren an die U.E. senden und sie bitten sich
diese nach Berlin nach senden zu lassen, um mir von dort aus
Ihre endgültige Entscheidung zu geben.
Ich habe die Absicht, nur im Notfall Konsequenzen zu ziehen aus
der Tatsache, das derzeit kein Vertrag zwischen uns besteht; [aber]
aber: wie beim Schachspiel wird dieser Notfall auch durch Zeit-
überschreitung eint[r]eten können.
Ich will nicht verhehlen, dass die schriftlichen und mündlichen
Vorschläge, die Sie bisher gemacht haben, manches enthal-
ten, was mir die Aussicht auf Einigungsmöglichkeit eröffnet.

Aber es ist nötig, dass ich das Vertrauen finden kann, dass Sie mir
aus meinen Werken wirklich ein angemessenes Einkommen zuflie-
ssen lassen wollen. Ich will nichts anderes mehr tun, als meine
Werke schreiben. Und davon muss ich leben können: das ist
mein einziger und wichtigster Vertragspunkt.
Bitte senden Sie mir Ihre Vorschläge stets in zwei Exemplaren[.]
Ich schreibe dann auf eines gleich meine Antwort.
Ich wünsche Ihnen angenehme Reise [u]nd gute Unterhaltung in
Berlin.
Mit vielen herzlichen Grüs[s]en und dem ebenso herzlichen
Wunsch nach einem baldigen Friedensschluss, bi[n] ich Ihr
Lieber Herr Direktor Herzka, ich kann Ihnen gewiss bis zu Ihrer Abreise nichts Entscheidendes sagen. Denn leider haben Sie doch wieder den Weg des Feilschens betreten. Auf diesen werde ich Ihnen aber nicht folgen können, denn ich habe keine Zeit.
Um gleich zu sagen um was es sich handelt:
I. Es schien mir eine Einigung erst von diesem Augenblick an denkbar, wo Sie es aussprachen, dass ich mich nur mit einem Teil meines Schaffens verpflichten müsste. Diese wichtigste Bedin gung haben Sie in Ihrem Vorschlag überhaupt nicht mehr erwähnt: wie soll man da vorwärts kommen???
II. Am 22. Mai habe ich Ihnen geschrieben in welcher Weise erst in der Frage der Auflagen-Höhe eine verbindliche Erklärung Ihrerseits vorliegen müsste. Auch verlangte ich mündlich längst eine Proberechnung über den beiläufigen jetzt auszuzahlenden Betrag. Auch diesen Punkt ignorieren Sie vollkommen!!
Ich werde Ihnen in einigen Tagen ganz präzise Vorschläge machen, diese in 2 Exemplaren an die U.E. senden und sie bitten sich diese nach Berlin nach senden zu lassen, um mir von dort aus Ihre endgültige Entscheidung zu geben.
Ich habe die Absicht, nur im Notfall Konsequenzen zu ziehen aus der Tatsache, das derzeit kein Vertrag zwischen uns besteht; aber: wie beim Schachspiel wird dieser Notfall auch durch Zeitüberschreitung eintreten können.
Ich will nicht verhehlen, dass die schriftlichen und mündlichen Vorschläge, die Sie bisher gemacht haben, manches enthalten, was mir die Aussicht auf Einigungsmöglichkeit eröffnet. Aber es ist nötig, dass ich das Vertrauen finden kann, dass Sie mir aus meinen Werken wirklich ein angemessenes Einkommen zufliessen lassen wollen. Ich will nichts anderes mehr tun, als meine Werke schreiben. Und davon muss ich leben können: das ist mein einziger und wichtigster Vertragspunkt.
Bitte senden Sie mir Ihre Vorschläge stets in zwei Exemplaren. Ich schreibe dann auf eines gleich meine Antwort.
Ich wünsche Ihnen angenehme Reise und gute Unterhaltung in Berlin.
Mit vielen herzlichen Grüssen und dem ebenso herzlichen Wunsch nach einem baldigen Friedensschluss, bin ich Ihr
Arnold Schönberg

30. Mai 1923


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 30. Mai 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.859.

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