Charlottenburg 2
Pension Bavaria
25.IV.1927
PT UE aus den letzten Briefen1 glaube ich den Stil des Herrn
Direktor Herzka zu erkennen. Auch von ihm würde ich die Grobhe[i]t
des Briefes vom 23. Absatz 2: „Ihre Bemerkung.........dürfen wir
wohl übergehen“ nicht unwidersprochen hinnehmen, obwohl wir
ja immerhin alte Freunde sind. Den Unterzeichneten müsste ich
sie unbedingt sehr übelnehmen und darum wäre es mir erwünscht
wenn derjenige, den man am Stil erkennt, auch an der Unterschrift
kenntlich wäre. Sollte [S]ich mich aber irren und sollte Herr Di-
rektor Herzka noch krank sein, so bitte ich ihn herzlichst von
mir zu grüssen und gefälligst zur Kenntnis zu nehmen, dass man
eine Bemerkung von mir höchstens mit Stillschweigen übergehen dürfte.
Welches nämlich sehr beredt wäre – zu meinen Gunsten!
Zur Sache möchte ich erwähnen, dass meine Bemerkung keineswegs
irrtümlich ist, sondern auf der Tatsache beruht, dass ich Herrn [D]
Direktor Herzka unzähligemale bat, meine Autorenbanden-Angelegen-
heit zu ordnen, dass ich mir das sogar bei Abschluss unseres
letzten Vertrages ausbedungen habe; mehr aber noch, dass ich im
Juli vorigen Jahres über Zureden des Herrn Direktors auf die
augenblickliche Regelung meines Verhältnisses verzichtete, da
er mir eine zufriedenstellende Lösung für den Herbst zuverläs-
sig versprach. So sieht nun die Zuverlässigkeit und so die Lö-
sung aus: dass ich nämlich heuer wieder keine
Tantiemen
erhalten soll – wenn ich mich nicht zur
Wehre setze!
Aber vielleicht hat derjenige der den Brief vom 22. [...] D/Ma.

verfasst hat, Recht; vielleicht ist es wirklich besser diese
Sache bis zu meiner Rück[k]ehr (Anfangs Juni) zu verschieben. Man
würde sich gewiss unnötig ärgern. Und da ich augenblicklich
sehr angestrengt an einem grösseren[.] Werke arbeite, darf ich
mich bei Ihrem besten Willen nicht ärgern.
Ich bin also, ohne meinem Standpunkt zu präjudizieren, bereit,
im Juni diese Fragen mündlich zu besprechen.
Da jedoch durch Ihren Antrag, durch meine Antwort hierauf, durch
Ihre Zurückziehung und meinen Protest hiegegen soviel Zeit ver-
flossen ist, die ich gerne zur Wettmachung meiner alljährlichen
Abrechnungsent[t]äuschung (das einzige was ich von der UE derzeit
mit Sicherheit erwarten darf) benützt hätte, wozu mir in Aussicht
stehende sehr nette Angebote leicht verholfen hätten, so möchte
ich von Ihnen eine[n] Vorschuss auf meine Erträgnisse, also auf
konto „alte Werke“ von tausend Mark haben. Sie nann-
ten Ihren vorigen Brief eine Friedenstaube. Wir halten noch nicht
dabei, sondern erst bei den Präliminarien: ich will gerne mit
der schliesslichen Friedenspfeife rechnen, obwohl mir meine
Aerzte verbieten, so schlechtes zu rauchen. Dann will ich aber
vorher eine kleine Leistung meines Kontos alte Werke sehen, wel-
che ja auch nicht ohne sind: ohne Leistungen und ohne Erträgnis
se nicht; gewiss wenigstens in diesem Jahre!
Bitte Herrn Direktor Herzka auf alle Fälle meine herzlichsten
Grüsse. Hochachtungsvoll Arnold Schönberg
Charlottenburg 2
Pension Bavaria
25.IV.1927
PT UE aus den letzten Briefen1 glaube ich den Stil des Herrn Direktor Herzka zu erkennen. Auch von ihm würde ich die Grobheit des Briefes vom 23. Absatz 2: „Ihre Bemerkung.........dürfen wir wohl übergehen“ nicht unwidersprochen hinnehmen, obwohl wir ja immerhin alte Freunde sind. Den Unterzeichneten müsste ich sie unbedingt sehr übelnehmen und darum wäre es mir erwünscht wenn derjenige, den man am Stil erkennt, auch an der Unterschrift kenntlich wäre. Sollte ich mich aber irren und sollte Herr Direktor Herzka noch krank sein, so bitte ich ihn herzlichst von mir zu grüssen und gefälligst zur Kenntnis zu nehmen, dass man eine Bemerkung von mir höchstens mit Stillschweigen übergehen dürfte. Welches nämlich sehr beredt wäre – zu meinen Gunsten!
Zur Sache möchte ich erwähnen, dass meine Bemerkung keineswegs irrtümlich ist, sondern auf der Tatsache beruht, dass ich Herrn Direktor Herzka unzähligemale bat, meine Autorenbanden-Angelegenheit zu ordnen, dass ich mir das sogar bei Abschluss unseres letzten Vertrages ausbedungen habe; mehr aber noch, dass ich im Juli vorigen Jahres über Zureden des Herrn Direktors auf die augenblickliche Regelung meines Verhältnisses verzichtete, da er mir eine zufriedenstellende Lösung für den Herbst zuverlässig versprach. So sieht nun die Zuverlässigkeit und so die Lösung aus: dass ich nämlich heuer wieder keine Tantiemen erhalten soll – wenn ich mich nicht zur Wehre setze!
Aber vielleicht hat derjenige der den Brief vom 22. D/Ma. verfasst hat, Recht; vielleicht ist es wirklich besser diese Sache bis zu meiner Rückkehr (Anfangs Juni) zu verschieben. Man würde sich gewiss unnötig ärgern. Und da ich augenblicklich sehr angestrengt an einem grösseren Werke arbeite, darf ich mich bei Ihrem besten Willen nicht ärgern.
Ich bin also, ohne meinem Standpunkt zu präjudizieren, bereit, im Juni diese Fragen mündlich zu besprechen.
Da jedoch durch Ihren Antrag, durch meine Antwort hierauf, durch Ihre Zurückziehung und meinen Protest hiegegen soviel Zeit verflossen ist, die ich gerne zur Wettmachung meiner alljährlichen Abrechnungsenttäuschung (das einzige was ich von der UE derzeit mit Sicherheit erwarten darf) benützt hätte, wozu mir in Aussicht stehende sehr nette Angebote leicht verholfen hätten, so möchte ich von Ihnen einen Vorschuss auf meine Erträgnisse, also auf konto „alte Werke“ von tausend Mark haben. Sie nannten Ihren vorigen Brief eine Friedenstaube. Wir halten noch nicht dabei, sondern erst bei den Präliminarien: ich will gerne mit der schliesslichen Friedenspfeife rechnen, obwohl mir meine Aerzte verbieten, so schlechtes zu rauchen. Dann will ich aber vorher eine kleine Leistung meines Kontos alte Werke sehen, welche ja auch nicht ohne sind: ohne Leistungen und ohne Erträgnisse nicht; gewiss wenigstens in diesem Jahre!
Bitte Herrn Direktor Herzka auf alle Fälle meine herzlichsten
Grüsse. Hochachtungsvoll Arnold Schönberg

25. April 1927

26. April 1927

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection


Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 25. April 1927, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.1 vom 20.01.2026. URL: ://www.ascwien.org/ue/letters/letter.1308.

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